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23.11.2022

13:15

Energieversorgung

Uniper braucht bis zu 33 Milliarden Euro Kapital vom Staat

Von: Arno Schütze

Der Energiekonzern lässt noch in diesem Jahr die Aktionäre über die Rettungspläne abstimmen. Zum ursprünglichen Paket kommen zusätzlich 25 Milliarden Euro.

Die außerordentliche Hauptversammlung soll am 19. Dezember stattfinden. Reuters

Uniper

Die außerordentliche Hauptversammlung soll am 19. Dezember stattfinden.

Frankfurt Der wegen fehlender russischer Gaslieferungen in Schieflage geratene Energiekonzern Uniper soll vom Bund bis zu 25 Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital bekommen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Angesichts eines Politikschwenks reichten die ursprünglich veranschlagten acht Milliarden Euro nicht aus.

Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember über die Pläne abstimmen. Dabei würde der bisherige Mehrheitseigentümer Fortum seinen Anteil komplett verlieren. Die Zustimmung gilt allerdings als sicher, da die Pläne mit dem finnischen Staatskonzern abgestimmt sind.

Im September hatten sich Uniper, Fortum und der Bund auf eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalspritze des Bundes verständigt. Damals war allerdings geplant gewesen, dass Uniper die gestiegenen Gaspreise mittels einer von der Regierung geplanten Gasumlage auf die Verbraucher würde abwälzen können. Mittlerweile hat sich Berlin jedoch dafür entschieden, die Bürger mithilfe eines Gaspreisdeckels zu unterstützen, weshalb die hohen Einkaufspreise in der Uniper-Bilanz voll durchschlagen.

Uniper-Aktionäre sollen zusätzliches genehmigtes Kapital schaffen

Weiterhin ist zwar eine Barkapitalerhöhung in Höhe von acht Milliarden Euro zum Nennwert der Aktie von 1,70 Euro geplant, die ausschließlich vom Bund gezeichnet werden soll. Darüber hinaus sollen die Aktionäre ein genehmigtes Kapital in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro schaffen, also die Möglichkeit für spätere Kapitalerhöhungen in dieser Größenordnung.

Mit diesen sollen die für das laufende Jahr und die beiden Folgejahre erwarteten Verluste aus dem teuren Kauf von Erdgas aus anderen Quellen ausgeglichen werden. So könnte Uniper etwa verflüssigtes Erdgas (LNG) beziehen, das künftig über neue Terminals in Deutschland ankommt. Zur Überbrückung soll die staatliche KfW-Bank eine Zwischenfinanzierung bereitstellen.

Mit den Zusatzkosten von bis zu 25 Milliarden Euro bewegt sich Uniper im Mittelfeld der Voraussagen aus dem Oktober. Damals hatte das Unternehmen über zusätzliches Kapital von 15 bis 40 Milliarden Euro mit dem Bund verhandelt.

Inzwischen sind die deutschen Gasspeicher allerdings komplett gefüllt, und die Preise haben wieder deutlich nachgegeben. Die Gaspreise waren angesichts des russischen Lieferstopps von rund 50 Euro vor einem Jahr auf bis zu 350 Euro je Megawattstunde gestiegen und liegen nun bei rund 125 Euro.

Nach Angaben von Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach sollen die Kapitalmaßnahmen eine „monatelange Phase der Unsicherheit für unser Unternehmen und unsere Kunden beenden“. Damit werde geregelt, wie die enormen Folgekosten der russischen Gaskürzungen getragen werden können, die überwiegend bei Uniper anfielen.

„Es geht um nicht weniger als einen erheblichen Teil von Deutschlands Gasrechnung, der nun aus Steuermitteln bezahlt wird – und nicht, wie ursprünglich geplant, über eine Gasumlage“, sagte Maubach. Ohne diese Entlastung wäre eine noch höhere Kostenwelle unweigerlich auf die Uniper-Kunden zugekommen. „Durch die staatliche Stützung kann Uniper seine Kunden weiterhin zu den vor dem Krieg vertraglich vereinbarten Konditionen mit Gas beliefern.“
Mit Agenturmaterial

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