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14.09.2021

12:12

Energiewirtschaft

Von RWE zum Ölkonzern: Dotzenrath wird Vorständin bei BP

Von: Jürgen Flauger, Kathrin Witsch

Vor einem Monat gab die Chefin der Erneuerbaren-Sparte von RWE überraschend ihren Abgang bekannt – jetzt hat sie einen neuen Job bei einem Weltkonzern.

Vor Kurzem gab Anja-Isabel Dotzenrath den Abschied bei RWE bekannt. Jetzt wechselt sie zu BP. RWE

Anja-Isabel Dotzenrath

Vor Kurzem gab Anja-Isabel Dotzenrath den Abschied bei RWE bekannt. Jetzt wechselt sie zu BP.

Düsseldorf. Vor drei Wochen überraschte Anja-Isabel Dotzenrath mit ihrem Abschied bei RWE. Nach gerade einmal eineinhalb Jahren legte sie den Chefposten des Zukunftsgeschäfts RWE Renewables schon wieder nieder. „Auf eigenen Wunsch“, wie es hieß und was viele Fragen offen ließ.

Jetzt ist klar: Die Managerin hat einen neuen Job gefunden – bei einem Weltkonzern. Dotzenrath zieht in den Vorstand von Ölkonzern BP ein. Sie wird Mitglied des globalen Vorstands und übernimmt den Posten des Executive Vice President Gas & Low Carbon Energy. Ihren neuen Job wird sie am 1. März 2022 antreten. Vorgänger Dev Sanyal wird das Unternehmen Ende 2021 verlassen.

Dotzenrath gelingt damit ein Karrieresprung, den die 54-Jährige schon bei RWE gern gemacht hätte. Wie es in Kreisen des Konzerns heißt, hatte die Managerin schon dort in den Vorstand gestrebt, sei letztlich aber wohl hingehalten worden. Dass Dotzenrath und ihr ehemaliger Arbeitgeber nicht unbedingt im Guten auseinandergegangen sind, lässt auch die Art ihres Abgangs vermuten.

Sie räumte am selben Tag ihren Posten, an dem RWE die Neuaufstellung seiner Erneuerbaren-Sparte verkündete. Von Dotzenrath gab es dazu weder ein Wort der Begründung noch des Abschieds. Ein harmonischer Abgang verläuft erfahrungsgemäß anders.

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    Konzernumbau bei BP

    Für BP ergibt die Personalie hingegen gleich doppelt Sinn: Der vorwiegend männliche Vorstand des Mineralölkonzerns wird diverser – und BP unterstreicht, dass es dem Unternehmen mit dem Umbau des Konzerns zu mehr erneuerbaren Energien tatsächlich ernst ist. 

    Schließlich kennt sich die studierte Elektroingenieurin Dotzenrath mit dem Umbau von fossilen zu alternativen Energien gut aus. Seit Oktober 2019 hat sie das neue Kerngeschäft von RWE, die Erneuerbaren, aufgebaut. RWE hatte im milliardenschweren Tauschgeschäft mit Konkurrent Eon zwar die Tochter Innogy abgegeben, aber deren Aktivitäten im Bereich bei Wind- und Solarenergie übernommen und auch die entsprechende Sparte von Eon.

    Zuvor hatte Dotzenrath die erneuerbaren Energien bei Eon geführt. Bei RWE leitete sie dann eine neue Sparte, die vom Start weg zu den größten Spielern bei den erneuerbaren Energien zählte, sich unter anderem bei Offshore-Windkraft als Nummer zwei weltweit sieht und große Ambitionen hat.

    Umso überraschender war Dotzenraths Abgang. Immerhin hat sie fast ihre gesamte Laufbahn bei den beiden größten Energiekonzernen Deutschlands, RWE und Eon, verbracht. Damals hatte sie sogar als Trainee bei RWE begonnen, danach kümmerte sie sich um Vertrieb und Netze. Nach ein paar Jahren zog es sie aber erst einmal weg aus dem Ruhrgebiet, ins Ausland und zur Unternehmensberatung. 2011 kehrt sie nach Nordrhein-Westfalen zurück, als Managerin beim Energiekonzern Eon

    Auf die neue Aufgabe bei RWE hatte sich Dotzenrath 2019 noch gefreut, „das ist eine einmalige Gelegenheit“, schwärmte sie damals. Dabei unterscheidet sich die neue „Gelegenheit“ bei BP gar nicht so stark von ihrem alten Job. 

    BP hat bei erneuerbaren Energien viel vor

    Bei BP stößt sie auf einen Konzern, der vor einer nicht weniger schwierigen Transformation steht. Der Ölkonzern muss auch auf die Herausforderung Klimaschutz reagieren und will massiv in erneuerbare Energien investieren.

    Dotzenrath solle „den Wandel von einem internationalen Ölunternehmen zu einem integrierten Energieunternehmen mitgestalten“, sagte CEO Bernard Looney. Sie habe eine „nachgewiesene Erfolgsbilanz in Hinblick auf die Transformation und das Wachstum von Unternehmen“.

    „Durch die Integration von Gas, erneuerbaren Energien, Wasserstoff und Biokraftstoffen im großen Maßstab können wir ein weltweit führendes Unternehmen für emissionsarme Energien aufbauen“, sagte die neue Vorständin selbst.

    BP will bis zum Jahr 2025 netto 20 Gigawatt (GW) an erneuerbaren Energien entwickeln und bis 2030 insgesamt 50 GW. Schon 2021 will der Konzern rund zwei Milliarden Dollar in emissionsarme Energien investieren. Bis 2025 sollen die Investitionen auf drei bis vier Milliarden Dollar pro Jahr steigen und bis 2030 auf fünf Milliarden. 2021 war BP sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich in das Offshore-Windgeschäft eingestiegen, hat nach eigenen Angaben eine große Projektpipeline im Solargeschäft in den USA erworben und das Solar-Joint-Venture Lightsource BP weiterentwickelt.

    Die erneuerbare Energiekapazität von BP betrug zum Ende des ersten Halbjahres 2021 rund 3,7 Gigawatt, weitere 21 GW befinden sich bereits in der Entwicklung. Bei BP sitzt Dotzenraths ehemaliger Chef bei Eon, Johannes Teyssen, im Board.
    Mehr: Sparte aufgespalten, Chefin weg: RWE sortiert Erneuerbare-Energien-Geschäft neu

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