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20.09.2017

17:18 Uhr

Eons Milliardendeal mit Fortum

Uniper-Chef Schäfer muss um seinen Job bangen

VonFranz Hubik

Der finnische Versorger Fortum will den Eon-Anteil an der Kraftwerkstochter Uniper kaufen. Der Verkauf soll über die Börse laufen. Analysten sind überzeugt: Der Verlierer des Deals dürfte das Uniper-Management sein.

Zum Börsenstart war der Uniper-Chef noch guter Dinge – nun muss er um seinen Job fürchten. dpa

Klaus Schäfer

Zum Börsenstart war der Uniper-Chef noch guter Dinge – nun muss er um seinen Job fürchten.

DüsseldorfEin Jahr nach der Abspaltung der Kraftwerkstochter Uniper will Eon Kasse machen und seinen verbliebenen 47-prozentigen Anteil verkaufen. Die Gespräche über eine entsprechende Vereinbarung mit dem finnischen Versorger Fortum seien fortgeschritten, teilten beiden Energiekonzerne am Mittwoch mit. Bei einer Einigung sei ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von Fortum an alle Uniper-Aktionäre geplant, über das die Uniper Aktionäre Anfang 2018 entscheiden könnten.

Vorgesehen ist aktuell eine Offerte in der Höhe von 22 Euro pro Aktie. Damit würde Uniper insgesamt mit rund acht Milliarden Euro bewertet. Eon könnte für sein Aktienpaket mit einem Gesamterlös von 3,8 Milliarden Euro rechnen.

Fortum-Chef Pekka Lundmark betonte, das geplante Angebot bedeute einen 36-prozentigen Aufschlag auf den Preis der Uniper-Aktie vor Beginn der Marktspekulationen über eine Übernahme Ende Mai. Allerdings lag der aktuelle Kurs der Uniper-Aktie am Mittwochnachmittag bereits etwas oberhalb der Fortum-Offerte.

Die Aktie von Uniper legte am Mittwoch um teils mehr als sechs Prozent zu, jene von Eon um mehr als drei Prozent. „Der Übernahmepreis von 22 Euro ist für die Aktionäre von Uniper und Eon sehr attraktiv“, sagte Sven Diermeier dem Handelsblatt. Der Analyst von Independent Research geht nun aber davon aus, dass Fortum bei dem hohen gebotenen Preis „auch das Sagen bei Uniper haben möchte“, so Diermeier.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Auch Holger Fechner hält den Vorstoß zwar sehr gut für die Anteilseigner der Konzerne, aber äußerst schlecht für den Vorstand von Uniper. „Der große Verlierer des Deals dürfte das Uniper-Management sein“, erklärte der NordLB-Analyst dem Handelsblatt.  „Denn wenn Fortum das Eon-Aktienpaket an Uniper übernimmt, könnten die Finnen den Vorstand von Uniper auswechseln. Das Management von Uniper ist hier ziemlich machtlos“, sagt Fechner.

Im Klartext heißt das: Uniper-Chef Klaus Schäfer muss jetzt um seinen Job und die Unabhängigkeit seines Konzerns bangen. Dabei dachte der MDax-Manager, dass er sich auf das Wort von Eon-Chef Johannes Teyssen verlassen kann und genau solch eine Situation nicht eintreten wird.

Als Eon vor mehr als einem Jahr sein Geschäft auf erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze fokussierte und parallel die alten, konventionellen Gas- und Kohlekraftwerke sowie den Energiehandel in die neue Gesellschaft Uniper auslagerte, wollte Teyssen mit diesem Schritt zwei Unternehmen den Weg in eine unabhängige Zukunft ebnen.

Uniper-Chef Klaus Schäfer im Interview: „So schafft man Vertrauen“

Uniper-Chef Klaus Schäfer im Interview

„So schafft man Vertrauen“

Das erste Jahr an der Börse war für Uniper ein voller Erfolg. Vorstandschef Klaus Schäfer nimmt jetzt aber Großaktionär Eon in die Pflicht. Der soll seine Anteile an der Börse verkaufen – und nicht an einen Konkurrenten.

„Ich verlasse mich mal darauf, was von Anfang an als Ziel der Aufspaltung formuliert worden war“, erinnerte Uniper-CEO Schäfer seinen Ex-Chef Teyssen erst vor einer Woche im Handelsblatt-Interview an die gemeinsamen Absprachen. Schäfer betonte auch, dass die Glaubwürdigkeit von Teyssen davon abhänge, „dass öffentlich getätigte Aussagen nachhaltig und belastbar sind“.

Doch seit dem Börsengang von Uniper im September 2016 ist Teyssen rein rechtlich gesehen nur noch dem Wohl der Eon-Aktionäre verpflichtet. Und auf seine Versprechen von einst scheint er jetzt wenig zu geben. Zumal es für Eon vorteilhafter sein dürfte, den Anteil an Uniper als Paket an Fortum oder einen Investor zu verkaufen. „Dann ist die Angelegenheit mit einem Schlag erledigt“, erklärt Analyst Diermeier. „Die Anteile einzeln über die Börse zu verkaufen, wäre da im Vergleich doch sehr beschwerlich.“

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (2)

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Herr Andre Peter

20.09.2017, 18:09 Uhr

DIE DEUTSCHE VERSORGUNGSSICHERHEIT SOLL FINNEN ÜBERLASSEN WERDEN???
Wie unvernünftig ist das denn????
Uniper hat neben Kohle- auch Wasser- und Gas- Kraftwerke. Alle haben die Eigenschaft, dass sie sehr schnell hochgefahren werden können und zu Spitzenzeiten des Stromverbrauches den Strom liefern können.
Werden nun die Atomkraftwerke abgeschaltet, so wird das Problem Spitzenlast deutlich stärker in den Vordergrund treten: Wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint, dann MUSS UNIPER LIEFERN. Der Strompreis wird zu Spitzenlastzeiten an den Börsen hoch gehandelt. Das weiß EON - weshalb EON dann seine Anteile recht billig abgeben mag, ist mir absolut unverständlich. Genauer gesagt: DUMM.

Herr Andre Peter

20.09.2017, 18:15 Uhr

FORTUM hat eine Marktkapitalisierung von 15 Mrd. EUR bei einem Umsatz von 4,26 Mrd. EUR.
UNIPER hat eine Marktkapitalisierung von 8,16 Mrd. EUR bei einem Umsatz von 67 Mrd. EUR.
UNIPER erzielt deutlich höhere Gewinne als FORTUM (niedriger KGV) und auch als EON.
Weshalb sollte man ein Unternehmen verkaufen, dass BESSER als man selbst Gewinne erwirtschaftet und damit zum Unternehmenserfolg beiträgt.
Wie dumm ist das denn?

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