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18.06.2018

13:21

Erneuerbare Energien

Trump mag Ökostrom nicht – und hält deutsche Versorger trotzdem nicht von Investitionen in den USA ab

Von: Jürgen Flauger

Der US-Präsident hält nichts von Ökostrom. Dennoch wollen deutsche Versorger in den USA Wind- und Solarparks bauen. Innogy plant gleich mehrere Projekte.

Innogy plant den Bau von großen Wind- und Solarparks in den USA. Von Trumps Abneigung gegenüber erneuerbarer Energien lassen sie sich nicht irritieren. dpa

Wind- und Solarpark in den USA

Innogy plant den Bau von großen Wind- und Solarparks in den USA. Von Trumps Abneigung gegenüber erneuerbarer Energien lassen sie sich nicht irritieren.

Von seiner Einstellung gegenüber den erneuerbaren Energien macht Donald Trump kein Hehl: Der US-Präsident hält wenig von Wind- und Solarenergie. Während Trump Kohle und Öl unterstützt, stiegen die USA auf sein Geheiß aus dem Weltklimaabkommen aus.

Die deutschen Energiekonzerne lassen sich davon aber nicht beirren und investieren weiter im großen Stil in den USA in die Energiewende. Innogy gab jetzt eine Kooperation mit dem amerikanischen Solarentwickler Birdseye Renewable Energy bekannt. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen 13 Solarprojekte mit einer Gesamtkapazität von rund 440 Megawatt (MW) entwickeln. Das entspricht etwa der Stärke eines mittelgroßen Gaskraftwerks.

Vor einer Woche hatte bereits Eon den Bau eines großen Solarparks angekündigt. In Texas soll eine Anlage mit einer Leistung von 100 MW entstehen. Das Projekt West of the Pecos wird mit 350.000 Photovoltaikmodulen eine Fläche von 550 Fußballfeldern einnehmen und soll 2020 in Betrieb gehen. Die Hälfte des Stroms hat der Konzern dabei schon für die Dauer von 20 Jahren an einen Großkunden verkauft.

Das sind Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Die Vattenfall GmbH liegt mit 12,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2017 auf Platz 6 der größten Energieversorger Deutschlands. Im Vorjahr konnte das Unternehmen noch lediglich 10,7 Milliarden Euro erwirtschaften . Nach vier Jahren mit Verlusten liegt die hundertprozentige Tochter des schwedischen Staatskonzern mit 960 Millionen Euro auch wieder in der Gewinnzone. Im Jahr 2016 hatte sich Vattenfall durch den Verkauf der Braunkohlesparte in Deutschland extrem verkleinert und angekündigt rund 600 Stellen in Deutschland abbauen zu wollen.

EnBW

Auch für die EnBW AG war 2017 ein gutes Jahr – 22 Milliarden Euro Umsatz machte das Unternehmen. Damit teilt sich der Konzern Platz 4 der Topversorger mit Eon. Unter Konzernchef Frank Mastiaux richtet sich das Unternehmen aus Baden-Württemberg endgültig auf die Energiewende aus. Die Strategie „EnBW 25“ sieht vor, dass mittelfristig konventionelle Stromerzeugung keine Rolle mehr spielen soll.

Eon

Ebenso wie EnBW machte auch die Eon AG 2017 einen Umsatz von 22 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (21,8 Milliarden Euro) allerdings ein geringeres Umsatzwachstum als bei der baden-württembergischen Konkurrenz. In einem Mega-Deal mit RWE einigte sich Eon auf die Aufteilung der RWE-Tochter Innogy. Eon wird künftig das Vertriebs- und Netzsystem von Innogy übernehmen. Gleichzeitig wird RWE an Eon mit 17 Prozent beteiligt.

Uniper

Auch die Eon-Tochter Uniper konnte 2017 ihren Umsatz erhöhen. Mit 23,9 Milliarden Euro Umsatz landet das Unternehmen auf Platz drei der deutschen Topversorger. 2016 waren es nur 21,4 Milliarden Euro. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Eon-Chef Johannes Teyssen der Übernahme durch den finnischen Energieversorger Fortum zugestimmt.

RWE

RWE machte 2017 26,3 Milliarden Euro Umsatz – 1,3 Milliarden mehr als im Vorjahr. Mit der Aufspaltung der Ökostrom-Tochter Innogy wird RWE nun einer der größten Stromanbieter Europas. Bei der Aufspaltung wird RWE das gesamte erneuerbare Energiegeschäft und das Gasspeichergeschäft von Innogy sowie den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag erhalten.

Innogy

Nach nur knapp drei Jahren steht Innogy vor der Aufspaltung zwischen RWE und Eon. Das junge Unternehmen machte bereits im Gründungsjahr 2016 einen Umsatz von 25,7 Milliarden. 2017 waren es dann schon 26,5 Milliarden. Der Konzern lag damit im Jahr vor seiner Zerschlagung auf Platz 1 der größten Energieversorger Deutschlands. Im Zuge der Aufspaltung kündigte Eon-Chef Johannes Teyssen den Wegfall von 5000 Arbeitsplätzen an.

Ebenfalls vor einer Woche gab EnBW den Einstieg in den Markt für Offshore-Windparks in den USA bekannt. Der Energiekonzern aus Süddeutschland schloss ein Joint Venture mit dem Offshore-Windparkentwickler Trident Winds. Gemeinsam wollen die beiden Partner zunächst vor der Küste Kaliforniens das Projekt „Morro Bay“ angehen, einen Windpark mit einer Leistung von 650 bis 1.000 MW. Das Projekt soll aber nur ein erster Schritt in Nordamerika sein.

Während US-Präsident Trump den erneuerbaren Energien skeptisch gegenüber steht, setzen zahlreiche Bundesstaaten auf Wind- und Solarenergie. Kalifornien beispielsweise hat – wie EnBW betont – ehrgeizige Ziele beim Klimaschutz und beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch im Mittleren Westen oder im Südosten der USA gibt es lukrative Standorte für Windränder an Land oder für Solarparks.

„Die Solarenergie ist die am schnellsten wachsende Technologie in der Energiebranche, die bereits in vielen Märkten ohne Subventionen auskommt“, erläuterte Hans Bünting das Engagement seines Unternehmens: „Die strategische Partnerschaft mit Birdseye ist für uns ein hervorragender Ausgangspunkt, um in den USA ein werthaltiges Solargeschäft auf- und auszubauen.“

Die Entwicklungspipeline des Partners und das lokale Engagement würden perfekt in Innogys Strategie passen, in große Solarkraftwerke zu investieren und zwar „in vielversprechenden Märkten, die über eine hohe Sonneneinstrahlung verfügen und sich zum Ausbau erneuerbaren Energien bekennen – wie beispielsweise die Staaten in Nordamerika.“

Erneuerbare Energien: Eon baut großen Solarpark in Texas

Erneuerbare Energien

Eon baut großen Solarpark in Texas

Eon will im Zuge der Innogy-Zerschlagung sein Ökostrom-Geschäft an RWE abgeben. Trotzdem treibt der Energiekonzern Investitionen in Grünstrom weiter voran.

Die derzeitige Entwicklungspipeline von Birdseye umfasst drei Solarprojekte in einem weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadium mit 20 MW. Diese liegen in North Carolina und der Bau soll schon Anfang 2019 beginnen. Weitere zehn Projekte mit 420 MW sind noch in „einer frühen Entwicklungsphase“. Diese Solarparks sind in North Carolina, South Carolina, Georgia und Mississippi geplant.

Innogy ist überzeugt, dass die „südöstlichen Staaten der USA aufgrund ihrer hohen Sonneneinstrahlung, der wachsenden Nachfrage nach regenerativen Energien und der positiven gesamtwirtschaftlichen Aussichten künftig einer der Hotspots für die Energiegewinnung aus Sonnenenergie sein“ werden.

Sowohl Innogy als auch Eon werden die angestoßenen Projekte in den USA aber vermutlich mittelfristig nicht selbst weiterverfolgen. Im Rahmen der von Eon geplanten Übernahme von Innogy sollen die Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien an RWE gehen. Dann wird aber der bisherige Mutterkonzern von Innogy das US-Engagement vorantreiben.

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