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17.12.2021

12:43

Festnahme

Säure-Anschlag auf damaligen Innogy-Manager Günther: Ermittler verhaften Verdächtigen

Von: Jürgen Flauger

Ein dringend Tatverdächtiger wurde in Belgien festgenommen. Bernhard Günther erhofft sich jetzt Hinweise auf Mittelsmänner und Auftraggeber.

Säure-Anschlag auf damaligen Innogy-Manager: Verdächtiger in Haft dpa

Bernhard Günther

Der Finanzvorstand des Ökostrom-Konzerns Innogy wurde bei dem Anschlag schwer verletzt.

Düsseldorf Rund dreieinhalb Jahre nach dem Säure-Attentat auf den damaligen Finanzvorstand von Innogy, Bernhard Günther, haben die Ermittler einen Mann unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Der Mann werde durch eine DNA-Spur belastet, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Wuppertal mit.

Der Tatverdächtige, ein 41-jähriger Belgier, wurde den Angaben zufolge am vergangenen Dienstag in der belgischen Provinz Limburg widerstandslos festgenommen. Das DNA-Profil des Beschuldigten stimme mit einer am Tatort aufgefundenen DNA-Spur überein.

Bernhard Günther, der inzwischen als Finanzvorstand beim finnischen Energiekonzern Fortum arbeitet, zeigte sich über „diesen wichtigen Schritt des Ermittlungsverfahrens“ erfreut. „Ich hoffe nun sehr, dass die bei der Festnahme sichergestellten Beweismittel uns nun zum eigentlichen Auftraggeber dieses Attentats auf meine Person führen“, sagte er dem Handelsblatt.

Günther war im März 2018 nach einer Joggingrunde mit Freunden unweit seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf von zwei Männern überfallen und mit Säure im Gesicht übergossen worden. Der damals 51-Jährige konnte sich schwer verletzt nach Hause retten. In einer Notoperation wurden zwar sein Leben und sein Augenlicht gerettet, er blieb aber schwer gezeichnet. Der Anschlag hatte damals vor allem die deutsche Wirtschaft schockiert. Ein ähnliches Attentat auf einen deutschen Manager hatte es bis dahin nicht gegeben.

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    Schon die zweite Festnahme

    Im Oktober 2019 hatten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wuppertal und der Düsseldorfer Mordkommission zwar schon einmal zu einer Verhaftung geführt. Damals wurde ein Verdächtiger in Köln festgenommen. Die Beweisführung war aber schwierig. Der Verdächtige wurde wieder entlassen.

    Im Zuge der andauernden Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise auf einen weiteren Tatbeteiligten, der in Belgien wohnhaft ist, wie die Ermittler jetzt mitteilten. Die belgischen Ermittlungsbehörden seien deshalb um Mithilfe gebeten worden. Nach Erlass eines europäischen Haftbefehls befinde sich der Verdächtige derzeit in Belgien in Haft. Eine kurzfristige Auslieferung sei beabsichtigt. Die umfangreichen Ermittlungen, insbesondere die Auswertung sichergestellter Beweismittel, dauerten an.

    Weitere Informationen wollen die Behörden derzeit „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht geben.

    Günther hofft vor allem, durch die Festnahme seinem Ziel „ein großes Stück näher gekommen zu sein, die Mittelsmänner und den Auftraggeber dieses Angriffs auf mich zu identifizieren. Unsere Beharrlichkeit zahlt sich aus. Wir geben nicht auf“, sagte er.

    Günther vermutet Auftraggeber im beruflichen Umfeld

    Der Energiemanager selbst hat einen konkreten Verdacht, was den Auftraggeber angeht, wie er vor zwei Jahren im Interview mit dem Handelsblatt schilderte: „Ich war mir damals schon sicher, dass das Motiv nur im beruflichen Umfeld liegen kann – und alle Erkenntnisse seitdem haben diese Überzeugung noch verstärkt.“ Er hatte schon damals eine bestimmte Person im Auge, wollte sich aber nicht näher dazu äußern.

    Hier finden Sie die zwei großen Interviews, die Jürgen Flauger mit Bernhard Günther geführt hat:

    Günther hatte wiederholt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kritisiert. Jetzt dankte er den Kriminalbeamten in Düsseldorf und in Belgien für ihre Arbeit und seinen Anwälten, „die trotz mancher Rückschläge nicht lockergelassen haben“.

    Innogy selbst war damals in einer schwierigen Situation. Nur eine Woche nach dem Attentat auf den Finanzvorstand wurde das Unternehmen mit einer Übernahmeofferte von Eon konfrontiert. Günther meldete sich aber schon wieder im Frühjahr zurück, verhandelte zusammen mit dem damaligen Chef Uwe Tigges gute Konditionen für die Innogy-Belegschaft aus. Nach der Übernahme blieb er als einziger Vorstand an Bord und arbeitete mit dem heutigen Eon-Chef Leonhard Birnbaum an der Integration von Innogy in Eon mit.

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