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22.01.2019

17:25

Fortum-Chef

Pekka Lundmark: „Wir Energieversorger müssen uns bessern“

Von: Kathrin Witsch

Fortum aus Finnland hält fast die Hälfte am deutschen Versorger Uniper. Konzernchef Lundmark fordert von der Energiewirtschaft radikales Umdenken.

„Wir müssen damit rechnen, dass ein CO2-Preis europaweit schon 2030 oder früher kommen könnte.“ Dietmar Gust, Euroforum

Pekka Lundmark auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel

„Wir müssen damit rechnen, dass ein CO2-Preis europaweit schon 2030 oder früher kommen könnte.“

BerlinEgal ob Kohleausstieg, Streit um Nord Stream 2 oder der Bau neuer Gaskraftwerke: Der Energiekonzern Uniper ist bei allen drei Streitthemen involviert. Im vergangenen Jahr übernahm der finnische Versorger Fortum fast die Hälfte an dem Düsseldorfer Unternehmen.

Im Interview auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel erklärt Fortum-CEO Pekka Lundmark, warum der Kauf trotzdem die richtige Entscheidung für den fast ausschließlich grünen Versorger aus Finnland war. Und warum ein sektorübergreifender CO2-Preis auch für Deutschland die richtige Lösung sein könnte.

Herr Lundmark, ob in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern, etwa in Finnland: Alle Energieunternehmen wollen grün werden, müssen grün werden. Wie passt das Engagement bei Uniper zu einem mehrheitlich grünen Energiekonzern wie Fortum?
Wenn wir über das Investment in Uniper sprechen, dann müssen wir natürlich auch über die Energiewende sprechen. Bei der Energiewende geht es aber eben nicht nur um Dekarbonisierung, sondern auch um Versorgungssicherheit. Und da kommt Uniper ins Spiel. Wenn wir über einen Kohleausstieg in einem Land diskutieren, wo Kohle noch 40 Prozent am Energiemix ausmacht, dann werden andere Energiequellen wie Gas immer wichtiger – davon hat Uniper einiges. Und natürlich produziert Uniper mit seiner Wasserkraft auch saubere Energie in Schweden und Deutschland. Es passt also sehr gut in unser Portfolio, das in Europa zu 97 Prozent aus grüner Energie besteht.

Die 47 Prozent an Uniper sind ein großes Investment für Fortum. Gibt es trotzdem Pläne, den Konzern komplett zu übernehmen? Oder passt das dann doch nicht in die CO2-Bilanz?
Wir freuen uns sehr, ein großer Anteilseigner bei Uniper zu sein. Wir haben eine klare Vision, wie diese beiden Unternehmen in Zeiten der Energiewende zusammenarbeiten können, und wir ergänzen uns da auch sehr gut. Aber selbst wenn wir wollten, könnten wir aufgrund einer Vorgabe durch russische Behörden nicht über 50 Prozent der Anteile an Uniper besitzen.

Vor dem Kauf ist das Verhältnis zwischen Fortum und Uniper äußerst schwierig gewesen, Uniper hat sich lange gegen die Übernahme gewehrt. Reden Sie heute miteinander?
Ja, natürlich sprechen wir miteinander. Als wir den Kauf im letzten Sommer abgeschlossen haben, haben wir noch mal ganz von vorn angefangen.

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Also läuft bislang alles nach Plan?
Ich bin nicht glücklich mit dem Tempo der Transaktion. Aber wir bleiben natürlich trotzdem an Bord, und selbstverständlich reden wir auch.

Wie beeinflusst die deutsche Diskussion über den Kohleausstieg Ihre Zusammenarbeit und die Zukunft von Uniper?
Da muss Uniper natürlich für sich selbst sprechen. Aber das ist eine Frage, die alle in der Energiewelt etwas angeht. Jeder braucht eine grüne Strategie. Und ich glaube, wer diesen Wandel früh genug mitgedacht hat, sich darauf vorbereitet hat, der wird auch überleben. Und der Wandel ist ja schon in vollem Gange. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir eine Elektrifizierung der Gesellschaft erreichen, vom Verkehr bis hin zu Wärmesektor. Und da ist Uniper gut aufgestellt.

Wir haben schon gehört, dass es mit dem Kohleausstieg notgedrungen auch einen Mangel an elektrischer Leistung geben wird. Baut Uniper jetzt noch mehr neue Gaskraftwerke?
Noch einmal, das kann nur Uniper beantworten. Aber vor zwei Wochen hat Uniper ja schon verkündet, ein neues Gaskraftwerk mit 300 Megawatt (MW) Kapazität in Irsching bei Ingolstadt zu bauen.

Vita Pekka Lundmark

Der Informatiker

Wie sein Vater absolvierte Lundmark seinen Master of Science an der Technischen Universität Helsinki mit den Schwerpunkten Informationstechnologie und Internationales Marketing.

Der Quereinsteiger

Der 56-Jährige ist erst seit Kurzem in der Energiewirtschaft beschäftigt. Zehn Jahre lang arbeitete er für Nokia – zwei davon im Silicon Valley.

Der Familienvater

Lundmark ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die Preise für Emissionszertifikate lagen im vergangenen Jahr auf einem höheren Niveau als angenommen. Was bedeutet das für Ihr Uniper-Engagement?
Wir haben uns schon immer für einen starken CO2-Preis eingesetzt und werden das auch weiterhin tun. Wenn wir natürlich über die Auswirkungen für Uniper reden, muss man mehrere Aspekte beachten. Uniper hat deutlich mehr Gas- als Kohlekraftwerke in seinem Energiemix. Und wenn der CO2-Preis steigt, dann steigt auch die Wettbewerbsfähigkeit von Gas gegenüber der Kohle. Außerdem hat Uniper auch viel Wasserkraft beziehungsweise viel CO2-freie Energieerzeugung im Portfolio. Deswegen glaube ich generell weiter daran, dass ein höherer CO2-Preis ein gutes Instrument ist, um die Emissionen zu senken.

Wirtschaftsminister Altmaier war etwas zurückhaltend, als es um einen CO2-Preis für alle Sektoren ging. Wie sehen Sie das? Ist ein CO2-Preis auch für den Verkehrs- oder Gebäudesektor eine gute Lösung?
Eigentlich wäre ein sektorübergreifender CO2-Preis gut, aber es ist ein kompliziertes System. Die berühmte Sektorkopplung, über die gerade jeder spricht, wird Realität werden – und deswegen muss es auch einen sektorübergreifenden CO2-Preis geben. Denn der Vorteil eines solchen Emissionshandelssystems ist ja, dass es die Investitionen in klimafreundliche Entwicklungen lenkt. Das heißt, ein sektorübergreifender CO2-Preis könnte uns in der Tat dabei helfen, die Emissionen möglichst kosteneffizient weiter zu senken.

Aber solch einen CO2-Preis müsste es ja dann für die gesamte Europäische Union geben ...
Die EU-Kommission hat gerade angefangen, über ihre Vision einer klimaneutralen Europäischen Union bis zum Jahr 2050 zu diskutieren, genau über diese Frage wird dort auch geredet. Wir müssen damit rechnen, dass ein solcher sektorübergreifender CO2-Preis europaweit schon 2030 oder früher kommen könnte. Aber es ist ein schwieriges Thema.

Handelsblatt Energie-Gipfel: Zweite Phase der Energiewende – Versorger vor nächster Marktrevolution

Handelsblatt Energie-Gipfel

Zweite Phase der Energiewende – Versorger vor nächster Marktrevolution

Mächtige IT-Konzerne und agile Start-ups greifen die Energiebranche an. Kundendynamik und neue Technologien erfordern zusätzlich schnelles Handeln.

Ein anderer Punkt, der im Moment oft diskutiert wird, ist das Thema Power-to-X. Also die Umwandlung oder Speicherung von überschüssigem grünen Strom in Gas oder Wärme. Beschäftigt sich Fortum auch mit diesem Trend?
Das ist ein Thema, mit dem wir uns sogar sehr intensiv beschäftigen. Es ist noch nicht ganz marktreif, aber wenn man über ein klimaneutrales Europa redet, ist die Notwendigkeit von Power-to-X-Technologien unbestreitbar. Es gibt viele tolle Ansätze, auch in Deutschland, ich glaube an diese Technologie. Aber es ist eben noch nicht wirtschaftlich. Wenn wir 2050 ein klimaneutrales Europa wollen, dann brauchen wir die Power-to-X-Technologien.

Auch ein anderes Thema wird aktuell immer wieder debattiert: Nord Stream 2. Ihre Beteiligung an Uniper macht das umstrittene Pipelineprojekt auch für Fortum zum Thema. Begrüßen Sie die Mitarbeit von Uniper an dem Vorhaben?
Diese Debatten müssen Politiker führen. Aber für die Unternehmen muss natürlich klar sein, was erlaubt ist und was nicht. Bislang haben die Politiker entschieden, dass es ein rechtmäßiges Projekt ist, und wir verstehen sehr gut, warum Uniper sich mit seinem starken Gasfokus daran beteiligt. Gerade mit Blick auf den anstehenden Kohleausstieg. Von der wirtschaftlichen Seite betrachtet ist die Entscheidung natürlich nachvollziehbar, die Beurteilung der politischen Situation überlasse ich voll und ganz den Politikern.

EnBW-Chef Frank Mastiaux hat angemerkt, dass die Energiebranche ein Imageproblem habe. Ist das so?
Ja, das sehe ich auch so. Wir müssen uns alle den Spiegel vorhalten. Deswegen finde ich es sehr gut, dass wir mittlerweile so viele Start-ups in der Energiewirtschaft haben, die so viele wirklich fundamentale technologische Entwicklungen mitbringen, die wir für die Zukunft brauchen. Und ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit diesen jungen Unternehmen auch helfen wird, unser Imageproblem zu lösen.

Woher kommt dieses Reputationsproblem der Energieunternehmen?
Ich bin seit drei Jahren in der Energieindustrie, und das ist wirklich etwas, das mir sofort aufgefallen ist. Es ist ein bisschen, als würde man für eine Bank arbeiten. In der Gesellschaft gibt es viele negative Meinungen über die Energieversorger. Wir versuchen alle, unser Bestes zu tun, aber wir müssen bescheiden sein und verstehen, dass dies die Realität ist. Und wir müssen uns intensiv mit diesem Problem auseinandersetzen. Wir müssen uns bessern. Dazu gehört, dass wir uns dekarbonisieren und uns konsequent um die Umwelt kümmern.

Herr Lundmark, vielen Dank für das Interview.

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