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19.08.2022

20:05

Gas-Pipeline

Russland klemmt Nord Stream 1 für drei Tage ab

Von: Julian Olk

PremiumDurch die Ostseepipeline fließen seit Wochen nur 20 Prozent der möglichen Gas-Menge. Nun soll sie für drei Tage stillstehen – angeblich muss wieder eine Turbine in die Wartung.

Laut Moskau muss erneut eine Turbine überprüft und überholt werden. Reuters

Ende der Nord Stream 1-Pipeline in Lubmin

Laut Moskau muss erneut eine Turbine überprüft und überholt werden.

Berlin Russland hat angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas nach Deutschland fließen, teilte der Staatskonzern Gazprom am Freitag mit.

Danach sollten täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

In den drei Tagen müsse die einzige funktionierende Turbine der Kompressorstation Portowaja überprüft und überholt werden, hieß es von Gazprom. Dies solle in Zusammenarbeit mit Spezialisten von Siemens Energy geschehen. Von Siemens Energy gab es auf Anfrage keinen Kommentar zu der Ankündigung von Gazprom, berichtete dpa.

Fehlende Gas-Turbine wird zur Farce

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte auf Handelsblatt-Anfrage, die Lage in engem Austausch mit der Bundesnetzagentur zu beobachten. „Die Gasflüsse über die Pipeline Nord Stream 1 liegen derzeit unverändert bei 20 Prozent“, sagte eine Sprecherin.

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    Wegen angeblich nötiger Reparaturen an einer anderen Turbine hatte Gazprom schon seit längerem den Gasfluss auf 33 Millionen Kubikmeter gedrosselt. In der Bundesregierung hatte man schon in diesem Fall deutlich gemacht, dass die Turbine aus eigener Sicht bloß ein Vorwand sei. In Berlin war damit gerechnet worden, dass es nicht das letzte Mal bleiben würde, dass Russland Probleme mit einer Turbine vorschiebe.

    „Die Gasflüsse über die Pipeline Nord Stream 1 liegen derzeit unverändert bei 20 Prozent.“ Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums

    Russlands Präsident Wladimir Putin hatte erstmals Mitte Juni angekündigt, die Lieferungen über Nord Stream 1 auf 40 Prozent zu reduzieren. „Technische Mängel“ seien schuld, auf die habe man selbst keinen Einfluss.

    Von der Siemens-Turbine hänge „die verlässliche Arbeit der Gasleitung Nord Stream und die Versorgung der europäischen Verbraucher ab“. Die weitere Reduzierung auf zuletzt 20 Prozent begründete Gazprom ebenfalls mit Problemen bei einer weiteren Turbine.

    Erste Turbine wartet in Deutschland

    Die Komponente, mit der im Juni alles losging, befand sich allerdings schon vor Ausbruch des Krieges zur routinemäßigen Wartung in Kanada. Sie konnte später nicht zurück nach Russland gebracht werden, weil das die kanadischen Sanktionen nicht zuließen. Ihr Einsatz in der Pipeline war aber ohnehin erst ab September wieder geplant.

    Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) führte dennoch diplomatische Gespräche mit Kanadas Premier Justin Trudeau, um eine Ausnahme von den Sanktionen zu erwirken und Russland den Vorwand zu nehmen. Inzwischen ist die Turbine per Flugzeug nach Deutschland gebracht worden und steht seit mehreren Wochen in einer Halle in Mülheim an der Ruhr.

    Allerdings kommt sie von hier aus nicht weiter. „Was fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland“, hatte Siemens Energy dazu kürzlich mitgeteilt. Diese Informationen könnten wiederum nur von Gazprom bereitgestellt werden.

    „Was fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland.“ Erklärung von Siemens Energy zu der Gas-Turbine, die immer noch in Mülheim an der Ruhr steht

    Insgesamt acht Anlagen von Siemens Energy sind in der Verdichterstation am Standort Portowaja verbaut. Dabei soll es sich um das Modell SGT-A65 handeln. Solche aeroderivativen Turbinen sorgen dafür, dass das Erdgas an bestimmten Stellen entlang einer Pipeline immer wieder verdichtet und so beschleunigt wird. Alle 150 bis 200 Kilometer stehen die Verdichterstationen entlang der Leitungen. Nord Stream 1 ist insgesamt 1224 Kilometer lang.

    Wartungen gibt es regelmäßig. Sie gehören zur Routine und sind im Vorhinein genau geplant. Für den Westen ist damit klar, dass es sich nur um einen Vorwand handle.

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