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19.01.2022

16:15

Handelsblatt Energie-Gipfel

Industrie beklagt Regelungschaos: Wer steuert den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft?

Von: Kathrin Witsch

Wasserstoff ist essenziell für eine erfolgreiche Energiewende. Damit der Hochlauf gelingt, fordern Unternehmen eine bundesweite Anlaufstelle.

Grüner Wasserstoff: Wer steuert den Hochlauf?

Katherina Reiche

Die Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates fordert eine klare Koordination der Wasserstoffwirtschaft.

Berlin Lange wurde darüber gestritten, ob es den gasförmigen Wasserstoff für die Energiewende überhaupt braucht – manche sahen den erfolgversprechenden Weg eher in einer „all-electric-society“, also einer strombasierten Welt.

Seit drei Jahren allerdings ist klar: Wasserstoff ist ein Muss. Besonders die Industrie kann ihre Prozesse ohne ihn nicht klimaneutral umstellen. Nun gibt es H2 in seiner grünen Form (aus Ökostrom) aber außerhalb von Modellprojekten kaum. Dafür gibt es zu wenig grünen Strom, ein Elektrolyseur in nennenswerter Größe fehlt, und auch die Infrastruktur, um den grünen Wasserstoff auch zu transportieren, muss noch entstehen. Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft wird zum Mammutprojekt.

Die Unternehmen stellt das vor ein großes Problem: Stahlkonzerne müssen schon heute Investitionsentscheidungen treffen, obwohl die nötige Infrastruktur noch fehlt, die Rahmenbedingungen gerade erst entwickelt werden und unklar ist, von wem der grüne Wasserstoff importiert werden kann.

„Es gibt eine Vielzahl von Unsicherheiten, was zwar normal ist, wenn man Sektoren neu startet, aber hier ist Koordination zwischen Unternehmen und Staat gefordert“, sagte Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel.

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    Genau das reiche aber nicht, kritisiert Katherina Reiche. Die Chefin des Energieversorgers Westenergie ist gleichzeitig Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats. „Wasserstoff ist ein politisch reguliertes Projekt, wo vom Erzeuger bis zu Abnehmer alles geregelt werden muss“, sagt Reiche. Deutschland verliere Geschwindigkeit. Südkorea, die USA und andere zögen gerade „mit massiven Schritten an uns vorbei“.

    Föderalismus verlangsamt Wasserstoffwirtschaft

    Noch spielt Wasserstoff als Energieträger kaum eine Rolle. In der Zukunft wird sich das allerdings ändern. Schon 2030 rechnet das Energiewirtschaftliche Institut Köln (EWI) mit einem Wasserstoffbedarf von 66 Terawattstunden (TWh) für Deutschland. 2045 könnten es schon 328 TWh sein. Zum Vergleich: Der Nettostromverbrauch für ganz Deutschland betrug im Jahr 2020 rund 488 TWh.

    Die neue Bundesregierung will in den kommenden acht Jahren zehn Gigawatt Elektrolysekapazitäten für die Herstellung von grünem Wasserstoff aufbauen. Dafür müssen die Entscheidungen aber schon jetzt gefällt werden. „Der Föderalismus macht es nicht gerade einfach, und dadurch verlieren wir Zeit“, mahnt Andreas Kunz, Technikchef des österreichischen Gas- und Wasserstoffspezialisten Innio. Der „Bogen“ müsse größer gespannt werden.

    Umweltbundesamt-Präsident Messner sieht dagegen lokalere Lösungen im Vorteil. „Bei einem Stahlunternehmen in NRW brauchen wir Vertreter aus der Industrie, aus dem Bundeswirtschaftsministerium und aus dem Wirtschaftsministerium in NRW. In der Chemieindustrie wird es eine andere Konstellation sein.“ Den einen großen Kreis gebe es nicht.

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