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23.01.2019

08:05

Handelsblatt Energie-Gipfel

Streit um Nord Stream: Zwischen russischem Gas und amerikanischem LNG

Von: Kathrin Witsch

Für die einen ist die geplante Ostsee-Pipeline die wirtschaftlichste Lösung. Andere sehen Alternativen zu dem russischen Gas – zum Beispiel LNG aus den USA. 

Auf der 1.230 Kilometer langen Strecke durch die Ostsee wurden bereits 250 Kilometer der zwei Stränge der Pipeline verlegt.  dpa

Diskussion um Gas-Pipeline

Auf der 1.230 Kilometer langen Strecke durch die Ostsee wurden bereits 250 Kilometer der zwei Stränge der Pipeline verlegt. 

BerlinIn der Öffentlichkeit führt das Thema um die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 immer wieder zu heftigen Diskussionen. Die Gäste auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin waren sich am Dienstagabend allerdings einig: Ja, die geplante Gasleitung zwischen Europa und Russland hat eine Zukunft.

Darüber herrschte eigentlich auch bei den Diskutanten auf der Bühne kein Zweifel. Der Streit zwischen Europa und den USA über den Bau der Pipeline sei doch reiner Eigennutz: „Es geht schon lange nicht mehr um die Interessen Europas, sondern um die Interessen Amerikas“, sagte Rainer Seele, Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, mit einem Seitenhieb auf die Drohgebärden der amerikanischen Regierung.

US-Botschafter Richard Grenell hatte jüngst in einem Brief den am Bau von Nord Stream 2 beteiligten Firmen mit Konsequenzen gedroht. Die Unternehmen würden sich einem „erheblichen Sanktionsrisiko“ aussetzen, hieß es darin.

Die USA drängen Deutschland seit Monaten dazu, seine Energieversorgung stattdessen stärker auf Flüssigerdgas, auch LNG (Liquefied Natural Gas) genannt, umzustellen – und zwar auf amerikanisches LNG. Durch die massiv gestiegene Ausbeutung von Schiefergas-Vorkommen haben sich die USA vom Gasimporteur zum -exporteur gewandelt und drängen nun auf die Weltmärkte. Eine Vertiefung der Energiebeziehungen zwischen Europa und Russland kommt ihnen da nicht sehr gelegen.

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Nord Stream 2 soll die Kapazität der bestehenden Nord-Stream-Pipeline verdoppeln und noch mehr russisches Gas durch die Ostsee zur Anlandestation in der Lubminer Heide nahe Greifswald leiten. Getragen wird das Projekt von den europäischen Energieunternehmen Uniper, Wintershall, OMV, Engie und Shell sowie dem russischen Staatskonzern Gazprom. Gazprom finanziert eine Hälfte des Projekts, die europäischen Unternehmen die andere. Die Gesamtkosten sollen sich auf rund zehn Milliarden Euro belaufen.

Schon heute ist Deutschland größter Abnehmer russischen Gases. Allein 2017 stieg die importierte Menge mit rund 53,4 Milliarden Kubikmeter um mehr als sieben Prozent – und unterm Strich so viel wie noch nie. Eigentlich hatte sich die EU zum Ziel gesetzt, die Rohstoffabhängigkeit von Russland zu verringern. Doch das weltweit größte Erdgasförderungsunternehmen Gazprom, an dem der russische Staat die Hälfte der Anteile hält, lieferte im vergangenen Jahr 40 Prozent seines Gases nach Europa.

Kritiker des geplanten Ostsee-Projekts befürchten nicht nur eine Zunahme der Abhängigkeit von Russland, sondern auch, dass Moskau nach einer Fertigstellung von Nord Stream 2 kein Gas mehr durch die Ukraine leitet und dem Nachbarland damit Transitgebühren verloren gehen.

Über die Sicherstellung des Transits wird derzeit unter Beteiligung der EU-Kommission verhandelt. Auch in Polen und dem Baltikum hat die Vertiefung der deutsch-russischen Energiepartnerschaft Einkreisungsängste geweckt.

Auch mit Nord Stream 2 bräuchte es Ukraine noch als Transitland, betonte Stephan Kamphues, Chef des Unternehmens Vier Gas Transport, dem mit Open Grid Europe der größte Gasnetzbetreiber Deutschlands gehört. Trotzdem habe das Projekt alle rechtlichen Genehmigungen „und ich habe keinen Zweifel daran, dass es auch dazu kommt“, stellte Kamphues klar.

So oder so: Europa muss zukünftig mehr Gas importieren. „Aber dieses Gas muss ja nicht über Nord Stream 2 aus Russland kommen, sondern kann genauso gut über ein LNG-Terminal eingekauft werden“, sagte Hans Coenen, zuständig für Geschäftsentwicklung und Strategie beim niederländischen Gasunie-Konzern, einem Fernleitungsnetzbetreiber für Erdgas. Der Gasunie-Konzern ist mit dem Joint Venture German LNG Terminal am Aufbau eines Anlandepunktes für Flüssigerdgas in Brunsbüttel beteiligt.

Ähnliches hatte zuvor schon Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in seiner Rede zur Eröffnung des Energiegipfels gesagt. Zwar sei Russland seit 40 Jahren ein verlässlicher Lieferant von Gas. Aber „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, und deshalb werde die Bundesregierung dafür sorgen, dass es Flüssigerdgasterminals in Deutschland geben werde.

Er habe US-Exporteure von LNG für Februar zu einer Investorenkonferenz eingeladen. Dort soll geklärt werden, was die Erwartungshaltungen sind, welche Preise die Exporteure anbieten können und wie eine Infrastruktur privatwirtschaftlich aufgebaut werden kann. Als Standorte für die Terminals kommen laut Altmaier Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven infrage.

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OMV-Chef Seele äußerte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit eines LNG-Terminals in Deutschland. „Wir sollten unsere Kapazitäten die es gibt erst einmal nutzen und Politik und Wirtschaft nicht miteinander vermischen.“ So seien die bestehenden Terminals in Europa teils gar nicht ausgelastet. Und das Thema Gas, bzw. LNG dürfe nicht immer nur auf Russland oder die USA runtergebrochen werden, schließlich gebe es noch andere Anbieter auf dem Markt.

Aktuell gibt es 22 Anlandeterminals in Europa. Damit stehen nach Angaben von Gas Infrastructure Europe (GIE) in der EU derzeit Regasifizierungsanlagen für 245 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung. Damit könnte LNG bereits heute 40 Prozent des Erdgasbedarfs in Europa decken. Tatsächlich sind es aber nur zehn Prozent.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (1)

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Herr Harry Pasiak

23.01.2019, 09:01 Uhr

Zitat: " „Es geht schon lange nicht mehr um die Interessen Europas, sondern um die Interessen Amerikas“, sagte Rainer Seele, Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV". Dem ist nichts hinzuzufügen...

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