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18.01.2022

15:54

Handelsblatt Energie-Gipfel

Wenn sich der Energiebedarf verzehnfacht – Investoren warten auf Entscheidungen der Koalition

Von: Christoph Herwartz

Ein Stahlwerk klimaneutral zu machen kostet Milliarden. Was zusammenkommen muss, um die energieintensive Industrie erfolgreich umzustellen.

Thyssen-Krupp will den Stahl künftig mit Wasserstoff produzieren. imago images/Rupert Oberhäuser

Stahl ohne Kohle

Thyssen-Krupp will den Stahl künftig mit Wasserstoff produzieren.

Berlin Die Dimensionen sind gewaltig: 4,3 Terawattstunden Strom verbraucht das größte Stahlwerk Europas derzeit. Am Standort Duisburg produziert Thyssen-Krupp Steel aktuell noch mit Kohle. Künftig wird die gleiche Produktion rund 46 Terawattstunden verbrauchen – etwa viereinhalb mal so viel wie die Stadt Hamburg. Doch nur 8,5 Terawattstunden davon werden in Duisburg verwendet, mit weiteren 37 Terawattstunden muss der benötigte Wasserstoff hergestellt werden.

Bernhard Osburg, Vorsitzender von Thyssen-Krupp Steel Europe, skizzierte auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin am Dienstag, wie aufwendig die Umstellung für den Konzern ist. Nicht nur die grüne Energie muss vorhanden sein. Den ersten Hochofen durch eine neue Direktreduktionsanlage zu ersetzen wird den Konzern weit mehr als eine Milliarde Euro kosten, sagte er.

Die Planung dafür schreitet voran. Thyssen-Krupp will in diesem Jahr erste Aufträge vergeben. Klarheit über die Förderung würde dabei helfen, betont Osburg. Der Aufsichtsrat brauche fundierte Daten, auf deren Grundlage er entscheiden könne. Die Koalition hatte zuletzt versprochen, Differenzverträge anzubieten, bei denen der Staat einen Teil der Investitionskosten übernimmt. Außerdem laufen Förderanträge als Vorhaben von gemeinsamem Interesse, sogenannten IPCEIs.

Die grüne Wende in der Stahlproduktion kostet: Strom und Wasserstoff werden die Stahlhersteller zukaufen müssen. Ein großer Teil des Wasserstoffs soll importiert werden. Doch um den massiven Bedarf zu decken, müssen auch neue Offshore-Windparks vor der deutschen Küste und Elektrolyseure in deren Nähe entstehen.

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    Der Transport ist dabei noch nicht gelöst. Die Bundestagsabgeordnete Ingrid Nestle (Grüne) versprach, dass die Planungen für Wasserstoff-Pipelines bald beginnen werden, denn dass sie gebraucht würden, stehe nicht infrage.

    „Neue Ernsthaftigkeit in der Energiepolitik“

    Stefan Kapferer, CEO des Netzbetreibers 50Hertz, macht Hoffnung, dass der Stromtransport funktionieren wird. Mit der Abschaltung von Kohlekraftwerken werde bei einzelnen Leitungen auch Kapazität frei. So könnte man den Strom von der Nordsee nach Ludwigshafen auch über das Netz in Ostdeutschland transportieren. Voraussetzung wäre, dass Verbindungen von West nach Ost gebaut werden. Das bis 2030 zu schaffen sei ambitioniert, aber möglich.

    Die Industrie sei bereit zu investieren, erklärte auch Michael Vassiliadis von der Gewerkschaft IGBCE. Dabei dürfe man die Preise aber nicht außer Acht lassen. Wenn der Übergang nicht pragmatisch organisiert werde, könne der Standort an Attraktivität verlieren, warnte er. Glas-, Papier- und Keramikindustrie seien wegen der hohen Energiepreise bereits am Limit.

    Das Ziel der Klimaneutralität werde aber nicht mehr angezweifelt. Dass sorge dafür, „dass man Probleme nicht mehr verniedlicht“, so Vassiliadis. Immerhin brauche es eine administrative Anstrengung „in ähnlicher Größenordnung wie bei der deutschen Einheit“.

    Die Abgeordnete Nestle bestätigte, dass der Status der Industrienation immer wieder neu erarbeitet werden müsse. Sie mache sich darüber aber weniger Sorgen als in den vergangenen Jahren, weil jetzt wieder investiert und modernisiert werde. „Die neue Ernsthaftigkeit in der Energiepolitik macht Mut“, sagte sie.

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