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11.09.2017

17:21 Uhr

Innogy, EnBW, Nordex

Die Preiskämpfe der Windbranche

VonFranz Hubik

Vom Boom in die Flaute: Im Vorfeld der Husum-Windmesse ist die Branche in Aufruhr. Auf dem deutschen Markt brechen die Preise ein. Nach einigen Schlappen gelingt nun zumindest Innogy ein Coup – allerdings im Ausland.

Der Energiekonzern Innogy erhielt den Zuschlag für den Bau eines riesigen Offshore-Windparks vor der britischen Küste. dpa

Offshore-Windpark

Der Energiekonzern Innogy erhielt den Zuschlag für den Bau eines riesigen Offshore-Windparks vor der britischen Küste.

DüsseldorfFür Hans Bünting war es eine kleine Schmach. Der Vorstand für Erneuerbare Energien beim Essener Energieversorger Innogy wollte vor Helgoland in der Nordsee den Offshore-Windpark „Kaskasi“ bauen. Das Projekt entwickelt Innogy schon länger. Doch den Zuschlag im April bekamen andere Projekte, etwa eines vom Konkurrenten EnBW. Der Grund: Das Angebot von Büntings Truppe war zu teuer.

Der Markt für Windenergie erlebt gerade eine Zeitenwende. Früher erhielten Projektierer eine üppig bemessene fixe Vergütung vom Staat für jede erzeugte Megawattstunde Strom. Seit Anfang des Jahres müssen sich die Anbieter aber europaweit in Auktionen um die Höhe der Förderungen streiten. Derjenige, der den niedrigsten Preis bietet, bekommt den Zuschlag. Bis auf die Zusage für die Modernisierung eines Windparks mit einer Leistung von lediglich zwölf Megawatt ging Innogy dieses Jahr bei den Auktionen völlig leer aus.

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Bislang gibt es für die Erzeuger erneuerbarer Energie kaum Anreize, den Strom zu speichern. Ein Unternehmer will für einen Windpark in Andorra auf Speicherbatterien setzen – auch ein Thema für deutsche Windradbetreiber.

Jetzt kann der Konzern aber einen großen Erfolg vermelden – allerdings nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien. In der jüngsten Auktionsrunde der Briten bekam Innogy den Zuschlag für den Bau des Offshore-Windparks „Triton Knoll“. Bis Mitte 2018 soll die finale Investitionsentscheidung fallen. Innogy will das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Milliarden britischen Pfund gemeinsam mit dem norwegischen Energiekonzern Statkraft bis 2021 entwickeln und dann in Betrieb nehmen. Der Meerwindpark vor der Ostküste Englands soll eine Leistung von 860 Megawatt haben. Das entspricht in etwa der Leistung eines großen Kohlekraftwerkblocks.

„Ich bin sehr froh, dass wir das Projekt gewonnen haben. In den letzten Auktionen waren wir ja nicht erfolgreich“, sagte Bünting. Der 52-Jährige verfolgt die Devise, Windparks nur dann zu bauen, wenn sie sich wirtschaftlich rechnen. Für den Betrieb von „Triton Knoll“ erhält Innogy eine Vergütung von gut 74,75 Pfund je Megawattstunde über 15 Jahre. Obwohl man die Länder wegen ihrer unterschiedlichen Regularien nicht eins zu eins vergleichen kann, liegt die Förderung in Großbritannien damit dennoch weit über dem Preisniveau Deutschlands.

Hierzulande sorgten zuletzt EnBW aus Karlsruhe und Dong aus Dänemark für Aufsehen. Die beiden Energieversorger wollen bis 2025 in der deutschen Nordsee die ersten Meerwindparks der Welt bauen, die völlig ohne Subventionen auskommen. Experten sehen darin eine brutale Wette auf steigende Strompreise und enorme Fortschritte bei der Technologie von Windmühlen. Die Hersteller von Turbinen und Rotorblättern – den wichtigsten Komponenten einer jeden Windenergieanlage – ächzen bereits unter dem Preisdruck infolge der Auktionen.

Von Dienstag bis Freitag trifft sich die heimische Windkraftindustrie in Husum zu ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Fachmesse. Die Stimmung in Nordfriesland dürfte dieses Mal eher verhalten sein. Die Branche ist im Krisenmodus. Nach Jahren des Dauerwachstums steuert die Industrie auf eine herbe Flaute zu. Wurden hierzulande im Jahr 2016 noch Windräder mit einer Leistung von 4.600 Megawatt am Festland neu gebaut, könnten es im Jahr 2019 im schlimmsten Fall nur noch 1.100 Megawatt sein. Das entspräche einem Einbruch von 76 Prozent binnen drei Jahren, wie eine Analyse des Markforschungsunternehmens Windresearch zeigt.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

12.09.2017, 09:37 Uhr

Der umweltschädliche Windstrom fällt entsprechend den Launen des Wetters an. In einem Stromnetz in dem Nachfrage und Erzeugung in jedem Augenblick im Einklang stehen müssen, ist dieser wertlos. Demzufolge entwickelt sich die Windenergiebranche entsprechend den Subventionsregeln der Staaten.

"Hierzulande sorgten zuletzt EnBW aus Karlsruhe und Dong aus Dänemark für Aufsehen. Die beiden Energieversorger wollen bis 2025 in der deutschen Nordsee die ersten Meerwindparks der Welt bauen, die völlig ohne Subventionen auskommen. "* Ich nehme an, dass die Steuerzahler von Baden Württemberg (ENBW) die Rechnung dieser ökoreligiösen Beglückung freudig begleichen werden.


*Neben den monetären Subventionen profitiert der umweltschädliche Ökostrom von der Vorrangregel im Netz. Andernfalls wäre Windstrom als Zufallsstrom unverkäuflich.

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