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29.03.2022

16:18

Klimaneutralität

Eon baut „Wasserstoffbrücke“ von Australien nach Deutschland

Von: Klaus Stratmann

Europa will Unabhängigkeit von russischer Energie. Eon und die australische FFI wollen nun jährlich bis zu fünf Millionen Tonnen grünen Wasserstoff einführen.

Zusammen mit dem australischen Partner FFI will der Konzern Deutschland mit grünem Wasserstoff versorgen. imago images/Rupert Oberhäuser

Eon Hauptverwaltung in Essen

Zusammen mit dem australischen Partner FFI will der Konzern Deutschland mit grünem Wasserstoff versorgen.

Berlin Der Energiekonzern Eon und das australische Unternehmen Fortescue Future Industries (FFI) wollen in großem Maßstab Wasserstoff von Australien nach Deutschland und in andere europäische Länder bringen. Die Unternehmen unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Absichtserklärung.

Ziel ist es nach Angaben von Eon und FFI, „bis zum Jahr 2030 die Lieferung von bis zu fünf Millionen Tonnen grünem, erneuerbarem Wasserstoff pro Jahr nach Europa zu realisieren“. Beginnen soll die Lieferung mit 200.000 Tonnen im Jahr 2024. Mit der „historischen Partnerschaft“ unterstreiche man das gemeinsame Ziel, die Dekarbonisierung Europas voranzutreiben und die Sicherheit der Versorgung mit grüner Energie in einer Zeit zu stärken, „in der Europa seine Energieabhängigkeit von Russland so schnell wie möglich verringern muss“.

Die beiden Unternehmen stoßen mit dem Vorhaben in eine neue Dimension vor. Es handle sich „um das mit Abstand ambitionierteste Wasserstoffprojekt weltweit“, sagte Patrick Lammers, COO von Eon, am Dienstag in Berlin. „Wir bauen die Wasserstoffbrücke von Australien nach Europa“, ergänzte er. Davon könnten Tausende von Unternehmen profitieren.

FFI-Chef Andrew Forrest sagte, der grüne Wasserstoff sei ein „dringend notwendiger Baustein“ für die grüne industrielle Revolution, die in Europa im Gange sei. Zugleich könne man mit dem Projekt dazu beitragen, russische Energielieferungen zu ersetzen.
Zur Einordnung der Größenordnung des Vorhabens: Fünf Millionen Tonnen an grünem Wasserstoff pro Jahr entsprechen in etwa einem Drittel der Heizenergie, die Deutschland jährlich aus Russland importiert.

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    Für viele Industriebranchen – etwa Stahl, Chemie oder Zement – ist das Ziel der Klimaneutralität nur zu erreichen, wenn sie in großem Maßstab klimaneutralen Wasserstoff einsetzen können, der fossile Energierohstoffe ersetzt. Auch für Anwendungen im Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr ist Wasserstoff unerlässlich.

    Lammers betonte, mit dem Projekt werde es gelingen, grünen Wasserstoff weiten Teilen der Wirtschaft zugänglich zu machen. „Viele Mittelständler können keine eigenen Abnahmeverträge schließen“, sagte er. Diese Lücke werde durch das Vorhaben gefüllt.

    Auch Mittelständler bekommen Zugriff auf Wasserstoff aus Australien

    FFI wird den Wasserstoff herstellen und ist für den Transport nach Europa zuständig. Eon wird ihn verteilen und bis zum Endverbraucher bringen. Eon betreibt in großem Maßstab die Verteilung von Gas und Strom. Das Unternehmen ist einer der größten Verteilnetzbetreiber Europas mit rund 1,6 Millionen Kilometer Strom- und Gasnetzen in neun europäischen Ländern, davon als größter Verteilnetzbetreiber mit rund 800.000 Kilometern in Deutschland.

    Diesen besonderen Charakter des Vorhabens hebt auch Katherina Reiche, Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, hervor: „Damit machen wir einen großen Schritt für Deutschland, die Niederlande und Europa“, sagte sie. Man könne den klimaneutralen Wasserstoff nun in die Breite tragen.

    Das gemeinsame Projekt von Eon und FFI ist nicht das erste seiner Art, aber das bislang ambitionierteste. Bereits Mitte Januar hatte der Chemiekonzern Covestro eine Liefervereinbarung mit FFI geschlossen. Demnach sollen die Australier den Leverkusenern ab 2024 grünen Wasserstoff liefern. Geplant sind 100.000 Tonnen jährlich.

    >> Wir diskutieren beim Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel: Welche Rolle kann Deutschland im internationalen Wasserstoff-Markt spielen?

    FFI ist einer der Pioniere auf dem Markt. Zahlreiche deutsche Unternehmen, darunter mehrere Dax-Konzerne, stehen mit dem Hersteller in Kontakt. Es gebe „starkes Interesse aus Deutschland“, hatte Forrest kürzlich gesagt. Erst Mitte November vergangenen Jahres hatte sich der FFI-Chef im Bundeswirtschaftsministerium mit hochrangigen Vertretern namhafter Unternehmen getroffen, darunter BASF, Linde, RWE, Thyssen-Krupp und Uniper.

    Forrest hat massive Investitionen in die Produktion von grünem Wasserstoff angekündigt. Der Transport soll per Schiff erfolgen. Ab 2023 könnten entsprechende Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sagen Branchenexperten. Erste Schiffe sind im Erprobungsbetrieb, verschiedene Technologien stehen zur Auswahl. So wird der Wasserstoff möglicherweise zunächst in Ammoniak umgewandelt werden. Das führt zwar zu Umwandungsverlusten; der Ammoniak-Transport ist jedoch praxiserprobt.

    Australien ist als Wasserstoff-Herstellungsland gut geeignet, weil dort große Mengen an regenerativer Energie zu vertretbaren Preisen gewonnen werden können – wegen des Sonnenreichtums und der Windkraft an den Küsten. In Deutschland fehlt es nicht nur an den entsprechenden Anlagen, den Elektrolyseuren, sondern auch an billigem Strom aus erneuerbaren Quellen. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass Deutschland seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht aus eigener Produktion wird decken können. Partnerschaften mit Ländern wie Australien werden daher von der Politik unterstützt.
    Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die von der Vorgängerregierung beschlossene Nationale Wasserstoffstrategie erheblich auszuweiten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) begrüßt daher die Pläne von Eon und FFI: „Der Wettlauf um die Produktion und den Transport von grünem Wasserstoff im großen Maßstab hat Fahrt aufgenommen.“ Die Vereinbarung von Eon und FFI sei ein wichtiger Schritt, sagte er.


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