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15.07.2019

19:06

Lichttechnik

Chiphersteller AMS bekundet Interesse an Osram

Von: Axel Höpner

Der österreichische Konzern präsentiert eine unverbindliche Offerte. Industriekreise sind skeptisch, ob das Unternehmen die Milliarden-Akquisition stemmen kann.

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle wollen den Lichtkonzern Osram übernehmen. dpa

Osram

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle wollen den Lichtkonzern Osram übernehmen.

München Nach der milliardenschweren Offerte der Finanzinvestoren Bain und Carlyle für den Lichtkonzern Osram könnte es doch noch zu einem Bieterwettkampf kommen. Der österreichische Halbleiterkonzern legte ein unverbindliches, vorläufiges Angebot über 38,50 Euro vor, teilte Osram am Montagabend in einer Pflichtmitteilung mit. ASM bewertet allerdings die Aktien unter Vorbehalt. Zunächst wollen die Österreicher die Bücher anschauen und die Finanzierung sichern.

Der Vorschlag soll nun von Osram geprüft werden. Allerdings erachte der Vorstand auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen die Transaktionswahrscheinlichkeit als sehr gering, teilte das Unternehmen in seiner Ad-hoc-Meldung mit.

Bain und Carlyle hatten ein verbindliches Angebot über 35 Euro gemacht. Damit wollen sie 3,4 Milliarden Euro für die Ex-Siemens-Tochter zahlen. Mit der Osram-Führung handelten die Finanzinvestoren eine Investorenvereinbarung aus. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram unterstützen das Angebot.

Doch nun könnte AMS noch dazwischenfunken. In Industrie- und Aufsichtsratskreisen sieht man den Vorstoß skeptisch. „Da versucht womöglich ein Wettbewerber, den Deal zu zerstören“, hieß es im Umfeld von Osram. AMS sei vergleichsweise hoch verschuldet, die Finanzierung unsicher. Das Unternehmen wolle sich zunächst 4,2 Milliarden Euro von Banken leihen und plane später eine Kapitalerhöhung um 1,7 Milliarden Franken, um die Übernahme zu refinanzieren. AMS ist an der Börse selbst nur 3,1 Milliarden Euro wert.

Zudem habe das österreichische Unternehmen ein Klumpenrisiko, weil es stark von Apple-Aufträgen abhängig sei. Bain und Carlyle wollen die Übernahme nur zu etwa 30 Prozent fremdfinanzieren. Ein höherer Hebel war laut Verhandlungskreisen wegen der Zurückhaltung der Banken nicht möglich.

Über ein Interesse von AMS hatte das Handelsblatt berichtet. Die Umsätze des österreichischen Unternehmens waren im ersten Quartal um sieben Prozent auf 390 Millionen Dollar gesunken. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von gut neun Millionen Dollar. Osram hatte im ersten Quartal Erlöse in Höhe von 828 Millionen Euro erzielt, ist also deutlich größer.

In Finanzkreisen war eher nicht mehr mit einem ernsthaften Gegenangebot gerechnet worden. Bain und Carlyle hatten acht Monate lang verhandelt. Da sei es für einen anderen Bieter schwierig, binnen weniger Wochen nachzuziehen, meinte ein Insider.

In Industriekreisen wurde über die Motive von AMS spekuliert. Womöglich habe das Unternehmen ja Sorge, selbst zum Übernahmeopfer zu werden, wenn Osram gestärkt durch die Finanzinvestoren sich nach Akquisitionen umschaue. Osram-Chef Olaf Berlien hatte gesagt: „Bain und Carlyle haben Zugang zu Kapital, das wir gar nicht haben mit unserer Feuerpower.“ Nach Informationen aus Verhandlungskreisen soll es bereits eine Liste mit potenziellen Akquisitionszielen geben.

Laut Finanzkreisen sind auch Milliardenzukäufe nicht ausgeschlossen. Allerdings muss es den Finanzinvestoren erst einmal gelingen, 70 Prozent der Osram-Aktien einzusammeln. Diese Mindestschwelle haben sie sich selbst gesetzt. Später würden Bain und Carlyle Osram gern von der Börse nehmen, dafür wären 95 Prozent der Anteile notwendig.

Bei Osram war die Offerte von Bain und Carlyle auf breite Zustimmung gestoßen. „Wir sehen die Übernahme als Chance, Osram weiterzuentwickeln“, sagte Klaus Abel, der stellvertretende Osram-Aufsichtsratsvorsitzende von der IG Metall, dem Handelsblatt. Die Finanzinvestoren hatten zugesagt, den Zukunftspakt einzuhalten, den der Lichtkonzern mit den Arbeitnehmern geschlossen hatte.

Nun dürfte auch AMS in gewissem Umfang Zugang zu den Daten von Osram erhalten. Im Moment geht man in Industriekreisen davon aus, dass die unverbindliche Gegenofferte den Zeitplan von Bain und Carlyle nicht verzögert.

Mehr: Klappt die Übernahme von Osram, verabschiedet sich das Unternehmen von der Börse. Mit seinem Börsenabgang ist der Konzern nicht alleine.

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