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31.01.2022

09:27

Öl- und Gaskonzern

Wintershall: Miteigner LetterOne spricht sich gegen schnellen Börsengang aus

Von: Catiana Krapp, Arno Schütze, Siegfried Hofmann

Zweimal ist der Gang aufs Parkett bereits verschoben worden, nun nimmt der russische Miteigentümer Tempo raus. Die BASF möchte – hat aber wohl keinen Druck.

Die Investorengruppe Letter One des russischen Milliardärs Mikhail Fridman, die ehemalige Dea-Eignerin, hält an dem Gemeinschaftsunternehmen 33 Prozent. obs

Ölförderung von Wintershall Dea in Libyen

Die Investorengruppe Letter One des russischen Milliardärs Mikhail Fridman, die ehemalige Dea-Eignerin, hält an dem Gemeinschaftsunternehmen 33 Prozent.

Düsseldorf, Frankfurt Die Planungen für den seit Jahren geplanten Wintershall-Börsengang haben einen Dämpfer erhalten. Miteigner LetterOne (L1), ein Vehikel des russischen Milliardärs Michail Fridman, hat sich am Montag trotz deutlich gestiegener Ölpreise gegen ein schnelles Listing ausgesprochen.

„L1 ist zunehmend besorgt darüber, dass der wahrgenommene kurzfristige Druck der Interessengruppen auf die BASF die entscheidende langfristige Rolle der Wintershall Dea bei der Gewährleistung einer nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung gefährden könnte“, erklärte LetterOne in einer Mitteilung. Zuerst hatte die „Financial Times“ darüber berichtet.

Das Marktumfeld sei nach wie vor problematisch, gerade in Bezug auf Unternehmen, die wie Wintershall einen Teil des Gases und Öls in Russland fördern. Dadurch müsste sich Wintershall Dea bei einem IPO unter Wert verkaufen, argumentiert LetterOne. Die Konzentration auf den Börsengang und die Ausschüttung von Dividenden drohten zudem, Investitionen zu verhindern. Wintershall habe enormes Potenzial und könne eine wichtige Rolle in der europäischen Energiewende spielen.

Mehrheitseigner BASF hält dagegen: „Die BASF ist weiter fest entschlossen, sich von ihrer Beteiligung an Wintershall zu trennen, und betrachtet einen IPO weiterhin als den besten Weg, um die Anteile zu vermarkten“, teilte der Konzern auf Handelsblatt-Anfrage mit. Zu bestehenden Vereinbarungen mit LetterOne wollte sich der Dax-Konzern nicht äußern. Wintershall Dea verwies auf Anfrage auf die Eigner.

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    Der Börsengang von  Wintershall Dea ist bereits zweimal verschoben worden. Zuletzt hatten die Anteilseigner diesen im vergangenen Juni aufgrund der Marktbedingungen auf Eis gelegt. Ein Börsengang werde erst nach 2021 angestrebt, erklärten sie damals. Ein konkreter Zeitpunkt war seitdem nicht mehr genannt worden.

    LetterOne: Langfriststrategie ist besser für Wintershall Dea

    Wintershall Dea entstand 2019 aus dem Zusammenschluss der BASF-Tochter Wintershall mit dem Rivalen Dea. Der Ludwigshafener Chemieriese BASF ist mit 72,7 Prozent beteiligt. Die Investorengruppe LetterOne des russischen Milliardärs Michail Fridman, die ehemalige Dea-Eignerin, hält an dem Gemeinschaftsunternehmen 27,3 Prozent. Sie bewertet diesen Anteil mit 5,2 Milliarden Dollar, was einer Gesamtbewertung von 19 Milliarden Dollar entspricht.

    In Hinblick auf einen IPO erklärte LetterOne, dass der „ausschließliche Fokus von BASF auf einen Börsengang“ Wintershall daran hindere, wertsteigernde Aktivitäten wie Zukäufe zu verfolgen. BASF habe angedeutet, diese nicht zu unterstützen. LetterOne werde wiederum einen Börsengang mittragen, wenn dieser wirtschaftlich sinnvoll sei.

    In seiner Mitteilung argumentiert LetterOne, eine langfristige Strategie sei das Beste für Wintershall Dea. Das Unternehmen habe ein großes Potenzial, eine gerechte Energiewende zu unterstützen.

    Ein kurzfristiger Deal zeichnete sich angesichts der Marktlage ohnehin nicht ab. Die höheren Energiepreise verbesserten zwar die Aussichten für die Bewertung von Wintershall Dea, hieß es in Finanzkreisen. Gleichzeitig sei die Volatilität der Aktienkurse viel zu hoch für Börsengänge. Vergangene Woche hatte deswegen das deutsche Pharmaunternehmen Cheplapharm seine geplante Neuemission verschoben.

    Für den Mehrheitseigner BASF dürfte zudem kein akuter Druck bestehen, die eigenen Anteile loszuwerden. Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass der Chemiekonzern 2021 einen bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) von knapp acht Milliarden Euro erwirtschaftet hat und 2022 gut sieben Milliarden Ebit vor Sondereinflüssen erzielen wird. Das Ebitda wird bei 11,4 und 10,5 Milliarden Euro erwartet. Die Finanzverschuldung bewegt sich mit rund 16 Milliarden Euro auf einem moderaten Niveau.

    Gas als Brückentechnologie in eine grüne Zukunft

    Auch die Ukraine-Krise macht einen baldigen Wintershall-Dea-Börsengang unwahrscheinlich. Unter anderem könnte ein dann womöglich von Russland beschlossener Gas-Lieferstopp auch ein Unternehmen wie Wintershall Dea treffen. Darüber hinaus sei die Haltung von Investoren gegenüber Lieferanten fossiler Energieträger weiterhin zu negativ, sagten mit der Transaktion vertraute Personen.

    Das schreckt manche Wettbewerber nicht ab: Vergangene Woche kündigte der italienische Ölkonzern Eni an, sein rund zehn Milliarden Dollar schweres norwegisches Gemeinschaftsunternehmen Var Energi AS an die Osloer Börse zu bringen. Var-Energi-Chef Torger Rod erklärte, dass Öl und Gas noch für Jahrzehnte Teil des Energiemix sein werden und eine sichere Versorgung Europas mit norwegischem Gas entscheidend sei.

    Tatsächlich ist absehbar, dass Deutschland in den kommenden Jahren große Mengen Gas benötigen wird. Ende des Jahres gehen die letzten Atomkraftwerke vom Netz, aus der Kohleverstromung will Deutschland möglichst bis 2030 aussteigen. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Uni Köln (EWI) hat errechnet, dass bis 2030 Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von 23 Gigawatt (GW) neu gebaut werden müssen. Das entspricht rechnerisch der installierten Leistung von 23 Atomkraftwerken.

    Langfristig aber muss Deutschland auch vom Gas wegkommen, um die Klimaziele zu erreichen. Klimaschützer mahnen immer wieder an, dass das in Erdgas enthaltene Methan besonders klimaschädlich ist. Eine zukunftsträchtige Alternative zum Gas kann Wasserstoff sein, der allerdings nur dann als „grün“ gilt, wenn er mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde. Wintershall Dea hat sich bislang dafür starkgemacht, dass auch aus Erdgas gewonnener Wasserstoff unter bestimmten Voraussetzungen als „grünes Gas“ anerkannt wird.

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