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14.12.2020

15:54

Ölkonzern

OMV verkauft deutsche Tankstellen an die EG Group

Von: Daniel Imwinkelried

Unter ihrem deutschen Chef Rainer Seele richtet sich der österreichische Konzern neu aus. OMV will Erdöl künftig weniger verkaufen und dafür mehr veredeln.

Der österreichische Konzern verkauft sein deutsches Tankstellennetz an die britische EG Group. Reuters

OMV-Tankstelle

Der österreichische Konzern verkauft sein deutsches Tankstellennetz an die britische EG Group.

Wien Das deutsche Tankstellennetz des österreichischen Erdölunternehmens OMV erhält einen neuen Besitzer. Die britische Einzelhandelsgesellschaft EG Group erwirbt 285 Standorte, die sich vornehmlich in Bayern und Baden-Württemberg befinden, für 485 Millionen Euro. In Deutschland betreibt die in Blackburn ansässige Firma bereits rund 1000 Tankstellen der Marke Esso.

Die Transaktion sei eine spannende Möglichkeit, um die Präsenz in Deutschland auszubauen, sagt Mohsin Issa, Co-Chef und Mitgründer der EG Group. „Wir sehen signifikantes Wachstum für unsere Firma.“

Die EG Group, die sich teilweise im Besitz der Private-Equity-Firma TDR Capital befindet, verfolgt seit einiger Zeit einen forschen Expansionskurs. Die beiden britischen Milliardäre Mohsin und Zuber Issa hatten im Oktober auch die britische Supermarktkette Asda vom US-Einzelhandelsriesen Walmart gekauft.

Das Unternehmen hat sich auf das Management von Tankstellen spezialisiert. In den USA und mehreren europäischen Ländern unterhält es rund 5900 Standorte. Über dieses Netz vertreibt es zum einen Benzin von BP, Esso und Shell. Zum anderen führt die EG Group auch die Geschäfte von Fast-Food-Ketten und Einzelhändlern wie Subway, Burger King, KFC und Carrefour. Für das Unternehmen arbeiten ungefähr 44.000 Angestellte.

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Standort erkennen

    Das Betreiben von Tankstellen ist auf den ersten Blick ein Geschäft mit geringen langfristigen Perspektiven, da Elektrofahrzeuge die Benzinautos zumindest teilweise ersetzen sollen. Tankstellen sind allerdings oft gut gelegen, weshalb Branchenexperten überzeugt sind, dass sie sich künftig als Logistikdrehscheiben eignen werden.

    Angeblich haben sich über 40 Unternehmen für das Netz von OMV interessiert. Der Ölkonzern ist im Gegensatz dazu in Deutschland nicht zwingend auf ein Tankstellennetz als Absatzkanal angewiesen. Die Gesellschaft produziert in der Raffinerie von Burghausen kein Benzin, sondern in erster Linie Vorprodukte für die chemische Industrie und Kerosin für den Flughafen München.

    Ohnehin befindet sich OMV wie andere Erdölfirmen in einer tiefgreifenden Transformation. Bei diesen Unternehmen geht zunehmend die Angst um, dass sie künftig von auf Nachhaltigkeit bedachten Investoren geschnitten werden könnten. Zwar verbrauchen Unternehmen und Privatpersonen weiterhin Erdöl in allen möglichen Verarbeitungsformen, die Förderung des Rohstoffs gilt mittlerweile aber fast ein wenig als anrüchig.

    Umbau wird von Turbulenzen begleitet

    Nicht wenige Anleger stehen deshalb unter Druck, ihre Investitionen in Rohstofffirmen zu reduzieren. Die betroffenen Gesellschaften müssen diesen Trend aufnehmen, sonst laufen sie Gefahr, an der Börse an Wert zu verlieren. OMV hat deshalb unter der Leitung des deutschen Managers und ehemaligen Wintershall-Chefs Rainer Seele ein ehrgeiziges Umbauprojekt gestartet.

    Bis Ende kommenden Jahres möchte die Firma Aktiva im Wert von zwei Milliarden Euro veräußern. Der Verkauf des deutschen Tankstellennetzes ist die zweite größere Transaktion, die im Rahmen der Neuorganisation stattgefunden hat. Bereits zuvor hatte OMV seinen Anteil von 51 Prozent an der Gas Connect Austria an Verbund veräußert. Auf der Verkaufsliste steht unter anderem noch das Erdölgeschäft in Kasachstan.

    Im Gegenzug zu solchen Devestitionen hat OMV im Frühjahr die Beteiligung an der Wiener Chemiefirma Borealis für rund vier Milliarden Euro von 36 auf 75 Prozent aufgestockt. Dabei handelte es sich um eine der größten Finanztransaktionen in Österreichs Wirtschaftsgeschichte.

    Die Idee hinter diesem Deal besteht darin, das von OMV geförderte Erdöl nicht mehr bloß zu verbrennen, sondern mithilfe von Borealis zu Kunststoff zu veredeln. Dieser kommt dann beispielsweise als Mantel für Glasfaser- und Stromkabel zum Einsatz.

    Der Umbau von OMV ist allerdings von gewissen Turbulenzen begleitet. Österreichs Staatsholding Öbag besitzt immer noch einen Anteil von 31,5 Prozent am Konzern. Dabei plagen den Staat mittlerweile gewisse Zweifel, ob er die anspruchsvolle Neuausrichtung der Gesellschaft auch kompetent begleiten kann. Der Aufsichtsrat von OMV besitzt nicht viel Fachwissen in Chemie, Firmenchef Seele allerdings schon: Immerhin ist er promovierter Chemiker.

    Um diesen Mangel zu beheben, hat die Öbag vor wenigen Wochen in einer Blitzaktion den Rohstoffspezialisten Mark Garrett in den Aufsichtsrat berufen. Er ist daraufhin auch zum Vorsitzenden des Gremiums ernannt worden.

    Das reicht der Öbag aber nicht. Sie will das Chemie-Know-how im Aufsichtsrat weiter stärken. In den österreichischen Medien hat das für Aufregung und Getuschel gesorgt. Offenbar können sich gewisse Kreise im Land nur schwer von der Vorstellung lösen, dass Aufsichtsratsposten nach Kompetenz und nicht nach politischen Beziehungen vergeben werden sollten.

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