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12.02.2019

16:01

Ölkonzern

Saudi Aramco macht jetzt westlichen Wettbewerbern Konkurrenz

Von: Mathias Brüggmann

Bislang hat sich Saudi Aramco auf den Heimatmarkt beschränkt. Nun der Strategiewechsel: Der Konzern plant, erstmals Öl- und Gasfelder außerhalb des Königreichs zu kaufen.

Der Öl- und Gaskonzern plant seine internationale Expansion. Reuters

Saudi Aramco

Der Öl- und Gaskonzern plant seine internationale Expansion.

Berlin Bisher hat Saudi Aramco immer nur ausländische Expertise eingekauft und westliche Ölmultis als Partner an Bord geholt. Jetzt wird er zum globalen Rivalen für US- und europäische Energiekonzerne.

„In Zukunft wird die Welt der Spielplatz von Saudi Aramco sein“, kündigte Khaled Al-Falih, Saudi-Arabiens Energieminister und Aramco-Chairman, gegenüber der „Financial Times“ an. Aramco werde „nicht mehr nur nach innen gerichtet sein“ und sich nicht nur auf die Monetarisierung der Ressourcen des Königreichs konzentrieren.

Damit geht Aramco den Weg von Wettbewerbern aus der Region, wie etwa Qatar Petroleum. QP ist bereits seit mehreren Jahren auf der Suche nach Förderlizenzen oder Kaufgelegenheiten von Öl- und Gasfeldern in Afrika, Asien und Südamerika. Außerdem ist das Emirat Katar mit 19 Prozent einer der bedeutendsten Anteilseigner des weltgrößten börsennotierten Ölkonzerns, der russischen Rosneft.

Aramco hat indes im Ausland bisher nur in Raffinerien oder petrochemische Unternehmen investiert. Wie Rivale Katar aber schaut sich Aramco laut Al-Falih in Russland nach Investitionsmöglichkeiten um. Ziel sei der Aufbau eines globalen Gasgeschäfts.

Bislang ist Aramco ein reiner Ölkonzern, gefundenes Erdgas wird vor allem zur eigenen Stromproduktion gewonnen. Aramco könne mit allen globalen Energiekonzernen mithalten oder sie gar übertrumpfen, so Al-Falih. Nach Reserven ist Aramco der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt.

Aramco ist derzeit mit einem massiven Umbau beschäftigt: Momentan sucht das Unternehmen nach Investoren für eine Zehn-Milliarden-Dollar-Anleihe. Mit ihr soll die geplante Übernahme des bisher vom saudischen Staatsfonds Public Investments Fund (PIF) zu 70 Prozent gehaltenen Petrochemieriesen Sabic (Saudi Basic Industries) finanziert werden.

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Saudi-Arabien und die Türkei produzieren zurzeit keine guten Schlagzeilen. Trotzdem wagen sich beide Länder mit Dollar-Bonds an den Markt.

Es wäre der erste internationale Aramco-Bond. Der Kauf wird auf insgesamt 70 Milliarden Dollar taxiert. Daneben baut Aramco erstmals mit der gerade gegründeten Tochter RetailCo. ein eigenes Tankstellennetz im Königreich auf, in dem es bislang keine Aramco-Zapfsäulen gab.

Al-Falih nannte wohl auch deshalb keine Details, woher das Geld für die globale Expansion kommen soll. Denn der ursprüngliche, inzwischen verschobene Plan war, dass Aramco 2019 erstmals an der Börse notiert werden sollte. Fünf Prozent der Aramco-Aktien sollten 100 Milliarden Dollar für den PIF einspielen und so zum größten Börsengang in der Geschichte der globalen Kapitalmärkte werden. Investoren hatten aber bezweifelt, dass Aramco zwei Billionen Dollar wert sei. Nun wird Aramco massiv ausgebaut.

Seit der Ermordung des oppositionellen Bloggers Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul haben Investoren eine deutlich kritischere Haltung gegenüber Saudi-Arabien eingenommen. Zudem prüfen die USA gerade ein Gesetz, demzufolge Opec-Staaten für die angebliche Manipulation der Ölpreise zur Rechenschaft gezogen werden können.

Das Königreich braucht nach am Dienstag veröffentlichten Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Ölpreis von 80 bis 85 Dollar je Barrel (159 Liter), um nach Jahren größter Haushaltsdefizite infolge des stark gefallenen Rohölpreises wieder ein ausgeglichenes Budget zu erreichen.

Laut Al-Falih wird Saudi-Arabien seine Ölförderung von März an auf 9,8 Millionen Barrel täglich verringern. Im November lag die Zahl noch bei elf Millionen Fass. Die Exporte werden von 8,2 auf 6,9 Millionen Barrel reduziert. Damit soll der Ölpreis stabilisiert werden.

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