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15.09.2022

11:46

Ölkonzern

Shell bekommt einen neuen Chef: Firmenveteran Wael Sawan übernimmt

Von: Torsten Riecke

PremiumEnde des Jahres tritt der langjährige Shell-Chef Ben van Beurden zurück. Sein Nachfolger will die Energiewende beschleunigen.

Shell, Wael Sawan Shell

Wael Sawan

Der Kanadier arbeitet seit 1997 bei Shell.

London Der britisch-niederländische Energiekonzern Shell bekommt Anfang nächsten Jahres einen neuen Chef: Der 48-jährige Wael Sawan löst CEO Ben van Beurden ab. Der 64-jährige Niederländer wird das Unternehmen nach seinem Rückzug von der Spitze noch sechs Monate weiter beraten und dann den Konzern verlassen. Die Börse reagierte mit einem Plus von gut einem Prozent positiv auf den Führungswechsel.

Der Stabwechsel war erwartet worden, und der in Beirut geborene Sawan mit einem kanadischen Pass galt schon länger als Favorit auf den Top-Posten. Bislang leitete der Shell-Veteran den integrierten Geschäftsbereich Erneuerbare Energien und Gas, nachdem er zuvor sowohl im Upstream- als auch im Downstream-Bereich des Konzerns gearbeitet hatte. Der Bereich Erneuerbare Energie gilt angesichts des Klimawandels als das strategisch wichtigste Geschäftsfeld für den Konzern.

„Wael Sawan ist eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit, die über alle erforderlichen Qualitäten verfügt, um Shell sicher und gewinnbringend durch die nächste Phase des Wandels und des Wachstums zu führen“, sagte Verwaltungsratschef Andrew Mackenzie. Seine Tätigkeit in den Bereichen Handel, Betrieb und Umstrukturierung spiegele seine Erfahrung und sein Verständnis von Shell und dem Energiesektor wider. Der Führungswechsel sei das Ergebnis des Nachfolgeprozesses, den der Vorstand in die Wege geleitet habe. Sawan werde „die Umsetzung unserer Strategie beschleunigen“.

Shell durchläuft wie die gesamte Energiebranche einen dramatischen Wandel. Nachdem die Nachfrage während der Coronapandemie eingebrochen war und der Konzern erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg seine Dividende hatte streichen müssen, profitierten Shell und andere Energiefirmen zuletzt von den enormen Preissteigerungen, die vom Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöst wurden.

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    Shell konnte seinen Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um mehr als das Vierfache auf gut 18 Milliarden Dollar steigern. Rund sechs Milliarden Dollar davon will der Konzern im dritten Quartal durch Aktienrückkäufe an die Anteilseigner ausschütten. Zuvor hatte Shell bereits eigene Aktien im Wert von 8,5 Milliarden Dollar zurückgekauft.

    Shell, Ben van Beurden Reuters

    Ben van Beurden

    Der Manager kam 1983 zu Shell und rückte im Januar 2014 zum Vorsitzenden auf.

    Hohe Krisengewinne und massive Aktienrückkäufe haben jedoch in zahlreichen Staaten Rufe nach einer Übergewinnsteuer („windfall tax“) laut werden lassen. Jüngstes Beispiel ist die „Solidaritätsabgabe“ der EU für Öl-, Gas- und Kohleproduzenten, die rund 140 Milliarden Euro einbringen soll. In Großbritannien zahlte das Unternehmen bereits eine Zusatzsteuer von 25 Prozent auf seine Gewinne im Öl- und Gasgeschäft. Zugleich befindet sich die Energiebranche jedoch in einem dramatischen Transformationsprozess weg von fossilen, hin zu erneuerbaren Energien.

    Nachdem sich Shell zunächst gegen die Forderung nach festen Zielen für die Reduzierung der Treibhausgase wehrte und dafür massive Kritik von Umweltschützern vor allem in seiner früheren „Heimat“, den Niederlanden, einstecken musste, hat das Unternehmen seit 2017 schrittweise ehrgeizigere Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels festgelegt. Shell strebt nun an, seine Emissionen bis 2050 auf (netto) null zu reduzieren. „Wir werden diszipliniert und wertorientiert vorgehen“, sagte Sawan.

    Shell befindet sich in einem dramatischen Wandel

    Sawan muss die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen und den Wandel im Energiemix beschleunigen. In van Beurdens neunjährige Amtszeit an der Konzernspitze fiel auch die Übernahme der British Gas (BG) Group, die Shell 2016 nicht nur zum größten Gasproduzenten Großbritanniens, sondern auch zu einem der weltweit führenden Händler von Flüssiggas machte.

    Der rund 53 Milliarden Dollar teure Deal war damals umstritten, weil Analysten mutmaßten, Shell könne sich damit finanziell übernehmen. Der starke Anstieg der Gaspreise scheint dem Strategen van Beurden im Nachhinein recht zu geben. Zugleich trennte sich das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt von zahlreichen Geschäftsbereichen im Wert von rund 30 Milliarden Dollar.

    Die letzte große Veränderung unter van Beurden war der „Umzug“ des Firmensitzes aus den Niederlanden nach London, dem auch der Namenszusatz „Royal Dutch“ zum Opfer fiel. Hintergrund für den Ortswechsel war unter anderem der massive Druck von Investoren, Gerichten und Umweltaktivisten in den Niederlanden auf den Konzern, sich von fossilen Energieträgern zu verabschieden. Umziehen muss nun auch Sawan, der bislang in Den Haag arbeitete.

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