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21.05.2019

17:31

Pekka Lundmark im Interview

„Wir sind an Uniper als Ganzes interessiert“: Fortum-Chef lehnt Zerschlagung ab

Von: Jürgen Flauger

Der Fortum-Chef erklärt im Interview, warum er eine Zerschlagung des Stromproduzenten ablehnt – den Uniper-Vorstand aber vorerst nicht entlasten will.

Der Fortum-Chef setzt auf Kooperation. Bloomberg

Pekka Lundmark

Der Fortum-Chef setzt auf Kooperation.

Düsseldorf Der finnische Großaktionär Fortum weist Bedenken der Uniper-Mitarbeiter vor einer Zerschlagung des Stromproduzenten zurück. „Wir sind an Uniper als Ganzes interessiert“, sagte der Chef des finnischen Energiekonzerns Pekka Lundmark im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Uniper war bis kurz vor der Hauptversammlung am Mittwoch mit einem Antrag von Investor Knight Vinke konfrontiert, das Unternehmen in zwei Teile aufzuspalten. Die Mitarbeiter hatten befürchtet, dass dies im Interesse der Finnen sein könnte, die 49,99 Prozent der Anteile halten.

Der Antrag wurde zwar kurzfristig zurückgezogen. Fortum hätte ihn aber auch nicht unterstützt, wie Lundmark klar stellte. Er strebt vielmehr eine „tiefgreifende Kooperation“ mit Uniper an.

„Die Gespräche kommen gut voran und wir sind optimistisch, dass wir sie erfolgreich abschließen werden“, sagte Lundmark: „Alles was wir in der Zukunft machen wollen, wollen wir – wenn immer es geht – gemeinsam mit dem Uniper-Management machen. Da können wir nicht auf der Hauptversammlung gegen die Interessen des Managements stimmen.“

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Pekka Lundmark:

Herr Lundmark, die Mitarbeiter Ihrer Beteiligung Uniper machen sich große Sorgen. Sie fürchten, dass auf der Hauptversammlung am Mittwoch die Zerschlagung Ihres Unternehmens beschlossen wird.
Ich weiß. Auch bei mir haben sich besorgte Mitarbeiter gemeldet. Aber ich kann sie beruhigen. Die Mitarbeiter von Uniper brauchen keine Angst zu haben.

Fortum hat entscheidend zur Unruhe beigetragen. Ihr Unternehmen hat sich wochenlang nicht zum Verhalten auf der Hauptversammlung geäußert. Dabei standen bis zuletzt zwei brisante Anträge zur Abstimmung. Elliott forderte, dass Uniper mit Fortum einen Beherrschungsvertrag schließt. Knight Vinke verlangte die Zerschlagung von Uniper. Haben Sie ernsthaft in Erwägung gezogen, die Anträge anzunehmen?
Sowohl Elliott als auch Knight Vinke haben ihre Anträge am Dienstagnachmittag zurückgezogen. Wir hätten sie aber auch nicht angenommen. Wir hätten gegen den Beherrschungsvertrag gestimmt – und wir hätten auch gegen die Vorschläge gestimmt, die eine Aufspaltung von Uniper forderten. Ich bin froh, dass es jetzt gar nicht erst zu der Abstimmung kommt.

Vita Pekka Lundmark

Der Manager

Der 55-Jährige ist seit Herbst 2015 Präsident und CEO des Energiekonzerns Fortum. Zuvor hatte er zehn Jahre lang den Kranhersteller Konecranes geleitet.

Das Unternehmen

Fortum ist mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates. Der Energiekonzern ist bislang in den nordischen und baltischen Ländern, aber auch in Russland und Polen aktiv. Fortum wirbt damit, klimafreundlich Strom zu erzeugen. Dazu gehören Wasserkraft und auch Atomenergie.

Warum? Beide Anträge hätten die Machtposition von Fortum gestärkt.
Seit Februar verhandeln wir mit dem Management von Uniper über eine tiefgreifende Kooperation. Die Gespräche kommen gut voran, und wir sind optimistisch, dass wir sie erfolgreich abschließen werden. Alles, was wir in der Zukunft machen wollen, wollen wir – wenn immer es geht – gemeinsam mit dem Uniper-Management machen. Da können wir nicht auf der Hauptversammlung gegen die Interessen des Managements stimmen. Ein Beherrschungsvertrag oder eine Aufspaltung wäre mit Sicherheit keine gute Grundlage für die gewünschte Kooperation.

Aber warum haben Sie so lange geschwiegen? Warum äußern Sie sich erst jetzt, einen Tag vor der Hauptversammlung?
Wir hatten gehofft, die wichtigsten Punkte bis zur Hauptversammlung zu klären. Nicht alles ist uns gelungen. Die Zeit war einfach zu knapp.

Die Mitarbeiter sind verärgert, dass Fortum sie so lange im Ungewissen gelassen hat.
Ich verstehe, dass sie sich Sorgen gemacht haben, weil sie bis jetzt nicht wussten, wie wir uns auf der Hauptversammlung verhalten werden. Aber jetzt müsste klar sein, dass die Sorgen unbegründet sind.

Beide Parteien machen auch ein Geheimnis aus dem Verlauf der Kooperationsgespräche. Kommen die denn voran?
Ja, seit Februar sind wir in konstanten Gesprächen mit dem Uniper-Management, und wir machen Fortschritte. Ich persönlich habe mich in den vergangenen Monaten mehrfach mit Uniper-Managern getroffen, aber auch mit Herrn Seegatz, dem Chef des Betriebsrats. Wir haben zahlreiche Arbeitsgruppen gebildet, um unsere Zusammenarbeit endlich in Gang zu bringen.

Wie soll die Zusammenarbeit denn künftig aussehen?
Zu Details kann ich mich nicht äußern. Da haben wir Vertraulichkeit vereinbart. Meine Annahme, dass sich die Geschäfte von Uniper und Fortum gut ergänzen und wir beide viel zur Energiewende beitragen können, bestätigt sich aber.

Inwiefern ergänzen sich Uniper und Fortum denn? Fortum setzt klar auf CO2-freie Energieerzeugung, produziert Strom mit Wasserkraft und Atomenergie. Uniper hat Kohle- und Gaskraftwerke.
Der Klimaschutz ist zentral. Wir haben unser Geschäftsmodell schon lange darauf ausgerichtet. Aber auch Versorgungssicherheit ist sehr wichtig. Wir dürfen bei der Umsetzung der Klimaschutzprogramme die Sicherheit der Energieversorgung nicht gefährden. Zumal der Bedarf an Strom immer weiter steigt. Auch die Sektoren Verkehr und Wärme werden elektrifiziert. Die Kraftwerke von Uniper sind deshalb wichtig. Dabei wird vor allem Gas eine große Rolle spielen – und hier ist Uniper besonders stark.

Das klingt logisch. Fakt ist aber, dass sich das Management um CEO Klaus Schäfer vehement gegen Ihren Einstieg wehrte, als Sie im Herbst 2017 Ihre Offerte unterbreiteten. Und selbst, als der Einstieg im Sommer 2018 perfekt war, kamen die Gespräche nicht in Gang. Warum?
Warum die Gespräche nicht früher aufgenommen wurden, das müssen Sie Uniper fragen. Wir haben uns aber gefreut, als es dann im Februar einen Neuanfang gab.

Dafür bedurfte es aber eines Machtworts von Aufsichtsratschef Reutersberg. Der forderte von seinem Management den Neuanfang. War das nötig?
Wir fanden den Schritt jedenfalls richtig. Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen mit einem Aktionär, der fast 50 Prozent besitzt, keine gemeinsame Basis findet.

CEO Schäfer und CFO Christopher Delbrück verlassen das Unternehmen. Wäre mit ihnen der Neuanfang nicht möglich gewesen?
Das war ihre Entscheidung. Sie haben aber selbst gesagt, dass sie damit den Weg frei machen wollten für die Kooperationsgespräche. Wir begrüßen das.

Das neue Management ist schon bestimmt. Anfang Juni fängt Ex-Thyssen-Krupp-Manager Andreas Schierenbeck an. Hat er Ihre Unterstützung?
Er hat unser vollstes Vertrauen, und er hat ja auch gesagt, dass er die Kooperation mit Fortum suchen wird.

Wenn alles so gut läuft, hätten Sie die Uniper-Mitarbeiter doch nicht so lange im Unklaren lassen müssen.
Wir kommen gut voran bei den Gesprächen. Aber noch gibt es Knackpunkte, die nicht gelöst sind. Beispielsweise das Problem in Russland.

Ihr Einstieg wurde von den russischen Behörden zwar genehmigt, aber nur mit der Auflage, dass Fortum nicht mehr als 50 Prozent übernimmt…
…genau. Vor allem ist noch nicht transparent, wie es dazu kam.

Elliott hatte deshalb schon im vergangenen Jahr einen Antrag auf Sonderprüfung gestellt, um die Rolle des Managements zu hinterfragen. Der Prüfer könnte den Vorgang beleuchten. Wie stehen Sie dazu?
Wir haben uns lange überlegt, wie wir uns bei einer Abstimmung über die Sonderprüfung verhalten sollen. Wir werden das aber nicht unterstützen. Wir verlangen zwar auch noch mehr Aufklärung über die Vorgänge. Eine Sonderprüfung ist aber nicht die richtige Maßnahme. Sie würde dem Unternehmen eine unnötige Bürde auferlegen.

Werden Sie den Antrag auch ablehnen? Bei einer Enthaltung könnte der Antrag erfolgreich sein.
Das machen wir vom Verlauf der Hauptversammlung abhängig. Wir werden im Übrigen auch beantragen, die Entlastung des Vorstands zu vertagen. Dazu sind wir noch nicht bereit. Dazu fehlt es noch an Transparenz.

Für 2018? Oder auch für 2017?
Für beide Jahre. Es gibt nach wie vor ungeklärte Fragen.

Will Fortum denn die Mehrheit übernehmen?
Über die Frage unserer Beteiligung will ich mich nicht äußern. Bislang gibt es ja auch eine Beschränkung durch die Auflage in Russland, nach der wir nicht mehr Aktien kaufen können. Unsere Kooperation können wir aber auch unabhängig von gesellschaftsrechtlichen Fragen verwirklichen.

Hätte der Antrag von Knight Vinke nicht einen gewissen Charme gehabt? Knight Vinke fordert, das Russlandgeschäft abzuspalten. Damit könnte Fortum an Uniper die Mehrheit übernehmen.
Wir bevorzugen es, eine Lösung mit dem Management zu finden. Es wäre eine große Belastung, wenn Aktionäre gegen den Willen des Managements eine Aufspaltung durchsetzen würden.

Noch immer gibt es in der Belegschaft viel Misstrauen gegen Fortum. Haben Sie Fehler gemacht?
Alle Parteien haben Grund, in den Spiegel zu schauen und sich zu hinterfragen. Vielleicht hätten wir klarer in der Kommunikation sein können. Wir haben aber von Anfang an kommuniziert, dass wir an einer Kooperation und an einem konstruktiven Verhältnis interessiert sind.

Die Uniper-Mitarbeiter fürchten, die Selbstständigkeit zu verlieren.
Wir wollen, dass die Mitarbeiter von Uniper und Fortum eine gemeinsame Vision verfolgen – und das hat nichts mit der Höhe unserer Beteiligung zu tun. Das ist am wichtigsten. Wir ergänzen uns doch perfekt. In Zentraleuropa gibt es beispielsweise keine Überschneidungen, speziell nicht in Deutschland. Deshalb brauchen sich die Mitarbeiter von Uniper keine Sorgen zu machen.

Aber genau das macht ihnen Sorge. Sie vermuten, dass Fortum nur hinter dem Geschäft in Skandinavien her ist. Im Ernst, was wollen Sie mit den Kohlekraftwerken anfangen?
Das Uniper-Management arbeitet doch selbst am Kohleausstieg mit. Es wird mit den deutschen Behörden den Zeitplan besprechen, und wir unterstützen sie dabei.

Wollen Sie Uniper als Einheit erhalten?
Absolut. Wir sind an Uniper als Ganzes interessiert. Die einzelnen Assets haben nun einmal eine unterschiedliche Laufzeit. Bei Kohle ist die kürzer. Sie macht aber nur 30 Prozent von Unipers Assets aus. Die Kohlekraftwerke werden mit Sicherheit weniger lange am Netz bleiben als die Wasser- oder Atomkraftwerke in Schweden. Und die Gaskraftwerke in Deutschland werden noch wichtiger, wenn Deutschland aus Kohle und Atom aussteigt. Uniper als Ganzes ist für uns interessant.

Warum ärgert Sie die Auflage in Russland so. Wollen Sie denn die Mehrheit übernehmen?
Es ist einfach nicht gut, wenn es eine solche Restriktion gibt, die einen Aktionär einschränkt. Wir wollen uns einfach unterschiedliche Optionen offenhalten. Jetzt ist es aber am wichtigsten, ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit dem Management hinzubekommen und auch die Mitarbeiter davon zu überzeugen.

Reicht Ihnen denn der eine Sitz im Aufsichtsrat, den Fortum hat?
Langfristig würden wir uns schon wünschen, dass die Vertretung im Aufsichtsrat unserer Beteiligung entspricht. Jetzt haben wir einen von sechs Sitzen der Kapitalseite. Das würden wir gerne ändern.

Wann ist denn mit einem Abschluss der Gespräche zu rechnen?
Das ist derzeit offen. Ich hoffe aber, dass wir mit dem neuen Management zügig zu einem Abschluss kommen.

Werden Sie selbst an der Hauptversammlung teilnehmen?
Nein, ich bin nur zur Vorbereitung nach Düsseldorf gekommen.

Herr Lundmark, vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Thema: Zwischen Uniper und seinem finnischen Großaktionär Fortum ist erneut ein offener Streit ausgebrochen. Auslöser ist dieses Interview. Lesen Sie hier, was den Aufsichtsratschef von Uniper an den Aussagen von Pekka Lundmark so empört.

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