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20.06.2022

12:00

Private Equity

Ex-GE-Manager investieren in angeschlagene Mittelständler: „In schwierigen Zeiten gibt es großartige Gelegenheiten“

Von: Axel Höpner

Restrukturieren und die Digitalisierung nachholen: Falco Global Partners will Unternehmen mit General-Electric-Managementkultur zum Erfolg führen.

Der frühere Europachef von General Electric investiert mit anderen früheren GE-Managern in Unternehmen, die Nachholbedarf bei der Digitalisierung haben. Falco Global Partners

Ferdinando „Nani“ Falco Beccalli

Der frühere Europachef von General Electric investiert mit anderen früheren GE-Managern in Unternehmen, die Nachholbedarf bei der Digitalisierung haben.

München „In schwierigen Zeiten gibt es immer großartige Investitionsmöglichkeiten“, ist „Nani“ Falco Beccalli überzeugt. Seit 2019 investiert der frühere Europa-Chef von General Electric (GE) in kleine und mittelständische Industriefirmen, die in Schwierigkeiten geraten sind oder noch nicht den Sprung in die Digitalisierung geschafft haben. An seinem Fonds Falco Global Partners sind weitere Ex-Führungskräfte von GE beteiligt, außerdem ein früherer Manager von Black & Decker.

Die globalen Verwerfungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten zwischen Coronapandemie und Ukrainekrieg sieht Beccalli auch als Chance für den Einstieg in weitere Unternehmen. Deshalb soll die Zahl der Investments seines Fonds jetzt mithilfe des Kapitals externer Investoren deutlich steigen.

Falco Global Partners steigt, oft auf Wunsch beteiligter Private-Equity-Firmen oder des Managements, meist mit Anteilen von zwei bis drei Prozent ein. „Wir arbeiten mit den Firmen operativ“, sagt Beccalli, „wenn es Fortschritte gibt, bekommen wir als Gegenleistung weitere Anteile.“

Das Alleinstellungsmerkmal sei dabei die Expertise der beteiligten Partner. „Wir haben das General-Electric-Gen. Das ist unsere Währung“, bemerkt Beccalli.

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    GE galt lange als Management-Ikone. In den vergangenen Jahren geriet der Traditionskonzern allerdings in arge Nöte, machte hohe Verluste und wurde aufgespalten. „Doch die meisten Investoren erinnern sich noch an das frühere GE, es war eine unglaubliche Firma“, sagt Beccalli. Die Stärke des US-Konzerns sei es immer gewesen, Prozesse zu optimieren. Diese Fähigkeit werde von Investoren bis heute geschätzt. Die Krise von GE habe andere Ursachen.

    Die Branche ist noch skeptisch

    Ob der Name General Electric im deutschen Mittelstand tatsächlich noch eine solche Wirkung hat, muss sich nach Einschätzung aus Branchenkreisen erst zeigen. Beste Referenz seien in solchen Fällen immer erfolgreiche Investitionen in ähnlichen Situationen.

    Beccalli arbeitete über 40 Jahre für General Electric, führte zuletzt bis 2015 die Europageschäfte. Unter ihm baute GE die Forschungsaktivitäten aus und konnte die Umsätze mit Windrädern und Medizintechnik steigern. In Deutschland tat sich GE aber schwer, an den Rivalen Siemens heranzukommen.

    Seit seinem Ausscheiden bei GE ist Beccalli im Private-Equity-Sektor aktiv. Falco Global hat bislang Kapital der neun Partner investiert. Nun wollen sie weitere Investoren hinzuholen und in den nächsten sieben Jahren ihr verwaltetes Portfolio auf eine Milliarde Dollar vergrößern.

    Im Bestandsportfolio hat Falco Global unter anderem die spanische Healthtech-Firma Boxsr, den deutschen Mikroskopie-Spezialisten Precipoint, Bildungssoftware-Entwickler Bettermarks und den US-Katalysatorhersteller Cormetech.

    Die Spreizung auf sehr unterschiedliche Sparten ist für einen Fonds ungewöhnlich groß. Beccalli glaubt aber, dass die Managementmethoden von GE in den unterschiedlichsten Branchen funktionierten: Man steige bei Firmen ein, restrukturiere sie, verbessere den Cashflow und investiere dann in die Digitalisierung.

    So greift Falco Global den Beteiligungsunternehmen operativ unter die Arme, baut zudem Kooperationen mit Start-ups im Portfolio auf. Zudem wollen die Partner das auch als Dienstleister für andere Fonds tun.

    Privat-Equity-Unternehmen sehen gute Chancen

    Auch Peter Laib, Aufsichtsratschef von Yielco Investments, sieht in der aktuellen, unsicheren Lage Einstiegschancen. „Es gibt eine Vielzahl von insbesondere kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die ungenügend für die zukünftigen Herausforderungen positioniert sind“, sagte Laib dem Handelsblatt.

    Yielco betreut im deutschsprachigen Raum 7,5 Milliarden Euro an Assets für überwiegend institutionelle Anleger und konzentriert sich im Bereich Private Equity ebenfalls auf kleine und mittelgroße Unternehmen in Spezialsituationen.

    Gerade der fehlende Fokus auf die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle sei eines der Hauptprobleme vieler Unternehmen, sagte Laib. „Hier bieten sich für erfahrene Investoren sehr attraktive Opportunitäten mit hervorragenden Renditeaussichten.“

    Angesichts steigender Zinsen und hoher Inflation könnten weitere mittelständische Firmen in Schieflage geraten. „Dies insbesondere dann, wenn über die letzten Jahre zu leichtfertig eine hohe Schuldenlast aufgenommen und der erforderliche Strukturwandel zu zögerlich in Angriff genommen wurde.“ Wichtig sei, dass Investoren über „umfangreiche Investitionserfahrung sowie ausgewiesene Expertise zur operativen und finanziellen Neupositionierung der Zielunternehmen verfügen“.

    Das Mittelstandsbarometer von KfW und Ifo zeigt, dass die mittelständischen Unternehmen derzeit eher skeptisch in die Zukunft blicken. Zwar laufen aktuell bei vielen Firmen die Geschäfte gut – doch sind die Erwartungen für die kommenden Monate negativ.

    Die Unternehmen blickten in einen Abgrund, sagt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. „Wie tief sie wirklich fallen, hängt davon ab, wie weit sich die Sanktions- und Eskalationsspirale noch dreht, aber auch von der Dauer des Krieges.“

    Für Venture-Capital- und Private-Equity-Spezialisten wie Falco Beccalli sind das interessante Zeiten. Auch der Italiener ist sich der Risiken für die Weltwirtschaft bewusst: Der Ukrainekrieg werde noch lange dauern, die Inflation zu einem großen Problem werden, China mit seiner Zero-Covid-Politik und dem Taiwan-Konflikt ein Unsicherheitsfaktor.

    Doch gelte immer auch: „In schwierigen Zeiten sind Unternehmen billiger.“ Beccalli will mit Falco Global Partners bald einen Ableger in Japan eröffnen. „Ich glaube weiter an die Globalisierung, und die Asien-Pazifik-Region ist die Gegend, in der man im 21. Jahrhundert sein muss.“

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