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23.11.2022

13:43

Selfmade Energy

Lohnt sich das Vergleichsportal für Solaranlagen?

Von: Catiana Krapp

Das Vergleichsportal soll Hausbesitzern das beste Angebot vermitteln und Handwerkern unnötige Vor-Ort-Termine ersparen. Wer hinter der Vergleichs-Website steckt.

Preisvergleich für Solaranlagen von Selfmade Energy

Solarrechner von „Selfmade Energy“

Die Internetseite vergleicht mehrere Angebote für Photovoltaikanlagen.

Düsseldorf Im Internet gibt es einen Vergleichsrechner für Hausbesitzer, die sich eine Photovoltaikanlage aufs Dach bauen wollen. Wenige Klicks führen zu einer Übersicht an Angeboten – ohne dass vorher ein Handwerker das Hausdach vor Ort begutachten muss. Die Nutzerzahlen der Internetseite „Selfmade Energy“ verdoppeln sich derzeit alle paar Monate.

Lohnt sich der Dienst? Das Handelsblatt hat sich das Portal genauer angeschaut und gibt einen Überblick.

Warum ist ein Angebotsvergleich für Solaranlagen wichtig?

Photovoltaikanlagen fürs Dach sind extrem gefragt. Viele Menschen wollen den hohen Strompreisen etwas entgegensetzen, das Klima schützen oder sich vermeintlich unabhängiger selbst mit Energie versorgen. Aber es gibt zu wenige Handwerker, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Das macht Photovoltaikanlagen ungewöhnlich teuer.

Wer aber mehrere Angebote vergleichen will, muss viel Geduld mitbringen. Ein Handwerksbetrieb muss gefunden werden, ein Mitarbeiter muss anreisen und das Dach inspizieren, dann kann es Wochen dauern, bis das Angebot kommt. Und wer endlich mehrere Angebote hat, dürfte Schwierigkeiten haben, sie sinnvoll miteinander zu vergleichen.

Solaranlagen im Vergleich: Was kann die Internetseite „Selfmade Energy“?

Das Portal fragt vom Nutzer zunächst unverbindlich diverse Informationen ab: Postleitzahl, ist der Nutzer selbst Hauseigentümer, wie viele Personen leben in dem Haus, ist es ein Einfamilien-, Mehrfamilien- oder Reihenhaus oder ein Gewerbeobjekt, welche Neigung und Beschaffenheit hat das Dach, wie alt ist das Haus, soll das Dach zuerst saniert werden, sind Elektroauto und Wärmepumpe vorhanden, will der Nutzer auch einen Batteriespeicher, was ist der Wunschtermin für die Installation?

Das Portal rechnet dann aus, wie viele Module nötig sind, um den eigenen Strombedarf zu decken. Wer seine genaue Adresse angibt, erfährt auch, ob das eigene Dach dafür groß genug ist. Selfmade Energy nutzt dazu für die meisten Regionen in Deutschland Daten aus sogenannten Solarkatastern, die jedes Bundesland führt, und erkennt so die Größe und Neigung des Daches sowie mögliche Verschattungen durch Bäume oder andere Häuser. In einigen Regionen und Ländern – etwa in Bayern – funktioniert das allerdings bislang nicht, da dem Portalbetreiber die notwendigen Daten fehlen.

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Wer im nächsten Schritt auch seine E-Mail-Adresse angibt, erhält passende Angebote zu den eigenen Anforderungen. Wer ein Angebot auswählt und seinen Namen und seine Telefonnummer angibt, erhält eine SMS mit einem Link aufs Handy. Dort können Nutzer mit dem Handy aufgenommene Fotos ihres Dachs hochladen. So müssen die Solarfirmen keinen Handwerker zur Bestandsaufnahme vorbeischicken.

Welche Ziele verfolgt „Selfmade Energy“ und wer steckt dahinter?

Die Betreiberfirma der Internetseite heißt Tiro Check Energy – ein naheliegender Name, denn der Mann, der das Unternehmen 2019 mit seinem privaten Geld gründete, heißt Tim Rosengart. Er wollte eine einfache Möglichkeit schaffen, das eigene Energieerzeugungspotenzial zu überprüfen.

Der 37-jährige Gründer des Vergleichsportals „Selfmade Energy“ arbeitete zuvor in der politischen Kommunikation bei einem Stromzähleranbieter.

Tim Rosengart

Der 37-jährige Gründer des Vergleichsportals „Selfmade Energy“ arbeitete zuvor in der politischen Kommunikation bei einem Stromzähleranbieter.

Der heute 37-jährige Rosengart arbeitete zuvor bei dem Stromzähleranbieter und Messstellenbetreiber Discovergy. Er gründete Tiro Check Energy, nachdem er sehr viel Zeit investieren musste, um für seine Eltern vergleichbare Angebote für Photovoltaikanlagen herauszusuchen. „Ich hatte viele Handwerker zu Hause – die haben alle die gleichen Fragen gestellt und die gleichen Fotos gemacht“, sagt Rosengart.

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Mittlerweile sind einige namhafte Investoren mit einer insgesamt siebenstelligen Geldsumme in Rosengarts Unternehmen eingestiegen, darunter der Gründer des Vergleichsportals Verivox, Nikolaus Starzacher, sowie der Gründer des Batteriespeicherunternehmens Sonnen, Christoph Ostermann.

Was ändert sich durch „Selfmade Energy“?

Der Investor Christoph Ostermann sagt: „Der Solarmarkt war nie so groß wie heute. Und er ist extrem intransparent.“ Es gebe eine Vielfalt von Solarangeboten – von Elektrikern und Solarfirmen, als Direktkauf-, Miet- oder Leasingmodell. Ostermann bezeichnet „Selfmade Energy“ deshalb als „das fehlende Puzzlestück“.

Rosengart will mit seinem Portal nicht nur Nutzer unterstützen, sondern auch Handwerker entlasten. Er sagt: „Wir liefern den Solarfirmen die Kunden auf dem Silbertablett.“ Die Firmen können Ausschlusskriterien hinterlegen – durch die vielen Vorauswahlkriterien kommen dann nur Anfragen von Kunden bei den Solarteuren an, deren Dach die richtigen Kriterien erfüllt. Deshalb sind es auch die Solarfirmen – und nicht die Haushalte –, die „Selfmade Energy“ bezahlen.

Was sagen Kritiker zum Solaranlagen-Vergleich?

Das Ratgeberportal Finanztip hat „Selfmade Energy“ getestet und empfohlen. Benjamin Weigl, Finanztip-Experte für Energie, sagt allerdings auch: „Viele Angebote für PV-Anlagen sind momentan überteuert. Man sollte deshalb nicht blind auf solche Vergleichsportale vertrauen, sondern sich auch bei weiteren, regionalen Anbietern nach den Preisen erkundigen. Oft kommt man so mehrere Tausend Euro günstiger weg.“

Die Nachfrage sei derzeit so hoch, dass man Geduld mitbringen müsse. Wenn man es nicht allzu eilige habe mit der PV-Anlage, sollte man längere Lieferzeiten in Kauf nehmen, so fände man eher günstige Angebote.

Der Verbraucherschützer Sören Demandt konkretisiert: „Die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit liegt wohl für die meisten Privatpersonen irgendwo zwischen 2500 und 3000 Euro pro Kilowatt Peak.“ Das gelte für Anlagen ohne Speicher und hänge von mehreren Faktoren ab. Demandt sagt: „Trotz der aktuellen Preissituation kann es sinnvoll sein, auch derzeit schon Angebote einzuholen.“ Wie sich der Markt entwickelt, sei schwer zu sagen. „Aber es gibt auch aktuell Angebote, die finanziell attraktiv sind.“

Erstpublikation: 18.11.22, 04:00 Uhr.

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