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24.11.2022

11:11

Start-up

Tado will mit Smart-Thermostaten ohne Börsengang profitabel werden

Von: Axel Höpner

Mit smarten Thermostaten für die Heizung lässt sich aktuell viel Geld sparen. Davon profitiert das Start-up Tado – und setzt sich ambitionierte Ziele.

Smart-Thermostat von Tado

Heizen per App

Smarte Systeme wie das von Tado erleben derzeit einen Nachfrage-Boom.

München Gas ist knapp und teuer. Viele Kunden suchen darum nach intelligenten Systemen, um beim Heizen zu sparen. „Die Nachfrage hat sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt“, sagte Tado-Mitgründer Christian Deilmann dem Handelsblatt. Das Unternehmen hat eine Heizungs-App entwickelt und sieht sich als Marktführer in Europa.

Mit „Smart Home“-Lösungen können Licht und Heizung digital gesteuert werden. Doch bislang waren sie ein Geschäft für die Nische. Das hat sich nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom geändert. Smart-Home-Technologien könnten einen ganz konkreten Beitrag leisten, weniger Heizenergie zu verbrauchen, meint Bitkom-Präsident Achim Berg. „Sie sind sehr viel mehr als eine technische Spielerei.“ Rund 53 Prozent aller Nutzer gaben in einer Umfrage von Bitkom an, dass ihre Energiekosten durch den Einsatz smarter Systeme gesunken sind.

In Deutschland nutzen nach Schätzungen von Branchenkreisen zwischen zehn und 20 Prozent aller Haushalte intelligente Heizungssteuerungen, in den Niederlanden sind es laut Tado 25 Prozent. „Damit ist der Durchbruch in den Massenmarkt geschafft“, sagt Deilmann. Angesichts der gestiegenen Gaspreise amortisiere sich die Anschaffung der smarten Tado-Thermostate schon nach wenigen Monaten. Der Trend werde bleiben, auch wegen des Kampfs gegen den Klimawandel.

Smart-Thermostate: Tado plant mit 100 Millionen Euro Umsatz

Tado wird bis Ende 2022 europaweit etwa drei Millionen Systeme verkauft haben, zu denen auch ein spezielles Heizkörperthermostat gehört. Allein in diesem Jahr wird es etwa eine Million smarter Thermostate sein. Angesichts des Booms wird das Unternehmen nach Branchenschätzungen im laufenden Jahr etwa 100 Millionen Euro umsetzen – deutlich früher, als das bisher in den Geschäftsplänen vorgesehen war.

So günstig das geschäftliche Umfeld für das Unternehmen war, so ungünstig entwickelt sich derzeit das Kapitalmarktumfeld. Tado wollte eigentlich bereits im Frühjahr über einen sogenannten Spac-Deal an die Börse gehen. Dabei fusioniert eine Firma mit einer leeren Firmenhülle, die bereits an der Börse ist.

Tado will 2023 profitabel werden

Die Spac-Euphorie ist allerdings verflogen, auch bei Tado. Sein Börsenvorhaben hat das Start-up mittlerweile abgesagt. Aufgrund des Booms sei man voraussichtlich schon 2023 profitabel und wolle bis auf Weiteres eine private Firma ohne Börsennotierung bleiben, sagt Deilmann. „Wir sind für die nächsten Jahre durchfinanziert.“ In einigen Jahren, wenn die Firma deutlich größer ist, könne man wieder eine Börsennotierung anpeilen.

Die Wachstumsziele bleiben ambitioniert: Tado-CEO Toon Bouten will den Umsatz des Unternehmens bis 2025 auf 500 Millionen Euro steigern. Denn die Anwendungsbeispiele für die Technologie des Unternehmens sind zahlreich.

Die App von Tado kann zum Beispiel erkennen, wenn ein Angestellter seinen Arbeitsplatz verlässt und nach Hause fährt, und die Wohnung schon mal vorheizen. Über das Handy erkennt die Steuerung zudem, wenn die Bewohner einen Raum oder das Haus wieder verlassen. Die Kunden sollen dadurch im Schnitt 22 Prozent ihrer Heizkosten sparen können.

Allerdings ist die Konkurrenz im Segment der smarten Heizungssteuerungen groß: Google übernahm 2014 für drei Milliarden Dollar den Konkurrenten Nest. Der US-Riese konzentriert sich aktuell noch vor allem auf seinen Heimatmarkt, dürfte aber nach Branchenschätzungen in Europa der größte Konkurrent von Tado sein.

Heizungsbauer konkurrieren mit Tado

Der Heizungsbauer Vaillant hat ebenfalls eine App zur Heizungssteuerung entwickelt, über die Nutzer vordefinierte Profile wie „zu Hause“, „Nacht“ oder „abwesend“ aktivieren können. „Wir verzeichnen eine steigende Nachfrage nach Lösungen für die intelligente Heizungssteuerung“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Tillmann von Schroeter dem Handelsblatt.

Vaillant bietet ein Internetmodul und Apps für die Regler seiner Heizungen an, mit denen die Nutzer auch einen Überblick über ihren Energieverbrauch haben. 2023 kommt die nächste Generation mit weiteren Funktionen auf den Markt. In der Pilotierung befindet sich zudem ein cloudbasierter Service für die Optimierung der Energieeffizienz von Wärmepumpen. Auch Bosch hat eine Reihe von Smart-Home-Lösungen entwickelt.

Tado verkündet Übernahme von Awattar

Kurz vor der Ankündigung des Börsengangs hatte Tado die erste Akquisition in der Unternehmensgeschichte verkündet. Mit der Übernahme von Awattar – einem Spezialisten für die Flexibilitätsvermarktung von Strom – soll den Kunden künftig ein günstigerer Stromeinkauf ermöglicht werden. Awattar erzielte laut Branchenschätzungen zuletzt zweistellige Millionenumsätze.

Mithilfe der IT-Plattform aus Österreich sollen die Tado-Nutzer zum Beispiel ihr Elektroauto oder den Pufferspeicher der Wärmepumpe genau dann aufladen, wenn der Strom besonders günstig ist, weil es zum Beispiel viel Wind- oder Sonnenenergie gibt. In Phasen, in denen der Strom sehr teuer ist, kann der Ladevorgang eine Zeit lang unterbrochen werden.

Erstpublikation: 21.11.2022, 13:31 Uhr.

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