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19.01.2023

20:39

Windkraft

Siemens Energy kassiert die Prognose – Qualitätsprobleme und hohe Verluste bei Gamesa

Von: Axel Höpner

Der Dax-Konzern rechnet jetzt mit anhaltend hohen Verlusten im Gesamtjahr. Die übrigen Geschäftsbereiche machen aber Fortschritte.

Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise.  Siemens Gamesa

Siemens Gamesa

Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise. 

München Nach neuen Hiobsbotschaften von der Windkraft-Tochter Gamesa hat der Dax-Konzern Siemens Energy seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr kassiert. Statt einer deutlichen Reduzierung rechne man nun mit einem Nettoverlust auf Vorjahresniveau, teilte Siemens Energy am Donnerstagabend mit.

Für die Probleme verantwortlich ist einmal mehr das Geschäft mit den erneuerbaren Energien, während es in den übrigen Sparten besser als erwartet läuft. Siemens Gamesa vermeldete für das erste Quartal seines Geschäftsjahrs 2022/23 (endet per 30. September) auch wegen Qualitätsproblemen einen operativen Verlust vor Sonderfaktoren von 760 Millionen Euro.

Eine Bestandsaufnahme der bestehenden Flotte habe wegen unerwartet hoher Ausfallraten bei bestimmten Komponenten höhere Belastungen für Garantien und Service ergeben, hieß es. Der Umsatz lag bei zwei Milliarden Euro.

Siemens Gamesa steckt seit Jahren in der Krise. Immer wieder überraschte der Windkraftkonzern auch den Mutterkonzern in München mit nach unten korrigierten Prognosen und neuen Belastungen. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Siemens Gamesa einen Nettoverlust von fast einer Milliarde Euro.

Um besser durchgreifen zu können, beschloss Siemens Energy die Komplett-Integration der Tochter. Mithilfe eines milliardenschweren Übernahmeangebots sicherte sich Siemens Energy 93 Prozent der Anteile und beschloss, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Siemens Energy will mehr Durchgriff bei der Krisentochter

Die jetzigen Verluste sind das Ergebnis der Bestandsaufnahme durch den neuen Gamesa-Chef Jochen Eickholt, der im vergangenen Jahr als Sanierer von München nach Madrid geschickt wurde. Er trägt wegen seiner Ungeduld intern den Namen „Zwei-Wochen-Jochen“.

Ein Sprecher von Siemens Energy sagte mit Blick auf Gamesa, man sehe in den operativen Bereichen eine Verbesserung der Situation. „Allerdings erfordern insbesondere die Altverträge unter den nach wie vor schwierigen Bedingungen im Beschaffungsmarkt uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Managements.“ Der Rückzug von der Börse ermögliche die volle Konzentration auf die Lösung der operativen Probleme.

Die Probleme bei Siemens Gamesa überdeckten regelmäßig die Fortschritte in anderen Geschäftsbereichen von Siemens Energy. Im ersten Quartal 2022/23 – also von Oktober bis Dezember – konnten die Sparten „Gas Services“ mit den Kraftwerken, „Grid Technologies“ mit den Netzen und „Transformation of Industry“ mit den Wasserstoff-Aktivitäten ihre operativen Ergebnisse verbessern.

Der Gesamtkonzern kam so im ersten Quartal auf einen Umsatz von sieben Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 6,6 Milliarden Euro erwartet. Der Verlust lag bei 384 Millionen Euro, hier lag der Konsens bei einem Minus von nur 32 Millionen Euro.

Schon im vergangenen Jahr hatten sich die drei anderen Geschäftsbereiche, die damals noch zusammen unter der Einheit „Gas and Power“ zusammengefasst waren, gut behauptet. Die Erlöse waren auf vergleichbarer Basis bei gut 19 Milliarden Euro stabil. Mehr noch: Der Auftragseingang legte um ein Viertel auf knapp 27 Milliarden Euro zu. Die angepasste operative Umsatzrendite lag bei drei Prozent, ein solider Wert.

„Aber das ist natürlich ein Rückschlag“

Doch zogen die roten Zahlen von Gamesa den Gesamtkonzern nach unten. Die Umsätze von Siemens Energy sanken daher 2021/22 im Gesamtkonzern leicht auf 29 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 647 Millionen Euro. Diesen wollte Siemens Energy eigentlich deutlich verringern. Beim Umsatz rechnet der Konzern weiter mit einem Wachstum auf vergleichbarer Basis von drei bis sieben Prozent.

Seit dem 1. März ist Eickholt neuer Chef des Windkonzerns.  dpa

Jochen Eickholt

Seit dem 1. März ist Eickholt neuer Chef des Windkonzerns. 

In Industriekreisen hieß es, die Qualitätsprobleme bei Gamesa beträfen vor allem alte Projekte. „Aber das ist natürlich ein Rückschlag“, sagte ein Branchenkenner. Es sei aber klar gewesen, dass Eickholt jeden Stein umdrehe und dass diese Aufräumarbeiten auch zu neuen Belastungen führen könnten.

Siemens Energy erklärte, das Restrukturierungsprogramm Mistral mache Fortschritte in Richtung Stabilisierung der Geschäfte und Rückkehr zur Profitabilität. Die neue Plattform 5X, bei deren Anlauf es Probleme gegeben hatte, habe im ersten Quartal bei Produktion und Installationen über Plan gelegen.

Die Probleme von Siemens Energy hatten auch den Aktienkurs von Siemens Energy stark belastet. Seit einem Hoch von 33 Euro Anfang 2021 brach der Kurs um zwei Drittel ein. Angesichts der bevorstehenden Integration von Gamesa schöpften die Investoren aber Hoffnung. In den vergangenen Monaten stieg der Kurs von gut 10 auf knapp 19 Euro.

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