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10.11.2022

12:36

Windkraft

Siemens Gamesa verbucht fast eine Milliarde Euro Nettoverlust

Von: Axel Höpner, Kathrin Witsch

Der Windkraftkonzern macht weiter hohe Verluste, kann sich im vierten Quartal aber etwas erholen. Die Komplettübernahme durch Siemens Energy könnte gerade noch rechtzeitig kommen.

Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise.  Siemens Gamesa

Siemens Gamesa

Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise. 

Düsseldorf, München Der deutsch-spanische Turbinenhersteller Siemens Gamesa hat im Geschäftsjahr 2021/22 (30. September) einen Verlust von fast einer Milliarde Euro verbucht. Die anhaltend hohen Rohstoffkosten und Probleme in den Lieferketten trieben die Materialkosten, erklärte Siemens-Gamesa-CEO Jochen Eickholt am Donnerstag.

„Gleichwohl erwarten wir, dass sich das Marktumfeld nach diesem Übergangsjahr normalisiert“, hieß es in einer Mitteilung. Dann könne auch Siemens Gamesa wieder profitabel werden und den Mittelzufluss (Cashflow) nach und nach verbessern.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr ging der Umsatz von Siemens Gamesa um vier Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zurück. Dabei ist der Auftragsbestand um weitere 2,5 Milliarden auf mehr als 35 Milliarden Euro gestiegen. Allein im vierten Quartal kamen Aufträge für 4,4 Milliarden Euro herein, die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gamesa-Chef will Projektbestand prüfen

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) summierte sich im Geschäftsjahr auf 581 Millionen Euro, der Nettoverlust stieg abermals - auf nun 940 (Vorjahr: 627) Millionen Euro. Der als Sanierer angetretene Vorstandschef Eickholt sagte, der Bestand an Projekten müsse angesichts des veränderten Umfelds und der Kostensteigerungen überprüft werden.

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    Im vierten Quartal gab es aber erste Anzeichen einer Besserung: Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 3,37 Milliarden Euro, das Ebit war mit 375 Millionen Euro deutlich positiv. Auch unter dem Strich schrieb Siemens Gamesa mit 286 Millionen Euro schwarze Zahlen. Nachhaltige Fortschritte stellt Eickholt derweil erst für 2025 in Aussicht. 

    Der Windkonzern steckt seit Jahren in der Krise. Unter hartem Preisdruck steht zwar die gesamte Branche, Siemens Gamesa aber kämpft zusätzlich mit zahlreichen hauseigenen Problemen. Erst Ende September kündigte CEO Eickholt im Zuge des Sanierungsprogramms den Abbau von weltweit fast 3000 Stellen an. 

    Grafik

    Obwohl Siemens Gamesa einer der größten Windanlagenhersteller der Welt ist, bei Turbinen auf dem Meer („Offshore“) sogar Marktführer, laufen die Geschäfte schlecht. Die Bilanz der vergangenen sechs Jahre: mehrere Gewinnwarnungen, rote Zahlen und vier Chefs. Zuletzt hatte Eickholt im März Andreas Nauen abgelöst. In Unternehmenskreisen von Mehrheitseigner Siemens Energy wird inzwischen offen eingeräumt: „Die Integration haben wir schlecht gemacht.“ 2016 fusionierte Siemens Wind Power mit dem spanischen Anlagenhersteller Gamesa. 

    Delisting in Reichweite

    Die Festland-Sparten („Onshore“), die von Siemens und Gamesa kamen, hätten seitdem jedoch nicht gut zusammengearbeitet, heißt es heute aus Unternehmenskreisen. „Das ist ein Versäumnis, das nicht hätte passieren dürfen.“

    Dies habe auch zu Problemen bei der Entwicklung der 5.X-Turbinen im Onshore-Bereich geführt. Man habe mehrere Jahre verloren, weil Siemens Energy nicht frühzeitig durchgegriffen habe. Dies ändere sich jetzt unter der Führung von Eickholt und mit der Vollintegration.

    Siemens Energy kann die verlustreiche Windkraft-Tochter Siemens Gamesa  voraussichtlich noch in diesem Jahr voll übernehmen. Nach fast sechs Monaten gab die spanische Wertpapieraufsicht CNMV am Montag grünes Licht.

    Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise.  REUTERS

    Siemens Gamesa

    Der deutsch-spanische Turbinenhersteller steckt tief in der Krise. 

    Der deutsche Mutterkonzern kündigte an, das 4,05 Milliarden schwere Übernahmeangebot „in Kürze“ offiziell vorzulegen. Die Siemens-Gamesa-Aktionäre haben dann 36 Tage Zeit, die Offerte aus München in Höhe von 18,05 Euro je Aktie anzunehmen.

    Kommt Siemens Energy dabei auf mehr als 75 Prozent der Anteile, kann der Windanlagenbauer nach spanischem Recht von der Börse genommen werden. Siemens Energy hält bereits gut 67 Prozent und erhofft sich von der Komplettübernahme direktere Durchgriffsmöglichkeiten bei der verlustreichen Tochter. Auch in Branchenkreisen wird die Vollintegration als Hoffnungsschimmer für den angeschlagenen Turbinenhersteller gewertet. 

    Schließlich ist die Nachfrage auf dem Windmarkt so hoch wie nie zuvor. Hoffnung macht in den Augen von Siemens Energy da vor allem der Auftragseingang, bei dem Siemens Gamesa zuletzt mehr als eine Million Euro pro Megawatt erzielt habe. Zuvor waren es 600.000 bis 700.000 Euro.

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