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05.01.2018

13:54

Windkraftindustrie

Der deutsche Markt droht zu implodieren

Von: Franz Hubik

Rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland wurde nach Neujahr durch Windräder erzeugt. Ein Rekord in Zeiten der Energiewende. Doch die Branche feiert nicht. Im Gegenteil: Sie fürchtet Markteinbrüche und Jobabbau.

Windkraftindustrie: Existenzsorgen trotz Ökostrom-Rekorden ZB

Windkraftpark in Brandenburg

Noch nie wurde so viel Strom durch Windenergie erzeugt – trotzdem hat die Branche Existenzsorgen.

DüsseldorfMan sollte meinen, das Jahr hätte für die heimische Windkraftindustrie kaum besser beginnen können. Noch nie zuvor haben die 28.200 Mühlen, die sich mittlerweile landauf, landab in Deutschland drehen, so viel Strom erzeugt wie am 3. Januar. Insgesamt waren es laut Branchenverband Wind Europe 925 Gigawattstunden an Elektrizität. Oder anders ausgedrückt: Rund 60 Prozent des heimischen Stroms wurde in Spitzenzeiten nur durch die Kraft des Windes gewonnen.

Schon rund um die Festtage drehten sich die Windmühlen in ganz Europa wie verrückt. Im Schnitt wurde so zwischen Weihnachten und Neujahr gut ein Fünftel der Elektrizität auf dem Kontinent mit Windkraftanlagen erzeugt. Es sind imposante Zahlen, die in der Branche normalerweise für Jubelstürme sorgen. Doch dieses Mal hält sich die Feierlaune in Grenzen. Es herrscht Krisenstimmung.

Der Grund: Wegen gekappter Förderungen und schwindender Aufträge stehen bei den Herstellern von Turbinen und Rotorblättern, den wichtigsten Komponenten von Windrädern, Tausende Stellen auf der Kippe. Viele Zulieferer fürchten gar um ihre Existenz. Und Besserung ist nicht in Sicht: Im Gegenteil. Der deutsche Markt droht zu implodieren.

Genau dieses Szenario wollen jetzt Betriebsräte aus 19 führenden Unternehmen der Branche verhindern. In einer Resolution fordern sie die Verantwortlichen in Industrie und Politik auf, einen Kahlschlag und den Verlust von wertvollem Know-how durch gemeinsame Anstrengungen zu verhindern.

„Es geht um die Menschen und die Zukunft der Windindustrie – nicht nur um Rendite“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben der Arbeitnehmervertreter. Sie warnen vor unbedachtem Abbau von Arbeitsplätzen. Denn trotz „aller Rückschläge sehen wir die Energiewende weiter als beschäftigungs- und industriepolitische Chance – insbesondere für die norddeutschen Bundesländer“, schreiben die Betriebsräte von Unternehmen wie Siemens Wind Power, Vestas oder Senvion.

Die Arbeitnehmervertreter haben sich im Netzwerk Windindustrie der Gewerkschaft IG Metall zusammengeschlossen und machten am Freitag bei Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) Druck für ihre Anliegen.

In Lies haben die Betriebsräte und die IG Metall einen wichtigen Verbündeten. Schließlich entfallen alleine 32.000 der 150.000 Arbeitsplätze in der deutschen Windkraftindustrie auf Niedersachsen. Zudem drehen sich in keinem anderen Bundesland so viele Windräder. Und Niedersachsens sozialdemokratischer Ministerpräsident Stephan Weil ist bei den Sondierungsgesprächen für eine neue Große Koalition mit CDU und CSU thematisch für den Bereich Energie verantwortlich.

„Die Ministerpräsidenten der Nordländer müssen das Thema in Berlin auf die Agenda setzen“, appelliert Meinhard Geiken. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste fordert einen deutlich stärkeren Ausbau der Windenergie an Land und auf hoher See. „Anders sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen, und nur so kann die Energiewende für neue Industrieansiedlungen und Beschäftigung in Norddeutschland, aber auch in anderen Regionen sorgen“, sagt Geiken.

Der Gewerkschafter zeigt sich angesichts der schwierigen Lage der Industrie sehr besorgt über die Zukunft der grünen Hoffnungsbranche. Ausgerechnet im Vorzeigeland der Energiewende könnte der Markt für Windenergie massiv einbrechen und im schlimmsten Fall auf nur noch ein Viertel seiner aktuellen Größe schrumpfen.

Wurden hierzulande 2016 noch Windräder mit einer Leistung von 4600 Megawatt am Festland neu gebaut, könnten es 2019 nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Windresearch nur noch 1100 Megawatt sein. Die Folge dieser Entwicklung: Bei den Turbinenbauern bricht die Auftragslage ein. Projektentwickler befürchten einen massiven Einbruch ihres Geschäfts.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (46)

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Herr Peter Spiegel

05.01.2018, 14:04 Uhr

Bestimmt kann jemand erklären wohin der Srom gegangen ist oder wurde das Meer damit geheizt ?
http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/ripple-eine-kryptowaehrung-als-wall-street-partner/20812524.html

G. Nampf

05.01.2018, 14:24 Uhr

- "Wegen gekappter Förderungen und schwindender Aufträge stehen ..., Tausende Stellen auf der Kippe."

Ein Industriezweig muß sich ohne staatliche Förderung und Subventionen behaupten können. Das gilt für alternative Stomerzeugung genauso wie für die Atomindustrie.

- "In einer Resolution fordern sie die Verantwortlichen in Industrie und Politik auf, einen Kahlschlag und den Verlust von wertvollem Know-how durch gemeinsame Anstrengungen zu verhindern."

Heißt übersetzt: Steuerzahler und Stromkunden (meist in Personalunion) sollen weiterhin die Firmen unterstützen. Die Fehler , die gegenüber den Atomkonzernen ( diese argumentierten damals in gleicher Weise) gemacht wurden, müssen unbedingt wiederholt werden.

Herr Andre Peter

05.01.2018, 14:26 Uhr

Tennet baut keine Netze in den Süden - Weshalb sollte man noch Windkrafträder bauen, deren Strom nicht in den Süden geleitet werden kann? Macht keine Sinn!

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