Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

29.09.2022

15:37

Windrad-Hersteller

Siemens Gamesa baut 2900 Stellen ab

Von: Kathrin Witsch

Der angeschlagene Hersteller von Windkraftanlagen kündigt einen radikalen Stellenabbau an. Auch in Deutschland sind mehrere Hundert Arbeitsplätze betroffen.

Siemens Gamesa stellt Windkraftanlagen her ddp

Siemens Gamesa

Trotz Energiewende schreibt der Windkraftanlagen-Hersteller schon seit Jahren rote Zahlen. 

Düsseldorf Der deutsch-spanische Turbinenhersteller Siemens Gamesa baut weltweit 2900 Stellen ab. Das gab der Windenergie-Konzern am Donnerstag bekannt. Die meisten Arbeitsplätze fallen in Dänemark (800), Deutschland (300) und Spanien (475) weg.

„So eine Entscheidung ist nie einfach, aber jetzt ist die Zeit, um mit nötigen Aktionen das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, damit es eine nachhaltige Zukunft hat“, rechtfertigt Siemens-Gamesa-CEO Jochen Eickholt den drastischen Schritt. Das Sparprogramm ist Teil der sogenannten „Mistral-Strategie“, die den kriselnden Windkonzern wieder auf Kurs bringen soll.

Durch die Rekordpreise für Rohstoffe, das Lieferkettenchaos und interne Probleme spitzt sich die Lage immer weiter zu. Dass es in der Folge zu einem größeren Stellenabbau kommen würde, hatte Eickholt bereits in einem Handelsblatt-Interview im Juni angekündigt

Windkraftanlagen: Marktführer Siemens Gamesa schrieb zuletzt rote Zahlen

Obwohl Siemens Gamesa einer der größten Windenergie-Hersteller der Welt ist, auf dem Meer sogar Marktführer, laufen die Geschäfte schlecht. Die Bilanz der letzten sechs Jahre: mehrere Gewinnwarnungen, rote Zahlen und vier Chefs. Zuletzt hatte der Sanierungsspezialist Eickholt im März Andreas Nauen abgelöst.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Erst Anfang August musste der Turbinenhersteller seine Gewinnprognose erneut senken. „Die Lage bleibt angespannt. Wir sehen, dass die Materialkosten weiter nach oben gehen, und gleichzeitig haben wir langfristige Verträge, die 2021 mit deutlich niedrigeren Preisen geschlossen wurden“, so Konzernchef Eickholt damals.

    Ein Problem von vielen ist die Krise auf dem Weltmarkt für Windkraft. Auch Marktführer Vestas und Konkurrenten wie Nordex, Enercon und GE Renewables schreiben seit Monaten Verluste. Und das nicht erst, seit Rekordrohstoffpreise, Lieferkettenchaos und der Ukrainekrieg das Geschäft belasten.

    Windenergie boomt, doch die Kosten sind stark gestiegen

    Seit Jahren herrscht auf dem Markt ein harter Preiskampf. Vor allem die Umstellung von festen staatlichen Vergütungen auf freie Ausschreibungssysteme, in denen nur noch der Günstigste den Zuschlag bekommt, hat die Turbinenhersteller in einen ruinösen Wettbewerb getrieben.

    Darüber hinaus ist der deutsche Markt, einer der Hauptabsatzmärkte, in den vergangenen Jahren eingebrochen. Im ersten Halbjahr wurden gerade mal etwas über 230 Windräder neu aufgestellt. 

    Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck machte dafür vor allem die Bundesländer verantwortlich und rief auf dem Branchentreff „Wind Energy“ in Hamburg diese Woche zu mehr Tempo beim Windausbau auf. Die Bundesländer könnten nicht so weitermachen wie bisher, das sei „nicht akzeptabel“, so der Grünen-Politiker. 

    Mehr zum Thema Windenergie und Windkraftanlage:

    In Deutschland fehlen zehn Gigawatt Windkraft-Kapazität

    In Deutschland gebe es derzeit knapp 47 Gigawatt Windkraftkapazität an Land, im vergangenen Jahr seien allerdings nur zwei Gigawatt neu installiert worden. Nötig wären aber zehn Gigawatt, um das Ziel von 80 Prozent Erneuerbaren bis 2030 zu erreichen – genau jene zehn Gigawatt Kapazitäten, die sich derzeit im Genehmigungsverfahren der Länder befänden, kritisierte Habeck. 

    Die deutsche Windbranche legte derweil eine „Hamburger Erklärung zur Reaktion auf die Energie- und die Klimakrise“ vor. Darin fordert sie unter anderem, dass die Politik erneuerbare Energien in den Mittelpunkt stellen, die Genehmigungsverfahren vereinfachen und die Digitalisierung der Genehmigungen vorantreiben müsse.

    Hören Sie hier unseren Podcast: Droht uns im Winter ein Blackout?

    Nordex wie auch Siemens Gamesa macht jedoch vor allem zu schaffen, dass sie ihre gefüllten Auftragsbücher gar nicht schnell genug und vor allem nicht zu aktuellen Kosten abarbeiten können. Während die Rohstoff- und Logistikkosten massiv gestiegen sind, müssen Turbinen zum vertraglich vereinbarten Preis geliefert werden. 

    Zwar verhandelt die Branche in aktuellen Verträgen neu, doch es dauert, die höheren Preise durchzusetzen. Und das, obwohl die Nachfrage nach Windkraft boomt: 2021 war das zweitbeste Jahr in der Geschichte der globalen Windenergie.

    Erstpublikation: 29.09.2022, 14:07 Uhr.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×