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14.05.2019

01:00

World Energy Investment Report

Seit 2004 hat die Welt noch nie so wenig in Kohlestrom investiert

Von: Kathrin Witsch

Das meiste Geld geht seit Jahren nicht mehr in den Öl- und Gas-Sektor, sondern in den Strombereich. Die Investitionen in Erneuerbare Energien müssten steigen.

Die Internationale Energieagentur warnt: Es muss viel mehr Geld in Erneuerbare gesteckt werden.  dpa

Investitionen

Die Internationale Energieagentur warnt: Es muss viel mehr Geld in Erneuerbare gesteckt werden. 

Düsseldorf 30 Jahre lang konnte man sich auf eines immer verlassen: Das meiste Geld im Energiesektor fließt in die Multimilliarden-Branche der Ölindustrie. Seit drei Jahren allerdings ist nicht mehr die fossile Industrie die Nummer eins bei Investments in der Energiewelt, sondern der Stromsektor. Die Energiewelt ist mitten im Umbruch – und zwar nicht nur in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt der neue World Energy Investment Report der Internationalen Energieagentur (IEA).

Während die Gesamtinvestitionen im Energiebereich mit 1,85 Billionen US-Dollar in etwa auf Vorjahresniveau bleiben, klettern die Geldanlagen im Öko-Sektor auf mehr als 300 Milliarden Dollar. Zwar sind die tatsächlichen Investitionen in Erneuerbare Energien 2018 leicht zurückgegangen, gleichzeitig sind allerdings die Kosten für Solarenergie, Windkraft und Co. rapide gesunken. Legt man das Preisniveau von 2018 auf die vergangenen Jahre um, sind die Investitionen in grüne Energien laut den Autoren der Studie seit 2010 um 55 Prozent gewachsen.

Und trotzdem ist es nicht genug, warnt IEA-Chef Fatih Birol. „Die wachsende Weltbevölkerung verbraucht immer mehr Elektrizität – so viel, dass die Stromnachfrage 2018 fast doppelt so schnell gewachsen ist wie der Gesamtenergiebedarf“, sagt Birol.

Experten erwarten, dass die weltweite Energienachfrage mit dem Wirtschaftswachstum in Schwellenländern wie Asien, Afrika und Indien in den kommenden zwei Jahrzehnten stark steigen wird. So soll die globale Nachfrage 2040 um mindestens ein Viertel höher liegen als heute.

Und das will was heißen. Immerhin wuchs der Energiebedarf im vergangenen Jahr mit 2,3 Prozent schon so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Und auch die Treibhausgas-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Kraftstoffe haben 2018 einen neuen Rekord erreicht. Öl, Kohle, Gas und andere Brennstoffe setzten insgesamt 33,1 Gigatonnen CO₂ in die Atmosphäre frei.

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„Wenn wir unseren wachsenden Energiebedarf decken und gleichzeitig die Klimaziele erreichen wollen, müssen sich die Investitionen in Erneuerbare mindestens verdoppeln“, warnt Birol. So seien Geldanlagen in Kohlekraftwerke zwar seit 2015 zurückgegangen, weil China und Indien in den vergangenen Jahren weniger Geld in den Bau neuer Kraftwerke des schmutzigen Energieträgers gesteckt haben.

Aber Zwei Drittel der weltweiten Kohlekraftwerke befänden sich schon jetzt in Asien. „Viele davon sind erst zehn Jahre alt und anders als in einigen europäischen Ländern, gibt es hier keine Ambitionen aus der Kohle auszusteigen“, so Birol.

Außerdem steckt die Volkrepublik zwar weniger Geld in den Ausbau im eigenen Land. Dafür verkauft sie laut dem US-Forschungsinstitut für Energiewirtschaft IEEFA Kraftwerke ins Ausland. Demnach stehen hinter einem Viertel der Kohlekraftwerke, die derzeit außerhalb der Volksrepublik geplant oder gebaut werden, staatliche chinesische Finanzinstitutionen oder Unternehmen.

Weltweit ist die Kohle für 40 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Dennoch stecken chinesische Banken und Investoren der IEEFA zufolge 18,5 Milliarden Euro in Kohlekraftwerke für 31 Gigawatt in einem Dutzend Länder. Geplant sind demnach weitere Investitionen in Höhe von 13,2 Milliarden Euro für zusätzliche 71 Gigawatt in 24 Ländern.

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Derzeit sind laut der Datenbank Global Coal Plant Tracker knapp 2500 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von mindestens 30 Megawatt in Betrieb, die zusammen etwa 2000 Gigawatt produzieren können. „Und genau diese 2000 Gigawatt sind noch für mindestens 40 Jahre ein großes Problem“, sagt auch IEA-Chef Birol.

China mag auf der einen Seite zwar das Kohleland Nummer eins sein, gleichzeitig gibt es kein Land auf der Welt, dass so viel Geld in den Ausbau Erneuerbarer Energien pumpt. Von 370 Milliarden Dollar Gesamtinvestitionen in den Energiebereich, gingen 100 Milliarden auf das Konto der grünen Energien. Auch in Indien sind die Investitionen in grüne Energien stark gestiegen.

„Aber das reicht nicht“, mahnt der IEA-Chef. Immer noch gehe nur ein Drittel der weltweiten Investitionen im Energiesektor in den Low-Carbon-Bereich. Zwei Drittel hingegen in Öl, Gas und Kohle. „Es müsste aber genau andersrum sein.“

Ein gutes Beispiel sei da der Stromsektor. Hier nehmen die Investitionen in fossile Energieträger kontinuierlich ab, und die Finanzkraft verlagert sich hin zu den Erneuerbaren Energien. So wurden 2018 knapp 140 Milliarden Dollar weltweit in Solarkraft investiert, aber nur noch etwas mehr als 50 Milliarden Dollar in Kohlestrom. Seit 2004 hat die Welt noch nie weniger Geld in Strom aus Kohle investiert. Und Indien hat im vergangenen Jahr sogar erstmals mehr Geld in grüne Energien als in Kohle gesteckt.

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Natürlich bringen all die Investitionen nur geringfügige Verbesserung, wenn das fehlende Geld im Netzausbau und bei der Energieeffizienz nicht bald nachgelegt wird. Hier stagnieren die Investitionen seit drei Jahren auf dem gleichen Niveau. „Auch hier gibt es massiven Nachholbedarf. Vor allem müssen viele Länder erst einmal überhaupt festgelegte Standards für die Energieeffizienz bei Häusern, Wohnungen und Gebäuden einführen“, empfiehlt Birol.

Erfreulich sei hingegen das Wachstum im Bereich der Elektromobilität. Hier habe es im vergangenen Jahr einen Anstieg um 70 Prozent gegeben, so dass mittlerweile immerhin fünf Millionen strombetriebene Autos auf der Welt unterwegs sind – die meisten davon auf chinesischen Straßen (über eine Million PKW). Hier geht die Zahl der neu zugelassenen Autos insgesamt zwar zurück, die der E-Autos aber steigt. Danach kommen die USA (385.000) und Europa (360.000).

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