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13.11.2018

01:00

World Energy Outlook: CO2-Emissionen steigen auf ein Rekordhoch  dpa

Kohlekraftwerk und Windräder

In ihrem jährlichen World Energy Outlook entwirft die IEA ein Szenario für die Energiewelt von morgen. 

World Energy Outlook

CO2-Emissionen steigen weltweit auf ein Rekordhoch

Von: Kathrin Witsch

Wie entwickelt sich der Energiehunger der Welt, wer kann ihn stillen und was bedeutet das für den Klimawandel? Antworten gibt der Ausblick der Internationalen Energieagentur IEA.

Düsseldorf Co2-Zertifikate, Elektroautos, Stromspeicher – es ist viel passiert in Sachen Energiewende. Und doch scheint die Anstrengung der vergangenen Jahre kaum etwas zu verändern

Im Gegenteil: Zum ersten Mal seit drei Jahren stiegen die weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2017 wieder, um 1,6 Prozent und damit auf ein Rekordhoch. Dieses Jahr werden sie weiter steigen, warnt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jährlichen „World Energy Outlook“.

Denn die weltweite Energienachfrage wird in den kommenden zwei Jahrzehnten ebenfalls stark steigen - vor allem in Asien. Demnach wird die globale Nachfrage 2040 um mindestens ein Viertel höher liegen als heute. Aber die Pariser Klimaexperten haben nicht nur schlechte Neuigkeiten. 

Denn auch wenn es angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht so aussieht – die globale Energiewelt befindet sich mitten im Umbruch. Diese fünf Trends stechen besonders hervor.

1. Ein global vernetzter Gasmarkt

Gas wird in der Energiewelt der Zukunft immer wichtiger. Die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger steigt laut Berechnungen der IEA in den kommenden 20 Jahren um 45 Prozent.

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Besonders getrieben wird diese Entwicklung von dem schnell wachsenden Handel mit Flüssigerdgas, auch Liquefied Natural Gas (LNG) genannt. 

Erdgas wird auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt, sodass es flüssig wird und nur noch ein Sechshundertstel seines ursprünglichen Volumens hat. So kann es in großen Mengen auch über weite Strecken transportiert werden. In den LNG-Terminals wird das flüssige Erdgas nach dem Transport dann wieder in seinen Urzustand versetzt und über das bestehende Pipeline-System verteilt.

Weltweit laufen immer noch weit mehr als die Hälfte des Gashandels über Ländergrenzen hinweg via Pipeline. Schon 2040 aber, prognostiziert die IEA, wird Gas bis zu 60 Prozent in Form von LNG verteilt. 

Länder müssen also nicht mehr über Rohre verbunden sein, um Gas zu handeln. Das sorgt für mehr Vielfalt auf dem Gasmarkt und zu einer globalen Vernetzung über Kontinente hinweg. 

Der größte Importeur der Zukunft wird laut den Pariser Energieexperten China, wo sich die Gasnachfrage bis 2040 verdreifacht. Auch um die Hauptenergiequelle des Landes, Kohle, schrittweise zu ersetzen. 

Der britische Ölkonzern BP geht in seinem aktuellen Energy-Outlook sogar davon aus, dass Gas in den nächsten 20 Jahren nach den Erneuerbaren die am schnellsten wachsende Energiequelle ist. Und das liegt vor allem an LNG.

2. Kohle verliert an Bedeutung

Getrieben von einer globalen Politik hin zu einer CO2-ärmeren Welt, steht vor allem der Energieträger Kohle stark unter Druck. Selbst in China, dem Kohleland Nummer eins, sinkt die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger bis 2040 um 15 Prozent. Aber auch Europa ( - 65 Prozent) und die USA (- 30 Prozent) arbeiten auf eine Zukunft ohne Stein- und Braunkohle hin. 

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Nur Indien (+ 120 Prozent) und Südostasien (+ 120 Prozent) werden auch mittelfristig noch einen großen Teil ihres rasant steigenden Energiehungers in Form von Kohle decken, und bewahren das Grubengold vor dem verschwinden auf dem Energiemarkt. Auch wenn Indien massiv an dem Ausbau Erneuerbarer Energien in seinem Land arbeitet, bleibt Kohle also zunächst der wichtigste Energieträger. 

3. Der Ölmarkt im Wandel

Obwohl die weltweite Ölnachfrage ab 2030 stagniert, bleibt das schwarze Gold eine unverzichtbare Energiequelle. Die könnte sogar in vier Jahren kurzfristig etwas knapp werden, weil die Ölindustrie nach der Krise nicht genug in Förderanlagen investiert hat. Die daraus folgende vorübergehende Verknappung dürfte dann auch die Preise von Benzin und Diesel weiter stark nach oben treiben.

Langfristig gehen die IEA-Experten aber davon aus, dass allein die USA mit ihrem Schieferöl Dreiviertel des weltweiten Verbrauchs decken werden. 

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Der Bevölkerungsboom in China macht Peking nicht nur zum führenden Gasimporteur, sondern auch zum Hauptölabnehmer, noch vor den USA. Das größte Wachstum verzeichnet der Petrochemie-Sektor. Grund dafür ist der steigende Plastikkonsum der Weltbevölkerung. Die Opec-Staaten gehen in ihrem World Oil Outlook davon aus, dass der Tagesbedarf der Petrochemie von heute zwölf Millionen Barrel Öl pro Tag auf fast 17 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2040 ansteigt.

In Zukunft ist der wichtigste Wachstumstreiber bei der Ölnachfrage also nicht mehr der Verkehrssektor, sondern die Industrie.

4. Erneuerbare auf dem Vormarsch 

Im Bereich Erneuerbare sind die Experten aus Paris deutlich optimistischer als einige ihrer Kollegen. 45 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs sollen demnach 2040 schon durch erneuerbare Quellen gestillt werden. Zum Vergleich: Die Experten des renommierten BP Energy Outlooks rechnen im selben Zeitraum mit 25 Prozent grünem Anteil am Gesamtenergieverbrauch. 

Einig sind sich aber auch heute schon alle darin, dass China eine führende Rolle im Bereich erneuerbare Energien spielen wird. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt schon heute mehr Geld als jede andere Nation in den Ausbau grüner Technologien. Laut dem McKinsey Global Institute sind es jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar und damit mehr als die USA und Europa zusammen.

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Weltweit gehen die Autoren des World Energy Outlook davon aus, dass Erneuerbare den Energieträger Kohle im Strombereich noch in den 2020ern überholen werden. Wichtig zum Erreichen dieses Ziels sei vor allem die steigende Energieeffizienz in den Bereichen Verkehr und Wärme. 

5. Das Erreichen der Klimaziele 

Der weltweite Wirtschaftsaufschwung hat die Schadstoffemissionen in Rekordhöhen getrieben. Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) im Zuge der wachsenden Energienachfrage rund um den Globus um 1,6 Prozent und erreichte das höchste Niveau aller Zeiten – Tendenz steigend. 

Die Autoren der IEA-Studie warnen: „Das ist großes gemeinschaftliches Versagen, in dem Versuch die Klimafolgen des weltweiten Energiekonsums zu bewältigen“.

Die CO2-Emissionen legten in den meisten großen Volkswirtschaften zu. Ausnahmen waren Mexiko, Japan, Großbritannien und insbesondere die USA, wo es dank des verstärkten Beitrags erneuerbarer Energien den größten Rückgang gab.

Die globale Energienachfrage nahm 2017 um zwei Prozent zu. Der Anstieg war damit mehr als doppelt so hoch wie im Schnitt der vergangenen Jahre.

„Wir sind weit entfernt von einem erreichen der in Paris vereinbarten Klimaziele“, warnt die IEA. 

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Fazit

Der globale Energiesektor ordnet sich neu. Von der zunehmenden Elektrifizierung grüner Energien, über Umwälzungen in der Erdölförderung bis hin zur Globalisierung der Erdgasmärkte.

Die höchste Energie-Nachfrage wird in Zukunft nicht mehr aus den Industriestaaten kommen, die ihren Verbrauch stetig senken, sondern aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien, Asien und Afrika, die durch starkes Wirtschaftswachstum und eine steigende Bevölkerungszahl bald mehr Gas, Kohle und Atomkraft verbrauchen als Europa.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (2)

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Herr Max Blöchl

13.11.2018, 12:07 Uhr

Warum kommt der Einsatz von Kernenergie in dieser Analyse nicht vor? Gerade China scheint ja diese massiv zu fördern und für die Schwellenländer einsetzbar zuz machen.

Herr Hatto Graf

13.11.2018, 13:20 Uhr

wenn C02 steigt, steigt in gleichem Mas auch der Wasserdampf an. Beim Verbrennungsvorgang wird immer ein C02 und ein H20 gebildet auch bei der Atmung. Und der Wasserdampf ist zu 2 Drittel für die Klimaerwärmung zuständig. Natürliches Treibhausgas nennt sich das. Ich frage mich, warum an dem fraglichen 1 Drittel, dem C02 herumspekuliert wird, und nicht an dem Faktor 1 dem Wasserdampf, der sicher für unser Klima verantwortlich ist? Ohne Wasserdampf in der Atmosphäre wäre es saukalt.

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