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14.11.2022

11:58

Energiekrise in Europa

Rechnet sich die Elektroheizung jetzt?

Von: Anja Holtschneider

Heizlüfter, Ölradiator, Heizstrahler: In der Energiekrise interessieren sich Verbraucher zunehmend für Elektroheizungen. Doch taugt Heizen mit Strom wirklich als Gas-Alternative?

Elektroheizung: Könnte das die Gas-Alternative sein? dpa

Elektrischer Heizlüfter

30 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, diesen Winter eine Elektroheizung zu kaufen.

Düsseldorf Die Energiekrise schürt die Angst der Deutschen vor kalten Wohnungen. Um Gas und damit Kosten zu sparen, denken nun immer mehr Verbraucher über Elektroheizungen nach, wie eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox zeigt: Elf Prozent der befragten Haushalte planen demnach den Kauf von Heizlüftern, Radiatoren oder Heizstrahlern. 19 Prozent denken darüber nach. Befragt wurden Menschen zwischen 18 und 69 Jahren.

Jeder Zehnte hat sich sogar schon eine zusätzliche elektrische Heizung gekauft. Doch lohnen sich Elektroheizungen wirklich? Der Überblick.

Das Grundprinzip ist bei allen Elektroheizungen gleich: Sie wandeln Strom in Wärme um. Das geschieht meist über einen Heizleiter, der sich durch den Strom erwärmt und diese Wärme abgibt. Ein Heizlüfter saugt wie ein Föhn kalte Luft ein, erwärmt diese und gibt sie wieder ab.

Heizstrahler, Heizlüfter, Radiatoren: Wie funktioniert eine Elektroheizung?

Nein, elektrische Heizungen sind keine Alternative. Es ist immer günstiger, mit Öl oder Gas zu heizen, als mit Strom. Denn Gas ist ein Primärrohstoff und kann direkt verbrannt werden, während für Strom erst Energie umgewandelt werden muss.

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    Der höhere Aufwand zeigt sich auch an den Preisen. Im ersten Halbjahr 2022 hat eine Kilowattstunde Strom durchschnittlich knapp 40 Cent gekostet, zeigen Daten des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft. Für eine Kilowattstunde Erdgas mussten Verbraucher hingegen nur rund 14 Cent bezahlen.

    Sind Elektroheizungen wie Heizlüfter eine Alternative zu Gas?

    Was das in der Praxis bedeuten kann, zeigt ein Rechenbeispiel. Wenn eine 80 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung jährlich durchschnittlich 8000 kWh Energie verbraucht, kostete das im vergangenen Jahr mit der Gasheizung rund 700 Euro, rechnet Martin Brandis, Experte bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale, vor. Durch die erhöhten Gaspreise steigen die Kosten auf voraussichtlich 1400 Euro.

    „Würde man die ganze Wohnung mit Elektroheizungen beheizen, würden sich bei einem Preis von 35 Cent pro kWh Kosten in Höhe von 2800 Euro ergeben“, sagt Brandis. Geld spare man durch eine Elektroheizung nicht.

    Wann lohnen sich Elektroheizungen?

    Elektroheizungen sind für Räume interessant, die nur gelegentlich erwärmt werden sollen, so Brandis. „Es ist nicht ratsam, die ganze Wohnung damit zu heizen.“ Grund dafür sind vor allem die hohen Kosten, die dadurch entstehen.

    Können zu viele Elektroheizungen das Stromnetz belasten?

    Experten befürchten eine Überlastung des Stromnetzes durch zu viele Elektroheizungen und Heizlüfter. Unsere Stromversorgung sei nicht auf eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung ausgerichtet, warnen der Elektrotechnikverband VDE und der Gaswirtschaftsverband DVGW. Problematisch sei auch, dass Netzbetreiber elektrische Heizungen im Notfall nicht abschalten können – im Gegensatz zu Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen.

    Mehr zu Heizung, Heizkosten und Gasheizung:

    Auch die Verbraucherzentrale rät davon ab. Wer weniger Gas verbrauchen möchte, sollte besser seine Heizung optimieren lassen. „Viele Gasheizungen arbeiten schlecht“, sagt Energieexperte Brandis. Durch eine Optimierung der Heizung könnten Verbraucher Gas sparen, häufig sogar ohne Komfortverlust.

    Notfallplan Gas: Wird im Falle eines Gasstopps die Heizung abgestellt?

    Selbst wenn Russland die Gaslieferungen komplett einstellt, bleiben die Wohnungen warm. Ruft die Bundesregierung Stufe drei des Notfallplans aus, bekommen Verbraucher weiterhin Gas. Denn Privathaushalte sind genauso wie wichtige Infrastruktur besonders geschützt.

    Zudem füllten sich die deutschen Gasspeicher zuletzt schneller als gedacht. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt derzeit bei 88,49 Prozent (Stand: 14. September 2022), zeigen Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber. Damit ist das erste Zwischenziel einer neuen Verordnung erreicht: Bis zum 1. September müssen die Speicher zu mindestens 75 Prozent voll sein, bis zum 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent und am 1. November zu mindestens 95 Prozent.

    Erstpublikation: 16.08.2022, 11:58 Uhr.

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