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14.01.2022

08:58

Energietechnik

„Das Jahrzehnt der Wärmepumpe“: Stiebel Eltron peilt zeitnah Umsatzmilliarde an

Von: Axel Höpner

Während der Pandemie schafften sich viele Haushalte eine neue Wärmepumpe an. Im Kampf gegen den Klimawandel dürfte der Trend anhalten. Stiebel Eltron schafft 400 Arbeitsplätze.

Der Geschäftsführer von Stiebel Eltron will zum Firmenjubiläum 2024 die Umsatzmilliarde knacken. Stiebel Eltron

Nicholas Matten

Der Geschäftsführer von Stiebel Eltron will zum Firmenjubiläum 2024 die Umsatzmilliarde knacken.

München Der Gebäudesektor spielt beim Kampf gegen den Klimawandel eine zentrale Rolle. Auf Häuser entfallen laut Umweltbundesamt in Deutschland rund 30 Prozent der CO2-Emissionen – und die Heizung im Haushalt ist der mit Abstand größte Verursacher von Kohlendioxid.

So sehen sich die Hersteller von Wärmepumpen als Gewinner der Energiewende. „Während der Pandemie konnten die Menschen weniger reisen und einkaufen“, sagte Nicholas Matten, Geschäftsführer bei Stiebel Eltron, dem Handelsblatt. „Da haben viele in eine effizientere und klimafreundliche Heizanlage investiert.“

Die Folge: Der Umsatz des Familienunternehmens ist in diesem Jahr prozentual zweistellig von 705 auf erstmals mehr als 800 Millionen Euro gestiegen. „Wir wollen das Wachstum sogar eher noch beschleunigen“, sagte Matten, „wir stehen vor einem Jahrzehnt der Wärmepumpe.“

Ohne die weltweite Komponenten- und Rohstoffknappheit hätte Stiebel Eltron in diesem Jahr sogar noch mehr verkaufen können. Spätestens 2024, wenn das Unternehmen 100 Jahre alt wird, sollte die Umsatzmilliarde geknackt werden.

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    Stiebel Eltron ist einer der führenden europäischen Anbieter von Wärmepumpen. Diese beziehen etwa drei Viertel der Wärmeenergie aus Luft, Wasser oder Erde. Mithilfe von Strom wird die Wärmeenergie auf ein für Heizzwecke nötiges Temperaturniveau gebracht. Auf den Einsatz fossiler Energieträger wie Gas oder Öl kann verzichtet werden.

    Daher sind Wärmepumpen nach Einschätzung von Anbietern wie Stiebel Eltron oder Viessmann klimafreundlich – vor allem, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

    „Das Thema Klimawandel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Matten. Andere Märkte wie Großbritannien, Italien und China seien sogar schon weiter als Deutschland.

    Für die Nutzer spielen damit aber die Stromkosten eine zentrale Rolle. „Der im Koalitionsvertrag beschlossene Schritt, die EEG-Umlage ab Januar 2023 abzuschaffen, ist der richtige Ansatz, um das volle Potenzial von Greentech in Deutschland zu entfesseln“, sagte Matten.

    Stiebel Eltron befürchtet keine Stromlücke

    Eine Stromlücke befürchtet der Konzern nicht, auch wenn der Strombedarf laut Experten in den nächsten Jahren steigen wird. Es sei effizienter, Gas in Kraftwerken in Strom zu verwandeln, als es zu verheizen, so Matten.

    Im Koalitionsvertrag heißt es, der Bruttostrombedarf des Jahres 2030 werde sich in einer Spanne zwischen 680 und 750 Terawattstunden (TWh) bewegen. Zum Vergleich: 2020 betrug der Bruttostromverbrauch in der Bundesrepublik 545 TWh.

    Die neue Bundesregierung hatte zudem angekündigt, dass bis 2030 rund 80 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen sollen. Zugleich soll 2030 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gegangen sein. Durch den höheren Anteil von Erneuerbaren verbessert sich die CO2-Bilanz von Wärmepumpen weiter.

    Nach Einschätzung der Energieberatung des Verbraucherzentrale Bundesverbands sind Wärmepumpen sinnvoll, wenn das Gebäude zum Beispiel durch Dämmung und moderne Fenster einen guten Wärmeschutz besitzt. Im Idealfall gibt es eine Fußboden- oder Wandheizung und Ökostrom. „Dann stellen Wärmepumpen eine der wenigen CO2-neutralen Heizmöglichkeiten dar.“

    Mithilfe von Strom wird die Wärmeenergie auf das nötige Temperaturniveau gebracht. Auf den Einsatz fossiler Energieträger wie Gas oder Öl kann verzichtet werden. Stiebel Eltron

    Wärmepumpenheizung von Stiebel Eltron

    Mithilfe von Strom wird die Wärmeenergie auf das nötige Temperaturniveau gebracht. Auf den Einsatz fossiler Energieträger wie Gas oder Öl kann verzichtet werden.

    Inzwischen ist es auch möglich, in Altbauten auf Wärmepumpen umzustellen. Bei Austausch gegen eine alte Gasheizung gebe es bis zu 35 Prozent der Kosten für Anschaffung, Einbau sowie hydraulischen Abgleich vom Staat, heißt es bei Viessmann. Ersetze die Luft-Wasser-Wärmepumpe eine alte Ölheizung, erhöhe sich der Fördersatz auf 45 Prozent. Mit einem Zusatzbonus könne so die Hälfte der Kosten erstattet werden.

    Nachholbedarf gibt es. Laut dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks sind 53 Prozent der rund 21 Millionen installierten Heizungen technisch veraltet und unzureichend effizient. Lediglich 21 Prozent der Anlagen seien auf dem neuesten Stand der Technik und koppelten gleichzeitig erneuerbare Energien ein.

    Die gesamte Branche verspürte zuletzt in Deutschland eine stark anziehende Nachfrage. Laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie dürfte der Absatz von Heizungswärmepumpen in diesem Jahr um etwa 30 Prozent auf 156.000 Stück gestiegen sein.

    Wärmepumpen-Produktion in Deutschland sehr effizient

    Damit fiel der Zuwachs deutlich stärker aus als bei Gas- und Ölheizungen. Hier stieg der Absatz laut Hochrechnung um sechs beziehungsweise zwei Prozent. Nur Biomasseheizungen legten mit einem Plus von 33 Prozent auf 72.000 noch etwas stärker zu. Das lag vor allem an der großen Nachfrage nach Pellet-Lösungen.

    Bei den Wärmepumpen rechnen Experten mit einer weiter hohen Nachfrage. Stiebel Eltron bereitet sich auf den erwarteten Boom vor und baut seine Produktionskapazitäten massiv aus. Die Produktion am Hauptsitz im niedersächsischen Holzminden soll bis 2026 verdoppelt werden. Dazu investiert Stiebel Eltron 120 Millionen Euro in die Wärmepumpenfertigung und stellt 400 zusätzliche Mitarbeiter ein.

    Der Produktionsstandort Deutschland habe viele Stärken, sagte Geschäftsführer Matten. „Wir haben hier exzellente Ingenieure.“ Er denke zudem nicht in Lohnkosten, sondern in Lohnstückkosten. In Deutschland könne sehr effizient produziert werden. Der Konzern investiere aber auch in den Ausbau der Produktion zum Beispiel in Schweden und Thailand.

    Stiebel Eltron wurde 1924 gegründet. Firmengründer Thomas Stiebel erfand in Berlin den Ringtauchsieder und baute dort das erste Werk auf. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Nach dem Krieg siedelte sich das Unternehmen in Holzminden an.

    Neben Wärmepumpen bietet Stiebel Eltron heute mit seinen 4000 Mitarbeitern unter anderem auch Warmwassergeräte, Lüftungsanlagen und Raumheizer an. Das Unternehmen gehört heute je zur Hälfte Frank Stiebel, Sohn des Firmengründers, und der Stiebel Familienstiftung.

    Für die kommenden Jahre ist Matten zuversichtlich: „Wir sind bereits da, wo für viele die Reise hingeht.“ Stiebel Eltron sei eine Art „Tesla der Heizungsbranche“. Der US-Autobauer habe von Anfang an auf die Elektromobilität gesetzt und so einen Startvorteil, während die traditionellen Hersteller die Transformation erst noch bewältigen müssen.

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