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28.04.2017

15:27 Uhr

Ferienwohnungsverbot

Geschäftsmann statt Tourist

Wohnungen für Einheimische statt für Touristen – dafür kämpfen mehrere Großstädte. Das Beispiel Berlin zeigt, wie schwierig es ist, weil Vermieter Auswege finden und Streitigkeiten nicht scheuen.

Statt Unterkünfte für Touristen anzubieten, sind nun Geschäftsleute das neue Klientel. dpa

Ferienwohnung

Statt Unterkünfte für Touristen anzubieten, sind nun Geschäftsleute das neue Klientel.

BerlinEs ist alles da. Wer hier einzieht, muss weder Sofa noch Bett, nicht mal Mikrowelle, Fernseher oder Handtücher mitbringen. 70 Quadratmeter hat die Wohnung, sie kostet 1870 Euro im Monat. Das ist viel, selbst für ein Berliner In-Viertel, für Balkon und Parkett.

Im vergangenen Jahr schossen in der Hauptstadt viele solcher möblierten Wohnungen auf den Mietmarkt. Nicht nur, weil man damit gutes Geld verdient – denn immer mehr Geschäftsleute mit großem Budget suchen schicke Wohnungen auf Zeit. Vermieter umgehen damit auch ein Gesetz. Viele Apartments waren früher Ferienwohnungen, die in Berliner Wohnhäusern seit einem Jahr verboten sind.

Ferienwohnungsverbote gibt es auch in Hamburg, München, Freiburg oder Köln, allerdings lange nicht so streng wie seit Mai 2016 in Berlin. Seitdem dürfen normale Wohnungen in der Hauptstadt nur noch mit Genehmigung als Ferienwohnung, Arztpraxis oder Anwaltskanzlei genutzt werden. Berlin kämpft so gegen eine steigende Wohnungsknappheit in der Innenstadt. Denn die Stadt ist ein Touristenmagnet. Die Zahl der Übernachtungen hat sich seit 2000 mehr als verdreifacht. Weil sich viele Gäste gern dort einquartieren, wo sonst Berliner Mieter leben, drohen Verdrängung und steigende Mieten.

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Dagegen wollte die Landesregierung vorgehen. Ihr Verbot zeigt nach einem Jahr allerdings nur minimale Erfolge. Knapp 2600 ehemalige Ferienwohnungen sind nach Zahlen des rot-rot-grünen Senats wieder auf dem Wohnmarkt. Das ist ein Bruchteil der geschätzt 12.000 Ferienwohnungen in der Stadt.

Viele Vermieter haben ein Schlupfloch gefunden. „Sie vermieten jetzt einfach monatsweise“, erläutert die Vorsitzende des Interessenvereins der Berliner Privatvermieter, Winnie Wendt. Möblierte Wohnungen auf Zeit sind erlaubt – und nicht einmal von der in Berlin sonst gewinnlimitierenden Mietpreisbremse betroffen.

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