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30.03.2022

08:00

Firmenbilanzen

Dax-Konzerne haben 2021 so viel verdient wie nie zuvor

Von: Ulf Sommer

Trotz Pandemie und Lieferengpässen haben die Unternehmen ein Rekordjahr verbucht. Für das laufende Jahr sind die Aussichten ungewiss.

Mercedes-Benz Daimler AG

Mercedes-Produktion in Sindelfingen

Der Autobauer hat im abgelaufenen Jahr 23 Milliarden Euro verdient – mehr als jeder andere Dax-Konzern.

Düsseldorf Die deutsche Wirtschaft steht vor einem schwierigen Jahr. Mit dem Krieg in der Ukraine sei „ein neues Stadium der Unsicherheit und der geopolitischen Konfrontation erreicht worden, das alle bisherigen Konjunkturprognosen zu Makulatur werden lässt“, sagte Henrik Ahlers, Deutschlandchef der Unternehmensberatung EY, am Dienstag. Da hatte mit dem VW-Mutterkonzern Porsche SE der vorletzte Dax-Konzern seine Bilanz für das abgelaufene Jahr präsentiert.

In diese unsicheren Zeiten gehen die großen deutschen börsennotierten Unternehmen jedoch stark wie nie: 128,5 Milliarden Euro haben die 40 Dax-Konzerne 2021 nach Handelsblatt-Berechnungen netto verdient – nach 45,6 Milliarden Euro im Jahr davor.

Das ist so viel wie noch nie – und resultiert nicht allein aus der Aufstockung des Leitindexes im vergangenen September. Die zehn Neuen trugen zusammen lediglich 6,7 Milliarden Euro zum Gesamtgewinn bei. Bisheriges Rekordjahr war 2017 mit knapp 94 Milliarden Euro.

Für die meisten Unternehmen war 2021 ein Ausnahmejahr. 28 der 40 Dax-Konzerne verdienten netto eine Milliarde Euro oder mehr, am meisten Mercedes-Benz mit 23 Milliarden Euro, gefolgt von Volkswagen mit gut 15 und BMW mit 12,4 Milliarden Euro. Die drei Autobauer stehen damit für knapp 40 Prozent des Gesamtgewinns der 40 Konzerne. Einmal mehr unterstreicht das die Bedeutung der Autoindustrie für den Gesamtindex.

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    Mit Ausnahme der von Siemens abgespaltenen Sparte Siemens Energy und Delivery Hero erwirtschafteten alle übrigen Konzerne schwarze Zahlen. Im Vorjahr hatten sieben Unternehmen Verluste gemacht. Der seit Jahren defizitäre Essenslieferant Delivery Hero veröffentlicht seinen Jahresbericht erst Ende April und dürfte voraussichtlich einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Euro einfahren. Dieser ist in der Gesamtberechnung enthalten.

    Grafik

    Die starke Verfassung ist bemerkenswert, denn seit dem Frühjahr 2020 belasten die Folgen der Pandemie die Unternehmen. Seit zwei Jahren müssen sie immer wieder auf unterbrochene Lieferketten und steigende Materialkosten reagieren. So sorgten Lockdowns in China mehrfach für einen kompletten Produktions- und Transportstillstand von Waren, die weltweit geordert werden. Aktuell trifft es die Wirtschaftsmetropole Schanghai mit ihren 26 Millionen Einwohnern, über die eine Ausgangssperre angesichts neuer Coronafälle verhängt wurde.

    Die hohen Gewinne resultieren aus Nachholeffekten aufgestauter Bestellungen aus dem Coronajahr 2020 und dem starken Wachstum der Weltwirtschaft. Die anziehende Nachfrage aus den drei Großregionen Asien, Europa und Amerika machte es einfach, gestiegene Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Halbleiterproduzent Infineon etwa kann gar nicht so viele Chips produzieren, wie die Abnehmer gern kaufen würden – die Preise spielen für die Kunden allenfalls eine untergeordnete Rolle.

    Auch der operative Cashflow, also die liquiden Mittel aus der laufenden Geschäftstätigkeit, stieg rasant. Er erhöhte sich nach EY-Berechnungen binnen eines Jahres um fast ein Viertel auf 195 Milliarden Euro. Hier liegt die Deutsche Telekom mit 37 Milliarden Euro vor dem Autobauer Volkswagen mit 32 Milliarden Euro.

    Unternehmen profitieren von internationaler Ausrichtung

    Einmal mehr profitierten die deutschen Unternehmen von ihrer starken internationalen Ausrichtung. Mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze erzielen die Dax-Konzerne außerhalb der Heimat. Das zahlte sich aus. In Asien stiegen die Umsätze um 16 Prozent, in Nordamerika waren es 15 Prozent, in Europa lag der Gesamtumsatz um zehn Prozent höher als im Vorjahr.

    „Gerade China ist und bleibt trotz schwieriger Rahmenbedingungen für viele deutsche Topkonzerne ein enorm wichtiger Wachstumsmarkt“, sagt EY-Deutschlandchef Ahlers. „Hier werden erhebliche Investitionen getätigt, und auch Forschung und Entwicklung finden immer stärker vor Ort statt.“ Unter dem Strich habe der Standort Deutschland zumindest bisher vom starken Engagement der Unternehmen in China sehr profitiert – trotz aller gestiegenen Risiken.

    Für den drohenden Abschwung infolge der Sanktionen gegen Russland, des Materialmangels und steigender Preise haben sich die Unternehmen mit einem Finanzpolster gewappnet: Die flüssigen Zahlungsmittel stiegen um zweieinhalb Prozent auf 158 Milliarden Euro. Mehr als zehn Milliarden Euro Bares haben jeweils BMW, Siemens, Airbus, Mercedes und Volkswagen angesammelt. Das dürfte zumindest etwas schützen, wenn die Zeiten in den kommenden Monaten schwieriger werden.

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