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05.07.2022

17:57

Mobilitätsdienstleistung

Volkswagen schließt Europcar-Übernahme ab: Carsharing soll endlich profitabel werden

Von: Stefan Menzel

Mercedes und BWM haben mit Share Now viel Geld verloren. Volkswagen versucht eine neue Kombination aus Carsharing und Autovermietung – mit Europcar.

Europcar am Flughafen Merignac bei Bordeaux: Mit der Übernahme des Autovermieters will Volkswagen Carsharing profitabel machen. Reuters

VW setzt auf neue Mobilitätsdienste und Europcar

Europcar am Flughafen Merignac bei Bordeaux: Mit der Übernahme des Autovermieters will Volkswagen Carsharing profitabel machen.

Düsseldorf Der Volkswagen-Konzern startet einen neuen Versuch, das für die gesamte Autobranche wenig rentable Carsharing-Geschäft auf eine finanziell tragfähige Basis zu stellen. Die Schlüsselrolle spielt dabei die jetzt abgeschlossene Übernahme des Autovermieters Europcar. VW will Vermietung und Carsharing künftig aus einer einzigen Fahrzeugflotte heraus bedienen – und somit die Rentabilität sicherstellen.

Am Dienstag hat Volkswagen die Übernahme Europcars abgeschlossen. Mehr als 90 Prozent der bisherigen Aktionäre haben das Übernahmeangebot des VW-Konzerns angenommen. In der Folge kann der Autohersteller den Fahrzeugvermieter von der Börse nehmen und den restlichen Aktionären über ein „Squeeze-out“-Verfahren deren Anteile abkaufen.

Insgesamt wird das französische Unternehmen mit rund 2,5 Milliarden Euro bewertet. Volkswagen übernimmt Europcar nicht allein. Der Mischkonzern Pon Holdings – VW-Importeur in den Niederlanden – und der Finanzinvestor Attestor sind die weiteren Konsortialpartner. Bei VW liegen zwei Drittel der Anteile.

Die Wolfsburger waren schon einmal Eigentümer von Europcar, hatten den Autovermieter allerdings 2006 für rund 1,3 Milliarden Euro verkauft. Damals hatte das reine Vermietgeschäft keine großen Perspektiven mehr geboten, deshalb entschied sich VW für den Rückzug.

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    Mit den neuen zusätzlichen Mobilitätsdiensten hat sich die Geschäftsgrundlage jedoch wieder grundlegend geändert, Autovermieter sind wieder interessant geworden. VW hatte sich auch für Sixt interessiert, war dort allerdings mit einer Übernahme gescheitert. „Niemand hat bislang dauerhaft eine Profitabilität beim Carsharing geschafft“, sagte Christian Dahlheim, Vorstandschef von Volkswagen Financial Services (VWFS), zur Grundidee des neuen Mobilitätskonzepts, für das Europcar die Basis liefern soll. VWFS, die Finanz- und Leasingtochter des Autoherstellers, soll die Idee für den Konzern und in Zusammenarbeit mit den Tochtermarken vorantreiben.

    Angebot da, wo hohe Nachfrage schon besteht

    Europcar bringt eine Flotte mit etwa 230.000 Fahrzeugen ein, die künftig sowohl für das Vermietgeschäft als auch für das Carsharing verwendet werden können. Volkswagen hofft darauf, dass sich die Auslastung der Autos deutlich steigern lässt.

    So konzentriere sich die Vermietung stärker auf die Werktage, das Carsharing sei vor allem am Wochenende bedeutend, betont VW. Volkswagen will das große und umfassende Europcar-Netz als Übergabepunkte für die Fahrzeuge nutzen. Der Vermieter kommt aktuell auf rund 1150 Stationen, vor allem an Bahnhöfen und Flughäfen – dort, wo der Bedarf an individuellen Mobilitätsangeboten besonders groß ist.

    Der VW-Konzern glaubt, mit der Kombination aus Vermietung und Carsharing das Schicksal anderer Autohersteller vermeiden zu können. Insbesondere Mercedes und BMW hatten mit ihrer Tochter „Share Now“ viel Lehrgeld zahlen müssen und in den vergangenen Jahren Verluste in Milliardenhöhe erwirtschaftet.

    Anfang Mai hatten beide den Schlussstrich unter ihr Carsharing-Geschäft gezogen und die gemeinsame Tochter an den Autohersteller Stellantis verkauft. Der Mehrmarkenkonzern setzt mit seinem Carsharing-Konzept auf Masse.

    Auch Moia-Taxen werden eingebunden

    Als Premiumanbieter hatten Mercedes und BMW vergleichsweise wenige Fahrzeuge im Angebot. Vom Stellantis-Konzern kommen nun Massenmarken wie Peugeot und Fiat dazu. „Im Volumenmarkt mit preisgünstigen Fahrzeugen hat Share Now am ehesten eine Überlebenschance“, sagte dazu Ferdinand Dudenhöffer, Professor am Center Automotive Research (CAR) in Duisburg.

    Volkswagen will über Europcar eine einheitliche App anbieten, in der die verschiedenen Mobilitätsdienste zusammengefasst werden. In weiterer Zukunft soll es in dieser App nicht nur Mietautos und Carsharing-Angebote geben. Der VW-Konzern will darüber etwa auch Auto-Abonnements verkaufen. Nur der direkte Fahrzeugverkauf ist ausgeschlossen.

    Zwei Städte hat der VW-Konzern zunächst als Testgebiete für die neue kombinierte Mobilitätsidee ausgewählt. In Wien soll es im vierten Quartal dieses Jahres losgehen, in Hamburg im Frühjahr 2023. Dort soll es auf der Mobilitätsapp von Europcar künftig noch ein weiteres Angebot geben.

    In Hamburg sind schon seit einigen Jahren die Kleinbusse der VW-Tochter Moia auf den Straßen unterwegs. Dieses Ridepooling-Angebot mit Moia-Sammeltaxen soll ebenfalls in die Europcar-App integriert werden.

    In einem zweiten Schritt – voraussichtlich gegen Ende des Jahrzehnts – soll es dann auch komplett autonom fahrende Robotaxis von Moia geben. Damit soll sich auch der Charakter von VW grundlegend verändern: Das Unternehmen wird vom reinen Fahrzeughersteller zum IT-getriebenen Anbieter von Mobilitätsdiensten.

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