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21.12.2021

04:00

Unternehmensumfrage

Kaum Elektroautos, überall dominieren Verbrenner: Welche Konzerne die saubersten Dienstwagenflotten haben

Von: Isabelle Wermke

Eigentlich sollen Firmenflotten Vorreiter sein beim Umstieg auf die elektrische Mobilität. Eine Handelsblatt-Umfrage zeigt: Die meisten Dienstwagen sind noch Verbrenner.

Wenn überhaupt elektrische Fahrzeuge stellen Dax-Konzerne ihren Mitarbeitenden Plug-in-Hybride, wie hier von BMW, zur Verfügung. Bloomberg

BMW Plug-in-Hybride

Wenn überhaupt elektrische Fahrzeuge stellen Dax-Konzerne ihren Mitarbeitenden Plug-in-Hybride, wie hier von BMW, zur Verfügung.

Düsseldorf Mit Kaufprämien und Steuervorteilen will der Gesetzgeber auch Dienstwagenfahrer von der Elektromobilität überzeugen. Denn Dienstwagen sind für einen großen Teil der klimaschädlichen CO2-Emissionen im Verkehr verantwortlich. Doch die Dax-Konzerne sind noch zurückhaltend, zeigt eine Umfrage des Handelsblatts.

Die Flotten der befragten Unternehmen werden auch 2021 noch vor allem durch Diesel und Benzin angetrieben, erst dahinter folgen die halbelektrischen Plug-in-Hybride (PHEVs). Reine E-Fahrzeuge spielen bei den Dienstwagen der Konzerne kaum eine Rolle.

Dabei profitieren aktuell gerade Dienstwagenfahrer vom Elektroantrieb. Während Fahrer eines Dienstwagens mit Verbrennungsmotor ein Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat als geldwerten Vorteil versteuern müssen, werden bei den meisten reinen Elektroautos nur 0,25 Prozent fällig, bei teuren Dienstwagen und Plug-in-Hybriden sind es noch 0,5 Prozent.

Vorreiter bei der Umstellung auf elektrische Flotten ist ein Energiekonzern: Eon hat seine Firmenflotte laut eigener Auskunft bereits verhältnismäßig breit umgestellt. Im Fuhrpark des Unternehmens befinden sich zu 20 Prozent rein batteriebetriebene Fahrzeuge und weitere 30 Prozent Plug-in-Hybride. Rund die Hälfte der Eon-Flotte ist noch mit einem Verbrennungsmotor unterwegs. Bei den klassischen Dienstwagen werden mittlerweile fast ausschließlich E- und E-Hybrid-Fahrzeuge bestellt.

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    Der Triebwerkshersteller MTU liegt aktuell bei einem Elektroauto-Anteil von neun Prozent und landet damit im Ranking auf dem zweiten Platz. Der Anteil an Plug-in-Hybriden liegt bei 21 Prozent – damit besteht der Fuhrpark des Unternehmens noch aus 70 Prozent Verbrennern. Dabei soll es aber nicht bleiben, verspricht ein Unternehmenssprecher. „Eine schrittweise Umstellung auf einen reinen E-Bestand ist bis 2030 geplant.“

    In der Firmenflotte der Deutschen Börse AG befinden sich acht Prozent reine E-Fahrzeuge, der Anteil der Hybride liegt bei 22 Prozent. Auch hier kommen Verbrenner damit auf einen Anteil von 70 Prozent. „Wir unterstützen und fördern den Umstieg von Verbrenner- auf Elektrofahrzeuge innerhalb unserer Dienstwagenflotte“, so eine Sprecherin des Unternehmens. Dafür baue man beispielsweise auch eigene Ladestationen auf. Ein Zwang zur Nutzung von Elektrofahrzeugen bestehe jedoch nicht. Bei den Neuzulassungen des Unternehmens im Jahr 2021 lag der Anteil der Plug-in-Hybride bei knapp 50 Prozent.

    Beim deutschen Softwarehersteller SAP liegt der Anteil der reinen Stromer bei sieben Prozent. Zu 13 Prozent besteht die Flotte des Konzerns aus Plug-in-Hybriden. Auch hier soll der aktuelle Verbrenneranteil von 80 Prozent aber deutlich sinken. Intern hat sich der Konzern ein Enddatum für den Verbrenner gesetzt. „Ab dem 1. Januar 2025 können alle Mitarbeiter, die Anspruch auf ein Fahrzeug haben, nur noch emissionsfreie Fahrzeuge bestellen“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

    Grafik

    Rund sechs Prozent der Flotte der Allianz Deutschland fahren rein elektrisch – dieser Wert werde sich aber in Kürze auf knapp elf Prozent erhöhen, wenn bereits bestellte Fahrzeuge geliefert werden, kündigte das Unternehmen an. Schon heute stellen halbelektrische Modelle die Mehrheit im Fuhrpark, teilt das Unternehmen mit.

    Zwei Drittel der Flotte bestehe aus Plug-in-Hybriden, der Rest – knapp 28 Prozent – aus Verbrennern. Mit einer reinen E-Flotte rechnet das Unternehmen in etwa drei Jahren, „wenn alte Leasingverträge ausgelaufen sind“, so eine Sprecherin der Allianz.

    Siemens Energy hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 komplett CO2-emissionsfrei zu sein. Mitarbeiter, die sich für einen elektrischen Dienstwagen entscheiden, werden darum belohnt. Aktuell befinden sich im Fuhrpark des Unternehmens allerdings bloß sechs Prozent reine E-Autos, sieben Prozent Plug-in-Hybride und ganze 87 Prozent Verbrenner.

    Beim Dax-Konzern Henkel aus Düsseldorf verhält es sich ähnlich: Schmale fünf Prozent der Firmenflotte fahren rein elektrisch. Aktuell liegt der Anteil von Plug-in-Hybriden bei sechs Prozent. Henkel kommt damit auf einen Verbrenneranteil von 89 Prozent. Auf dem Weg zur klimafreundlichen Flotte hat der Konzern Nachholbedarf.

    Ganz auf Plug-in-Hybride verzichtet wird bei den Unternehmen Beiersdorf und Covestro. „Der Einsatz von Plug-in-Hybriden wird grundsätzlich aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt“, so eine Unternehmenssprecherin von Beiersdorf. Auch Covestro führt aus Nachhaltigkeitsgründen keine Plug-ins im Bestand.

    Energiekonzern ohne Elektroautos

    Energieriese RWE hingegen weist einen vergleichsweise hohen Anteil an Hybriden auf: nämlich 31 Prozent des Fuhrparks. Währenddessen kommen reine Stromer in der Flotte des Energiekonzerns lediglich auf drei Prozent, Verbrenner auf 66.

    Ähnlich verhält es sich bei der Deutschen Bank. Mit 21 Prozent ist der Anteil an Plug-ins recht hoch, E-Autos kommen auch hier nur auf drei Prozent. Ganze 76 Prozent bilden die Verbrenner.

    BASF und Siemens schneiden in der Umfrage ebenfalls nicht gut ab. Mit drei Prozent bei BASF und zwei Prozent bei Siemens sind die Elektroanteile in den Firmenflotten sehr gering. Während der Chemiekonzern 18 Prozent Plug-in-Hybride im Bestand hat, kommt Siemens nur auf sechs Prozent – und damit 92 Prozent Verbrenner.

    Auch Sartorius will sich zeitnah von Plug-in-Hybriden verabschieden. Im Bestand des Firmen-Fuhrparks befinden sich aktuell 15 Prozent an E- und Hybrid-Fahrzeugen. „Plug-in-Hybride werden allerdings seit der Jahresmitte 2021 nicht mehr bestellt“, so das Unternehmen, da die elektrische Reichweite zu gering sei. Eine Komplettumstellung plane das Unternehmen aber vorerst nicht.

    Viele Unternehmen wollen zwar verraten, wie viele elektrische Autos in der Flotte sind, aber nicht, wie viele davon rein batterieelektrisch angetrieben werden. So erklärte etwa Qiagen, das Unternehmen baue seinen Anteil an Hybrid- und Elektrofahrzeugen, der derzeit rund ein Viertel seiner Firmenflotte ausmache, zügig aus. Abhängig von der nötigen Ladeinfrastruktur und den Lieferzeiten der Hersteller, könnte die vollständige Umstellung im Jahr 2023 erfolgen. „Unser Ziel einer vollständig klimaneutralen Firmenflotte könnte damit ab 2025 erreicht werden.“

    Die Deutsche Telekom gibt an, dass der elektrische Anteil an den Neubestellungen der Firmenfahrzeuge bei etwa 30 Prozent liege. Doch ein konkretes Zieldatum zur Umstellung auf eine elektrische Flotte habe man sich nicht gesetzt, erklärt ein Unternehmenssprecher. Dies sei von Transformationsprozessen im Markt abhängig.

    Lieferzeiten und Ladeinfrastruktur bremsen Umstellung der Fuhrparks aus

    Viele Unternehmen halten sich mit konkreten Zahlen ganz zurück. Puma will den Anteil an elektrischen Fahrzeugen laut eigener Auskunft bis zum zweiten Quartal 2022 auf ein Drittel steigern. Plug-in-Hybride werden von dem Konzern zudem nicht unterstützt, Puma will stattdessen auf Fahrzeuge mit rein batterieelektrischem Antrieb oder auf Fahrzeuge mit Brennstoffzelle (Wasserstoff) setzen.

    Auch Daimler nannte auf Anfrage keine konkreten Zahlen zur eigenen Flotte. „Im Rahmen unserer ,Ambition 2039‘ haben wir das Ziel, unsere komplette Dienstwagenflotte zu elektrifizieren“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

    Autozulieferer Continental gab an, Fahrzeuge mit geringerem CO2-Ausstoß durch eine Reihe von Maßnahmen zu bevorteilen – dabei stehen Elektroautos und Plug-in-Hybride im Fokus. Ein Bonus-Malus-System regele hier finanzielle Anreize für die Mitarbeiter.

    Der Chiphersteller Infineon erklärte, für die kommenden Bestellungen zeichne sich ein überwiegender Anteil an Elektrofahrzeugen ab – nämlich bei über 50 Prozent der Bestellungen. Bis 2030 will Infineon klimaneutral sein. Adidas gab an, dass die Anzahl der E-Fahrzeuge derzeit im dreistelligen Bereich liege.

    Weitere große deutsche Unternehmen wollten den aktuellen Bestand ihrer Fuhrparks ausdrücklich nicht mitteilen oder machten keine Angabe.

    Fast alle Unternehmen gaben an, dass der Umbau vor allem an der schlechten Ladeinfrastruktur und fehlender Reichweite der Elektrofahrzeuge leide. Gerade im Außendienst hänge der Ausbau der grünen Flotte derzeit noch von Gegebenheiten wie der örtlichen Verfügbarkeit an Ladestationen ab, erklärte ein Sprecher von Qiagen. Um dem vorzubeugen, planen Unternehmen wie die Deutsche Börse, Continental, MTU und Sartorius, den Mitarbeitenden etwa Lademöglichkeiten auf dem Firmengelände anzubieten.

    Als weiteren Grund für die schleppende Umstellung gaben die Konzerne lange Lieferzeiten der Fahrzeuge an. „Die fehlende Belieferung mit bestimmten Halbleiterkomponenten, was unter anderem durch den gegenwärtig weltweit bestehenden Lieferengpass an Halbleitern verursacht wird, führte bei uns zu erheblichen Betriebsstörungen“, erklärte der Autobauer Daimler auf Anfrage. Infolgedessen komme es zu Ausstattungseinschränkungen bei verschiedenen Baureihen. „Daraus ergeben sich auch Verzögerungen bei der Auslieferung.“

    Viele Unternehmen wie Beiersdorf, die Deutsche Telekom oder Sartorius setzen neben elektrifizierten Fuhrparks weitere Anreize zur Klimafreundlichkeit, wie etwa ein breites Angebot an Mobilitätsalternativen wie Bahncard, Jobticket, „Business-Bikes“ oder Mobilitätsbudgets.

    Besonders schwere Fahrzeuge in deutschen Flotten

    Nicht nur im Dax, in der gesamten deutschen Wirtschaft verläuft der Umstieg auf elektrische Dienstwagen nur schleppend. Dabei sind sie für den Klimaschutz entscheidend: Im Jahr 2020 betrug der Anteil von gewerblich genutzten Fahrzeugen am CO2-Ausstoß von Neuwagen ganze 76 Prozent, hat der europäische Dachverband Transport & Environment (T&E) in seiner Studie „Deutschlands Steuerpolitik für Dienstwagen“ errechnet. Denn im Vergleich zu Privatwagen werden mit gewerblichen Fahrzeugen doppelt so viele Kilometer gefahren.

    Die Organisation sieht bei Firmenflotten daher sehr großes Potenzial für Einsparungen – ansonsten würden Deutschlands klimapolitische Ambitionen ausgebremst, heißt es in der Studie. Besonders besorgniserregend: In den deutschen Flotten ist der Anteil schwerer Fahrzeuge der Oberklasse besonders hoch. Die daraus entstehenden Emissionen seien in Deutschland somit höher als in allen anderen großen europäischen Märkten.

    Die Gesamtwirkung bei der CO2-Reduzierung im Verkehrssektor wäre wirklich groß: Prognos hat in einer Analyse errechnet, dass die CO2- und Feinstaubemissionen des gesamten Pkw-Bestands in Deutschland um mehr als 30 Prozent gesenkt werden könnten. Unter anderem müssten Unternehmen dazu allerdings nur noch emissionsfreie Fahrzeuge bis 2030 neu zulassen.

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