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15.08.2022

18:43

Gasversorgung

Shell verzichtet auf Gelder aus neuer Gas-Umlage

Von: Kathrin Witsch

PremiumRWE hat den Anfang gemacht. Jetzt zieht die Deutschlandtochter von Shell nach. Mit dem Verzicht auf die Umlage wollen die Konzerne Druck aus der Debatte um die Übergewinnsteuer nehmen.

Logo des Öl- und Gasunternehmens Shell REUTERS

Shell

Das Unternehmen profitiert mit Milliardengewinnen von den hohen Öl- und Gaspreisen.

Düsseldorf Das Öl- und Gasunternehmen Shell hat angekündigt, die Gelder aus der geplanten Gas-Umlage in Deutschland nicht in Anspruch nehmen zu wollen. Wie die Sprecherin von Shell Deutschland, Cornelia Wolber, am Sonntag in Hamburg mitteilte, registrierte sich das Unternehmen nicht für entsprechende Zahlungen und wird folglich darauf verzichten, diese in Anspruch zu nehmen. 

Mit der geplanten Umlage will die Bundesregierung systemrelevante Gasimporteure stützen. Anlass war das kriselnde Unternehmen Uniper, das mit Milliardenhilfen vom Staat gerettet werden musste. 

Grund dafür sind die fehlenden Gasmengen aus Russland. Weil Händler wie Uniper seit Monaten Ersatz zu Rekordpreisen im Großhandel beschaffen müssen, häufen sich bei vielen von ihnen die Mehrkosten. Aufgrund bestehender Lieferverträge konnten Importeure die höheren Beschaffungskosten bislang nicht weitergeben. Das ändert sich mit der Umlage.

Shell und RWE verzichten auf Einnahmen durch Gas-Umlage

Ab Oktober können sich die Rohstoffhändler die Differenz zwischen vertraglich vereinbarten Preisen und dem aktuellen Einkaufspreis an der Börse erstatten lassen. Die entstehenden Kosten werden auf alle Gasverbraucher, Wirtschaft wie Privatkunden, umgelegt. Der genaue Betrag wurde am Montag kommuniziert: 2,419 Cent pro Kilowattstunde (kWh) mehr kommen ab dem 1. Oktober auf Haushaltskunden und Unternehmen zu.

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    Anspruch auf die Umlage hat grundsätzlich jeder Gashändler, damit auch Unternehmen wie Shell oder RWE, die im Gegensatz zu Uniper aktuell allerdings Milliardengewinne einfahren, die höheren Kosten erstattet bekommen. Vergangene Woche hatte bereits RWE-Chef Markus Krebber angekündigt, die Unterstützung nicht in Anspruch nehmen zu wollen. 

    „Wir werden die Gasumlage nicht in Anspruch nehmen und die Mehrkosten der Ersatzbeschaffung selbst tragen“, so der Manager. Das Unternehmen sei finanziell stabil aufgestellt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte am Montag, er wolle sich bei RWE ausdrücklich für den Verzicht bedanken.

    An mehrere Unternehmen gerichtet, die diesen Schritt ebenfalls vollzogen haben, sagte Habeck, in der Logik der Sache liege, dass diese Unternehmen geringere Anteile am russischen Gas hätten. Insofern sei die Auswirkung auf die Umlagenhöhe geringer. „Nichtsdestowenigertrotz ein großer Schritt, der eben nicht nur rein ökonomisch, sondern tatsächlich aus dem Gedanken der Solidarität heraus begründet ist“, sagte Habeck.

    Tatsächlich konnte RWE allein im ersten Halbjahr seinen Gewinn (bereinigtes Ebit) um mehr als ein Drittel auf 2,8 Milliarden Euro steigern. Auch Shell machte im zweiten Quartal starke Gewinne. Der britische Konzern gab Ende Juli einen Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Dollar bekannt. 

    Gas-Umlage: Shell und RWE wollen durch Verzicht Druck aus der Situation nehmen

    In den vergangenen Wochen wurden aufgrund der hohen Energiepreise auf Verbraucherseite und der Milliardengewinne bei einigen Energiekonzernen immer wieder Rufe nach einer Übergewinnsteuer laut. Andere Mitgliedstaaten in der Europäischen Union haben mittlerweile eine Sondersteuer auf sogenannte Übergewinne in Krisenzeiten eingeführt, um die Bevölkerung zu entlasten.

    In Deutschland scheint die Diskussion vorerst keine Konsequenzen zu haben. Mit dem Verzicht auf die Gas-Umlage versuchen RWE und Shell, Druck aus der Debatte zu nehmen. Wie die Situation sonst enden könnte, zeigt sich für Shell im Heimatland Großbritannien. Dort hat die konservative Regierung unter dem Noch-Premierminister Boris Johnson im Juli eine Sondersteuer in Höhe von 25 Prozent auf Krisengewinne aus den Aktivitäten in der Nordsee auf den Weg gebracht.

    Erstpublikation: 14.08.22, 17:00 Uhr.

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