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06.06.2022

12:20

Gleichberechtigung

Aufschrei von Top-Managerinnen: „Frauenquote jetzt und ohne Kompromisse“

Von: Tanja Kewes

Vor der entscheidenden EU-Sitzung in Brüssel: Führende deutsche Managerinnen, Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen trommeln in sozialen Netzwerken für die europaweite Frauenquote.

Die Managerin von Philip Morris hält die Änderungen der EU-Richtline zur Frauenquote für inakzeptabel. Frank Beer für Handelsblatt

Claudia Oeking

Die Managerin von Philip Morris hält die Änderungen der EU-Richtline zur Frauenquote für inakzeptabel.

Düsseldorf Deutsche Managerinnen und Unternehmerinnen fordern für die gesamte EU eine Frauenquote für Aufsichtsräte, und zwar „jetzt und ohne Kompromisse“. Unter den Stichworten „Crunch Time“ und den Hashtags #OhneQuoteGehtNichts und #diversityEUjetzt veröffentlichen die Frauen derzeit in den sozialen Netzwerken, vor allem auf LinkedIn und Twitter, zahlreiche Beiträge, in denen sie die Einführung einer europaweiten Frauenquote anmahnen.

Zum Kreis der Aktivistinnen gehört die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer ebenso wie Bahn-Vorständin Sigrid Nikutta, die langjährige Lanxess-Personalerin Stephanie Cossmann, die Unternehmerinnen Victoria Wagner und Tijen Onaran, die Soziologin Jutta Allmendinger, die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und die Deutschlandchefin von Philip Morris, Claudia Oeking.

Anfang des Jahres hatten sich die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron überraschend klar und deutlich für die Verabschiedung der Frauenquote in der EU in Höhe von 40 Prozent für die Aufsichtsräte aller Unternehmen eingesetzt. Am 14. März hatten sich dann auch die EU-Minister für die Richtlinie ausgesprochen.

Nun wird der Richtlinienvorschlag im sogenannten Trilog zwischen Europäischem Parlament, Europäischer Kommission und Rat der Europäischen Union verhandelt. An diesem Dienstag ist nun in Brüssel die entscheidende Sitzung, auf der der Kompromiss verhandelt wird.

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    „So weit, so gut“, sagt Claudia Oeking, die Deutschlandchefin des Tabakkonzerns Philip Morris und Mitinitiatorin des Social-Media-Aufschreis. „Allerdings sind nun Änderungen der Richtlinie auf den Tisch gekommen, die so nicht akzeptabel sind.“

    Es bestehe das Risiko, dass die Richtlinie statt 2024/2025 erst 2027 umgesetzt werde und dass keine konkrete Prozentzahl festgelegt werde, die als Ziel erreicht werden müsse. Es könnte vielmehr als ausreichend angesehen werden, so die Befürchtung, dass eine Entwicklung hin zu bestimmten Prozentzahlen ausreiche.

    Verwässerte Quote soll erst 2027 kommen

    Eine Richtlinie, die erst 2027 umgesetzt werde und verwässerte Ziele habe, ist nach Ansicht der Aktivistinnen „nach zehn Jahren Abwarten und Vertagen“ „ziemlich erbärmlich“. So fordert die Wirtschaftsweise Schnitzer, seit 2020 im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, via Twitter: „Es ist wirklich höchste Zeit, auch EU-weit die Quote in Aufsichtsräten zu verankern. Die Erfahrung in Deutschland zeigt doch, es geht.“

    Und Soziologin Allmendinger, die das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung leitet, verkündet im gleichen Kanal: „Unwidersprochen: Es braucht mehr Frauen in Führungspositionen. Aus Gründen der Gerechtigkeit, des sozialen Miteinanders und des wirtschaftlichen Wohlergehens. Ich erwarte, dass sich @Europarl_DE, @EU_Commission und @EUCouncil am Dienstag einigen.“

    Die Führungsfrauen berufen sich in ihren Aussagen auf die bisherigen Erfahrungen in Deutschland. Hierzulande tat sich jahrelang bei freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unternehmen wenig bis nichts.

    Erst die Einführung der Frauenquote in Höhe von 30 Prozent für die Aufsichtsräte von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen im Rahmen des „Ersten Führungspositionengesetzes“ 2015 brachte den Wandel.

    Aktuell liegt der Frauenanteil in den Kontrollgremien der 40 Dax-Konzern bei rund 35 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei der erst im vergangenen Jahr eingeführten Frauenquote für Vorstände ab. Seitdem wurden so viele weibliche Dax-Vorstände berufen wie noch nie.

    Vielfältig besetzte Teams sind erfolgreicher

    So schreibt Oeking auf LinkedIn: „Für alle Quotenmuffel. Es ist eine Quote, die sicherstellen soll, dass kein Geschlecht – weder Männer noch Frauen – in einem Aufsichtsrat ein starkes Übergewicht haben soll. Und: Wir möchten sie eigentlich alle nicht. Aber wir haben über die Jahrzehnte gesehen, dass es ohne nicht geht. Es führt kein Weg dran vorbei, wenn wir vielfältigere und damit innovativere und erfolgreichere Unternehmen haben möchten. Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“

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