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20.04.2017

15:09 Uhr

Google und Facebook wehren sich

Was Sie über Trumps neues Visa-Dekret wissen sollten

VonTobias Brunner

US-Präsident Trump will die Vergabepraxis bei befristeten Visa für ausländische Fachkräfte ändern. Das könnte nicht nur Konzerne in den USA, sondern auch in Deutschland treffen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

„Kauft amerikanisch und stellt Amerikaner ein“: Mit seinem neuen Dekret will US-Präsident Donald Trump unter anderem die Vergabe von befristeten Visa überarbeiten lassen. AP

Visa-Dekret

„Kauft amerikanisch und stellt Amerikaner ein“: Mit seinem neuen Dekret will US-Präsident Donald Trump unter anderem die Vergabe von befristeten Visa überarbeiten lassen.

WashingtonDonald Trump hat seine Drohung wahrgemacht und will neue Bedingungen für befristete Visa schaffen. Worum es in dem neuen Dekret des US-Präsidenten geht und was es für deutsche Unternehmen bedeutet – wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Um welche Visa geht es genau?

Die Debatte dreht sich um sogenannte H-1B-Visa. Um diese zu bekommen, müssen ausländische Fachkräfte neben einer entsprechenden Qualifikation auch eine Stellenzusage eines US-Unternehmens vorweisen. Das Visum gilt zunächst für drei Jahre und kann bei Bedarf verlängert werden. Gesetzlich ist die Anzahl der Visa pro Jahr auf 85.000 beschränkt. Aufgrund verschiedener Ausnahmen stellen die US-Behörden aber deutlich mehr aus – vergangenes Jahr rund 180.000. Die meisten davon, etwa 127.000, gingen an Inder.

Was hat US-Präsident Donald Trump im Detail angeordnet?

Bisher hat Trump lediglich mehrere Ministerien angewiesen, die Vergabepraxis für Visa zu überarbeiten. Wie das Ergebnis aussehen könnte oder wie lange dieser Prozess dauert, ist noch offen. Daran beteiligt sind die Heimatschutzbehörde, das Justiz-, das Arbeits- und das Außenministerium.

Warum will Trump das Visa-Programm überarbeiten lassen?

Die Visa würden im Moment willkürlich mit einer Lotterie vergeben, kritisiert Trump: „Das ist falsch.“ Sein Vorwurf: Lohn-Dumping. Denn viele Unternehmen würden mit Hilfe der Visa ausländische Arbeitskräfte zu deutlich niedrigeren Löhnen einstellen. Laut Regierung verdienen 80 Prozent der H-1B-Visa-Halter weniger als den medianen Mittelwert. Trump will deshalb die Visa nur an die qualifiziertesten und bestbezahlten Bewerber vergeben. „Und sie sollten niemals dazu genutzt werden, Amerikaner zu ersetzen“, sagte er.

Wie reagieren US-Unternehmen darauf?

Valley Voice: Trump erhöht die Visa-Hürden

Valley Voice

Trump erhöht die Visa-Hürden

US-Präsident Donald Trump macht ernst und will die Vergabe der besonders in Silicon Valley beliebten H-1B-Visa erschweren. In der Technologiebranche dürfte das die Unsicherheit erhöhen.

Das Dekret trifft vor allem die Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley, die ausländische Fachkräfte beschäftigen. Sie reagieren bisher zurückhaltend. AOL-Mitgründer Steve Case findet zwar Trumps Ziel „stellt amerikanisch ein“ richtig. Aber man dürfe nicht vergessen, dass Amerika seine Größe der Tatsache verdankt, dass es Talente aus aller Welt anziehe. In der Vergangenheit hatten die Unternehmen der Westküste den Präsidenten scharf kritisiert. Sie argumentieren, zu wenige qualifizierte Bewerber in den USA zu finden. Ihnen bleibe deshalb gar nichts anderes übrig, als auf internationale Fachkräfte zu setzen und seien deshalb auf das H-1B-Visa-Programm angewiesen.
Nur einen Tag nach dem Visa-Dekret wandten sich dann am Mittwoch auch mehr als 160 Unternehmen an ein Berufungsgericht in Virginia – darunter Größen wie Intel, Facebook und Microsoft. Sie beziehen sich dabei zwar nicht auf das neue Dekret, aber auf das Einreiseverbot für Bürger aus sechs muslimischen Ländern, das Trump Anfang März verhängt hatte. Auf 67 Seiten legen sie dar, dass die USA schon immer eine „Nation der Einwanderer“ gewesen seien und welcher Schaden durch ein Einreiseverbot drohe: „Einwanderer sind für viele der größten Entdeckungen verantwortlich und haben einige der größten und ikonischen Firmen des Landes geschaffen“, schreiben die Unternehmen.

Welche Folgen hat das Dekret für deutsche Unternehmen?

„Von einer noch stärkeren Begrenzung von Fachkräfte-Visa wären deutsche Unternehmen unmittelbar betroffen“, warnte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Rund 700.000 Menschen in den USA arbeiten in deutschen Unternehmen, schätzt er. „Ohne entsprechendes Visum könnten zum Beispiel keine Ausbilder in die USA geschickt werden, die ihr Wissen an amerikanische Azubis weitergeben.“
Auch das Bundeswirtschaftsministerium sieht mögliche Visa-Änderungen kritisch. „Sollte in der Folge die Visavergabepraxis insbesondere für hochqualifizierte Arbeitnehmer beschränkt werden, könnte dies eine Reihe von Unternehmen mit Niederlassungen in den USA beeinträchtigen“, so ein Sprecher. Die genauen Folgen lassen sich vermutlich erst dann besser absehen, wenn erste Details zur Visa-Überarbeitung bekannt werden.

Welche Alternativen gibt es für Unternehmen?

Möglich wäre zum Beispiel, das L-1 Visum zu nutzen, rät Axel Boysen von der Frankfurter Kanzlei Fragomen Global. Dieses ist für Mitarbeiter gedacht, die innerhalb eines Unternehmens in die USA wechseln. Insbesondere Mittelständler sollten zudem prüfen, ob sie auch für ein E-1 oder E-2-Visum in Frage kommen. Grundsätzlich empfiehlt Boysen allen Unternehmen, mögliche Änderungen genau zu verfolgen: „Sie werden mehr Zeit für die behördlichen Überprüfungen einkalkulieren müssen und sollten mit Einreisestopps im Rahmen des H-1B Programms rechnen.“

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Kommentare (7)

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Herr Alessandro Grande

20.04.2017, 14:16 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Rudolf Richter

20.04.2017, 14:37 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Franz Paul

20.04.2017, 14:46 Uhr

Das wäre doch schön, dann würden diese deutschen Unternehmen vielleicht auch wieder in Deutschland investieren und HIER Arbeitsplätze schaffen!

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