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12.06.2019

13:00

Gympass

Fitness-Flatrate-Start-up wird zum „Einhorn“

Von: Christoph Kapalschinski

Eine App für weltweit 47.000 Fitnessstudios – mit dieser Formel hat es das brasilianische Start-up Gympass nun auf eine Milliardenbewertung gebracht.

Gympass: Fitness-Flatrate für Unternehmen wird zum „Einhorn“ Gympass

Cesar Carvalho

Gympass verteilt jedoch die Kosten auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und erhält zugleich zwei Erlösströme.

HamburgCesar Carvalho wählt sich vom Flughafen aus in die Videokonferenz ein – zwischen Sicherheitskontrolle und Check-in nach Paris. Trotzdem macht der 35-jährige Brasilianer einen entspannten Eindruck: Schließlich hat er sich gerade eine Finanzierung gesichert, die ihn zu einem der wichtigsten Spieler in der globalen Fitnessbranche machen könnte. Carvalho bekommt 300 Millionen Dollar von Investoren um den japanischen Fonds Softbank.

Der Deal soll am Mittwoch offiziell verkündet werden. Sein Unternehmen Gympass wird damit zum „Einhorn“, wird also mit über eine Milliarde Dollar bewertet. Das hat auch Auswirkungen auf den deutschen Markt.

Gympass will Firmenfitness neu organisieren. Per App bietet das Unternehmen den Zugang zu 47.000 Fitnessstudios in 14 Ländern, darunter Deutschland. Dabei vermarktet Carvalho das Angebot nicht direkt an Endnutzer, sondern an große Arbeitgeber.

In Deutschland gehören Flixbus, Puma und Allianz zu den Kunden. Gympass ist damit direkter Konkurrent des jungen Berliner Unternehmens Urban Sportsclub, das im vergangenen Herbst einen zweistelligen Millionenbetrag beim Investor Partech eingesammelt hat. Auch das bayerische Start-up Profession Fit mischt nach der Fusion mit der Fitness-First-Flatrate „My Fitnesscard“ im Frühjahr in dem Markt mit.

Mit dem eingesammelten Geld will Carvalho nicht nur in weitere Länder – etwa in Asien - expandieren, sondern auch in Deutschland weiter ausbauen. Das Team in München solle rasch von 40 auf 50 Leute anwachsen, kündigt er im Video-Gespräch mit dem Handelsblatt an. „Wir haben mehr Geld bekommen, als sonst jemand in unserem Bereich“, sagt er. „Deutschland ist für uns ein Schlüsselmarkt, auf dem wir sehr schnell wachsen.“

Anders als Urban Sportsclub und My Fitnesscard konzentriert sich Carvalho seit 2015 allein auf Firmenkunden. Damit umgeht er ein Problem, dass die Konkurrenten bei Endkunden ebenso haben wie der von Sport-Scheck gekaufte Anbieter Fitfox: Üblicherweise sind die Sportpässe teurer als eine reguläre Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Gympass verteilt jedoch die Kosten auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und erhält zugleich zwei Erlösströme.

„Unser größter Konkurrent ist die Couch“

Den Fitnessstudios verspricht er, neue Hobbysportler zu aktivieren. „Unser größter Konkurrent ist die Couch“, scherzt er. Zentraler Adressat seiner Bemühungen sind aber die Personalchefs großer Unternehmen, die als Arbeitgeber attraktiver werden und ihre Belegschaft fit halten wollen. „Jeder Personalchef soll uns kennen“, sagt Carvalho.

Die Investoren – neben Softbank auch Atomico, General Atlantic und Valor – setzen darauf, dass Gympass als globale Plattform besonders attraktiv für Fitnessstudios und Firmen ist. Carvalho sei ein besonders talentierter Unternehmer, heißt es von den Investoren. Daher dominiere Gympass inzwischen den Markt. Übernahmen von Konkurrenten seien denkbar, sagt Carvalho – aber nicht zwingend.

Carvalho hat das Unternehmen vor sieben Jahren in Brasilien gegründet, nachdem er die Idee in einem MBA-Studium in Harvard entwickelt hatte. Inzwischen ist die Konzernzentrale in New York, Carvalho verbringt jedoch regelmäßig Zeit in neuen Expansionsländern. „In München habe ich fast ein Jahr gelebt“, sagt er. Vor allem aber sieht er sich als Vorbild für andere junge brasilianische Unternehmer. Immerhin: Das Land verzeichnet inzwischen schon sieben „Einhörner“ – vor allem im Bereich Fintech.

Mehr: Immer individuellere Angebote sollen im boomenden Geschäft mit Wellness und Fitness Kunden locken. Das Handelsblatt hat die besten Dienstleister ermittelt.

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