Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.04.2017

15:27 Uhr

Adidas

Rorsted erwartet weniger Profit in China

Adidas-Chef Kasper Rorsted erwartet künftig weniger Profit im chinesischen Markt. Er begründet dies mit Kostensteigerungen in allen Bereichen. Für die USA erwartet Rorsted aber steigende Umsätze.

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas erwartet deutlich anziehende Umsätze in den USA. dpa

Kasper Rorsted

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas erwartet deutlich anziehende Umsätze in den USA.

SchanghaiDer Chef des Sportartikelherstellers Adidas, Kasper Rorsted, erwartet, im wichtigen chinesischen Markt weniger Profit zu machen. Vom Marketing bis zu den Gehältern würden alle Kosten in dem Land steigen, begründete Rorsted dies am Donnerstag in Shanghai. Zudem werde sich das Wachstum abschwächen.

Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze in China um 28 Prozent. Dies sei in diesem Jahr so wohl nicht mehr zu erreichen, schätzte Rorsted, auch wenn weiter ein zweistelliges prozentuales Wachstum erwartet werde. China gehört zu den am schnellsten wachsenden Märkten von Adidas, das fränkische Unternehmen kann dabei einen fünfmal so hohen Anteil vom Umsatz als Gewinn verbuchen wie in den USA. Adidas kommt in China derzeit auf einen Marktanteil von gut 16 Prozent. Der US-Rivale Nike ist Marktführer mit fast 19 Prozent.

Die Baustellen von Adidas

Anspruchsvolles Erbe

Für den Sportartikelkonzern Adidas läuft es zur Zeit richtig gut. So gut, dass sich der seit rund einem halben Jahr amtierende Vorstandschef Kasper Rorsted schon des Öfteren die Frage gefallen lassen musste, ob es nicht eine Bürde sei, die Führung eines Unternehmens zu übernehmen, das in so guter Verfassung ist. Um eine Antwort nicht verlegen, konterte der 55-jährige Däne stets mit einem Bild aus der Welt des Fußballs: Lieber trainiere er einen Club aus der Champions League als einen Verein aus der zweiten Liga. Einige Baustellen hat Rorsted indes von seinem Vorgänger Herbert Hainer geerbt.

US-Geschäft braucht weitere Investitionen

Die USA waren vor einigen Jahren noch ein Problemmarkt. Um das zu ändern, pumpte Langzeit-Chef Hainer viel Geld ins Marketing und orientierte sich stärker am Geschmack der Amerikaner. Inzwischen ist Adidas bei der jungen Zielgruppe wieder angesagt. Rorsted muss aber weiterhin viel in den USA investieren. Der Abstand zu Marktführer Nike ist noch immer gewaltig und auch die anderen Konkurrenten schlafen nicht. „Der Wettbewerb wird intensiver werden“, prophezeit Matt Powell, Analyst beim Marktforscher NPD Group. Innovative Produktionswege, Schnelligkeit und Nachhaltigkeit seien entscheidend, um langfristig Erfolg zu haben.

Unsicherheitsfaktor Trump

Welche Auswirkungen die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf deutsche Unternehmen hat ist derzeit noch ein Rätsel. Sollte es allerdings zu den befürchteten Importsteuern kommen, könnte das Adidas oder auch Puma empfindlich treffen, glaubt Julian Easthope von der britischen Bank Barclays. Die meisten Waren der Sportartikelhersteller würden in Asien hergestellt. Es sei gut möglich, dass die Konzerne erwägen, bald mehr lokal zu produzieren.

Schwebender Golf-Verkauf

Beim Verkauf der Golfmarken Taylormade, Adams und Ashworth hakt es. Anders als geplant hat Adidas derzeit noch keinen Käufer. Die Verluste der Marken seien viel höher als angenommen, schrieb die „New York Post“ vergangene Woche. Fakt ist, dass immer weniger Menschen Golf spielen, der Markt schrumpft. Adidas will sich daher auf die Produktion von Kleidung und Schuhen für den Sport beschränken. Die Investitionen hierfür sind deutlich geringer als diejenigen für die Entwicklung neuer Schläger oder Bälle.

Ungewisse Reebok-Zukunft

Der Druck auf die Fitness-Tochter nimmt zu. Reebok wächst nur außerhalb des amerikanischen Heimatmarkts und weitaus schwächer als die Hausmarke Adidas. Seit Jahren wird spekuliert, wann sich Adidas von der 2006 zugekauften Tochter wieder trennt. Rorsted scheint zumindest ungeduldiger zu sein als sein Vorgänger. In jedem Sport müsse jedes Mannschaftsmitglied seinen Beitrag zum Gesamterfolg des Teams leisten, hatte er im Herbst gesagt und erste Einschnitte eingeleitet. Dazu gehört der Abbau von 150 Jobs. Zudem wird etwa die Hälfte der Outlets und Läden von Reebok in Nordamerika geschlossen.

Digitalisierung soll Chancen eröffnen

Rorsted will Adidas noch digitaler machen. Bereits jetzt schon vernetzt sich der Konzern mit seinen Konsumenten, studiert das Kaufverhalten und die Sportgewohnheiten, um besser auf Wünsche reagieren zu können. Digitaler heißt auch schneller. Im fränkischen Ansbach testet Adidas seit dem vergangenen Jahr Automatisierungstechniken für die Herstellung von Schuhen. In der so genannten Speed-Factory sollen Roboter eine halbe Million Paar pro Jahr fertigen. Eine weitere Anlage ist in den USA geplant. Test gab es auch kürzlich mit Klamotten. In einem Pop-up-Store in Berlin konnte man sich für kurze Zeit seinen persönlichen Pullover stricken lassen.

Quelle: dpa

Für die USA erwartet der Adidas-Chef hingegen deutlich anziehende Umsätze. Lange Jahre hinkte Adidas in den USA Nike weit hinterher, die Herzogenauracher kommen im größten Sportartikelmarkt der Welt auf gerade einmal vier Prozent Marktanteil, Nike hingegen auf satte 21 Prozent. Den Abstand will Adidas wenigstens verkürzen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×