MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2017

12:36 Uhr

Air Berlin-Verkauf

200 plus 100 – so soll das Angebot der Lufthansa aussehen

Die Verhandlungen um den Verkauf von Air Berlin sind auf der Zielgeraden. Einem Bericht zufolge bietet die Lufthansa 200 Millionen Euro für die insolvente Airline und außerdem die Übernahme von Betriebskosten.

Bekommt der Marktführer in Deutschland die gewünschten Teile des Rivalen? AFP

Lufthansa und Air Berlin

Bekommt der Marktführer in Deutschland die gewünschten Teile des Rivalen?

BerlinIm Übernahmekampf um die insolvente Air Berlin rechnet die Lufthansa einem Insider zufolge mit einem Finanzbedarf von rund 300 Millionen Euro. Der Kaufpreis für den Teil der Fluggesellschaft, für den die Lufthansa geboten hat, werde bei 200 Millionen Euro liegen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters und bestätigte damit einen Bericht der „Bild am Sonntag“.

Darüber hinaus könne der deutsche Marktführer bis zu 100 Millionen Euro Betriebskosten in der Übergangszeit übernehmen. Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Informationen am Sonntag nicht kommentieren. Zwischen der Unterzeichnung eines Kaufvertrags und dem Vollzug könnten Branchenkennern zufolge noch etwa drei Monate vergehen, da die Zustimmung der deutschen und europäischen Wettbewerbsbehörden abgewartet werden müsse.

Der Gläubigerausschuss von Air Berlin hatte am Donnerstag beschlossen, bis zum 12. Oktober zunächst mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet weiter zu verhandeln.

Niki Lauda zum Air-Berlin-Verkauf: „Passagiere müssen sich auf höhere Preise einstellen“

Niki Lauda zum Air-Berlin-Verkauf

„Passagiere müssen sich auf höhere Preise einstellen“

Niki Lauda, der Gründer der Air-Berlin-Tochter Niki, verurteilt im Interview die Übernahme der insolventen Airline durch die Lufthansa. Sie schaffe quasi ein Monopol. Er kritisiert vor allem die Rolle der Bundesregierung.

Der Verkauf von Air Berlin soll „Bild“ und „B.Z“ zufolge genug Geld einbringen, um den 150 Millionen Euro schweren Notkredit der Bundesregierung zurückzuzahlen. Der Gläubigerausschuss gehe von Gesamteinnahmen zwischen 250 und 350 Millionen Euro aus, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf Unternehmenskreise. Allerdings gebe es mit den Verhandlungspartnern Lufthansa und Easyjet noch ein Problem mit den Start- und Landerechten. Unter anderem am Flughafen Düsseldorf gebe es noch einige Überscheidungen.

Für die Sparte Air Berlin-Technik soll den Berichten zufolge wahrscheinlich die Berliner Logistikfirma Zeitfracht den Zuschlag bekommen. Alle Technik-Standorte in Berlin und Düsseldorf sollen demnach gesichert sein. Für die Mitarbeiter gebe es am Montag in Berlin und am Dienstag in Düsseldorf eine Betriebsversammlung. Ein Sprecher von Air Berlin wollte sich nicht dazu äußern.

Knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung steht die insolvente Fluggesellschaft vor der Zerschlagung. Den Löwenanteil von Air Berlin soll Insidern zufolge Lufthansa übernehmen. Darin enthalten sei auch die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki. Weitere Teile sollen an Easyjet gehen. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor ist Insidern zufolge noch im Rennen.

Bei der Aufteilung von Air Berlin sieht ein Reiseexperte derzeit nicht die Gefahr steigender Ticketpreise. „Es sind weder ein Monopol noch steigende Preise für Kunden zu befürchten“, sagte Felix Methmann, Reiserechtsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Marktanteile der Lufthansa im deutschen Markt würden Prognosen zufolge zwar auf knapp 50 Prozent steigen. Für den Fall, dass dies so kommen sollte, sagte Methmann: „Wichtig ist nur, dass auf allen innerdeutschen Strecken noch Wettbewerb herrscht.“

Zu den Verhandlungen bis zum 12. Oktober sagte Methmann: „Je länger sich die Verhandlungen hinziehen, desto größer ist die Gefahr des "Groundings".“ Bei einem „Grounding“ würden alle Flugzeuge am Boden bleiben, etwa wenn Air Berlin das Geld ausgeht. Dies hätte massive Auswirkungen für Passagiere. Generell meinte Methmann: „Man kann keinem Kunden empfehlen, derzeit einen Flug mit Air Berlin zu buchen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×