MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2017

14:17 Uhr

Air Berlin vor der Übernahme

Berliner Spedition buhlt um Pleite-Airline

VonChristoph Schlautmann

Die Liste potenzieller Bieter für die insolvente Air Berlin füllt sich zunehmend mit illustren Kaufinteressenten. Die Pleite-Airline lockt nicht nur Rennfahrer und Hostelbetreiber, sondern auch die Spedition Zeitfracht.

Die Spedition Zeitfracht wirft sich in den Bieterkampf um die Pleite-Airline. dpa

Air Berlin

Die Spedition Zeitfracht wirft sich in den Bieterkampf um die Pleite-Airline.

DüsseldorfDie kleine Berliner Spedition Zeitfracht mit ihren 325 Lastwagen kennen die wenigsten. Das aber soll sich nach dem Willen ihres Geschäftsführers Wolfram Simon, 36, nun ändern. Man habe am Montagabend die testierten Kaufunterlagen bei Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther eingereicht, erklärte er dem Handelsblatt. Nun warte man auf den Zugang zum laufenden Investorenprozess.

Der Familienbetrieb greift damit nach Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft, deren Verkauf Flöther derzeit gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger organisiert. „Uns ist daran gelegen“, erklärt Simon, „Air Berlin möglichst als Ganzes zu erhalten und den Luftverkehrsstandort Berlin zu stärken.“

Im angedachten Konzept, mit dem man den insolventen Flieger wieder erfolgreich machen will, klaffen allerdings erhebliche Lücken. So vermutet Zeitfracht insbesondere im Luftfrachtbereich „große Wachstumschancen und Erlöspotenziale“.  Für den Passagierbetrieb dagegen halte man Ausschau nach Partnern. Ein möglicher: Ihr Luftfrachtgeschäft wickelt die Lkw-Spedition, wie das Handelsblatt erfuhr, schon jetzt in Kooperation mit Air China ab.

Das Familienunternehmen hatte Gründer Horst Walter Schröter 2011, zwei Jahre vor seinem Tod, der Nichte Jasmin Schröter, 33, vererbt. Sie ist mit Simon liiert.

Auf den ersten Blick scheint Zeitfracht für die Übernahme von Air Berlin viel zu klein. Der 800 Mitarbeiter beschäftigende Gesamtkonzern („Schröter Holding GmbH“) brachte es 2015 bei 102 Millionen Euro Umsatz auf 1,4 Millionen Euro Nettogewinn. Air Berlin dagegen beschäftigt zehnmal so viel Personal, das 2016 fast 3,8 Milliarden Euro Umsatz bewegte – wenn auch mit enormem Verlust.

Doch die Firmenkasse von Zeitfracht ist prall gefüllt. Im vergangenen Oktober verkaufte die Berliner Spedition ihren Firmenanteil von 6,21 Prozent an Deutschlands zweitgrößtem Paketdienst DPD. Der Kaufpreis blieb zwar unveröffentlicht, dürfte Experten zufolge aber an eine dreistellige Millionenhöhe heranreichen. Jahrelang hatte sich der DPD-Hauptgesellschafter, die französische Postgesellschaft La Poste, um den ausstehenden Anteil an der Paketgesellschaft DPD bemüht, die 2017 voraussichtlich 1,7 Milliarden Euro umsetzt.

Gegenüber dem Handelsblatt bestätigt Zeitfracht-Geschäftsführer Simon, dass die Gelder aus dem Anteilsverkauf für den Einstieg bei Air Berlin eingesetzt werden sollen.

Ob die Zeit reichen wird, ist ungewiss. Bis zum 15. September will der Insolvenzsachwalter Offerten für Air Berlin einsammeln, um womöglich schon am 21. September einen Verkaufsentscheid zu fällen. „Das ist sportlich“, erklärte Simon, „aber schaffbar.“ Unterstützung bekommt er von der Wirtschaftskanzlei Görg. Die Kölner Rechtsanwälte hatten Zeitfracht beim Verkauf der DPD-Anteile beraten, bekannt wurde Görg durch den Verkauf des Warenhausimperiums Arcandor Karstadt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×