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23.07.2019

11:20

Bahn-Konkurrent

Warum Flixtrain derzeit oft stundenlang verspätet ist

Von: Christoph Kapalschinski

Dem hochbewerteten Start-up Flixbus fehlen Züge, um zuverlässig arbeiten zu können. Das verärgert die Fahrgäste.

Handelsblatt Live

„Bis Flixtrain-Reisende eine Entschädigung bekommen, dürfte es etwas dauern“

Handelsblatt Live: „Bis Flixtrain-Reisende eine Entschädigung bekommen, dürfte es etwas dauern“

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Hamburg Der Eintrag beim Kurznachrichtendienst Twitter ist launig: „Hey, Flixtrain! Schön, dass du günstig bist. Aber: Keine Info, warum euer Zug in Hamburg knapp zwei Stunden Verspätung hat, im Zug kein Wort der Entschuldigung. Wlan funktioniert auch nicht. Mal sehen, was jetzt noch alles kommt.“

Diese Beschwerde ist kein Einzelfall. Derzeit haben die Züge der Berliner Flixbus-Mutter Flix Mobility ein Problem mit der Pünktlichkeits. Allein in den ersten drei Juliwochen zeigen Meldungen von Nutzern, die bei Twitter eingelaufen sind, an sieben Tagen Verspätungen von mindestens einer Stunde. Den Rekord hält laut den Twitter-Nutzern der 15. Juli mit vier Stunden Verspätung.

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Dabei fährt Flixtrain im Vergleich zur Deutschen Bahn (DB) äußerst selten: Der im März 2018 gestartete Zug verkehrt bislang nur auf vier Strecken – zwischen einmal und dreimal täglich. Für die Kunden sind Zugverspätungen von über einer Stunde besonders ärgerlich: Anders als bei der Deutschen Bahn können sie wegen des dünnen Fahrplans nicht einfach auf einen anderen Zug ausweichen. Tickets für den Flixtrain gelten in der Deutschen Bahn nicht.

Der Grund der langen Verspätung liegt bei Flixtrain. Das Unternehmen hat zu wenig Wagen im Einsatz: „Die längeren Verspätungen gehen direkt oder indirekt auf das fehlende Wagenmaterial zurück. Hätten wir mehr Ausweichmöglichkeiten, könnten wir öfter auf lange Zugvorbereitungen verzichten, beispielsweise für Reinigungen oder Wartung“, teilte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt auf Anfrage mit.

Dazu kämen weitere, kürzere Verspätungen, unter anderem wegen Baustellen oder Störungen im Bahnnetz. Es habe jedoch in den vergangenen Wochen nur einen Komplettausfall eines Zuges gegeben – am 12. Juli, zumindest nach den Daten, die bei Twitter zu finden sind.

„Es war nicht immer ganz leicht, die genaue Ursache für eine Verspätung zu eruieren“, erklärte der Sprecher. Das läge vor allem daran, dass das „Train-Team gerade sehr stark mit dem Thema Expansion beschäftigt ist und je Fahrt mehrere Gründe für Verspätungen auftreten sowie teilweise auch Verspätungen aufgeholt werden können“. Das Angebot sei erst kürzlich aufgestockt worden. „Wir prüfen gerade obendrein, welche neuen Trassen wir im kommenden Jahr anbieten können“, so der Sprecher.

Verdichtete Fahrpläne

Die aktuellen Verspätungen hängen offenbar auch damit zusammen, dass Flixtrain im Juni und Juli seine Fahrpläne verdichtet hat und auf zwei Strecken jeweils einen Zug mehr pro Tag losschickt. Das Unternehmen erwarte, dass sich die Lage bis Ende August entspanne.

„Wir hoffen, dass wir bis dahin das Personal aufstocken können und sich die Abläufe für den neuen Fahrplan besser einspielen“, sagte der Sprecher. Zudem ebbt dann der Ferienverkehr ab. Neue Waggons seien jedoch kurzfristig am Markt nicht zu bekommen.

Für Flixtrain gelten dieselben EU-weiten Entschädigungsregeln wie für die großen Bahnanbieter, so dass Verspätungen auch wirtschaftlich schmerzhaft werden können. Wie schnell eine Entschädigung erfolgt, hängt laut Flixtrain auch von der Zahl der Beschwerden ab – länger als einen Monat solle es aber nicht dauern. Wie bei der DB sind auch bei Flixtrain keine Entschädigungen über die Buchungs-App möglich, sondern nur über den Kundendienst.

Flix Mobility hegt große Wachstumspläne. Die Finanzinvestoren Permira und TCV haben im Juli eine halbe Milliarde Euro in das sechs Jahre alte Unternehmen gesteckt. Das ist die bisher größte Investitionsrunde für ein deutsches Start-up. Mit dem Geld will der Reiseanbieter vor allem in Übersee investieren.

Es sind jedoch auch neue Zuglinien in Europa geplant. So prüft Flixtrain mehrere IC-Linien in Frankreich. Das Unternehmen setzt bislang gebrauchte Waggons ein und bietet damit teils ein recht uneinheitliches Erscheinungsbild seiner Züge. Operativ durchgeführt werden die Fahrten im Auftrag von Flixbus durch den Nürnberger Bahnbetreiber BahnTouristikExpress und die tschechische Leo Express.

Offenbar muss das Berliner Unternehmen noch an seinen Abläufen arbeiten. Ein Nutzer zitiert die launige Durchsage eines Zugbegleiters: „Einige von Ihnen haben von Flixbus die Info erhalten, dass der Zug in Düsseldorf endet. Meine Info ist, dass wir bis Köln-Deutz weiterfahren. Ich kann selbst die Betriebssteuerung von Flixtrain nicht erreichen und vermute, man hat den Hörer neben das Telefon gelegt. Vielleicht versuchen Sie es ja nochmal mit Flixtrain, es läuft nicht immer so beschissen wie heute.“

Mehr: Flixmobility macht das, was Investoren lieben: ein Geschäftsmodell extrem schnell skalieren. Fraglich ist, ob die Firma ihre globale Expansion managen kann. Ein Kommentar.

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