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06.06.2018

11:25 Uhr

Billig-Airline

Übernahme-Poker um Norwegian Air geht weiter

VonHelmut Steuer

Der norwegische Billigflieger hat sich bei den Langstrecken übernommen – die Schulden sind gewaltig. Ein Verkauf wäre die Lösung, doch an wen?

Trotz Schulden soll die Flotte der Billigairline demnächst noch weiter wachsen. dpa

Boeing von Norwegian

Trotz Schulden soll die Flotte der Billigairline demnächst noch weiter wachsen.

StockholmDer Name ist zurzeit das Thema in der Luftfahrt: Norwegian Air. Die finanziell angeschlagene Billigairline ist zum Objekt der Begierde geworden. Als Erste streckte die britisch-spanische IAG die Hand nach dem norwegischen Rivalen aus, dann tauchte der Name Ryanair als Interessent auf. Zuletzt wurde sogar spekuliert, die Lufthansa-Tochter Eurowings könnte mitbieten.

Dabei hat Bjørn Kjos, Gründer und CEO von Norwegian, deutlich gemacht, dass er eigentlich nicht verkaufen will. Eigentlich – denn sollte der Preis stimmen, könne man über alles reden, so Kjos. Und so versucht der ehemalige Kampfpilot offensichtlich alles, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Etwa mit dem Namen Ryanair. Kurz nachdem Kjos der IAG eine Absage erteilt hatte, erklärte Kjos, dass auch Ryanair Interesse habe. Die Norwegian-Aktie machte einen kräftigen Satz nach oben. Doch das Dementi aus Irland folgte schnell. Man habe den Norwegern nie ein Angebot unterbreitet. Ryanair-Chef Michael O’Leary bezeichnete die Äußerungen von Kjos als einen „verzweifelten Versuch“, ein Interesse zu konstruieren.

Der Gründer will seine Anteil an Norwegian nicht verkaufen - zumindest offiziell. picture alliance / DPR

Bjørn Kjos

Der Gründer will seine Anteil an Norwegian nicht verkaufen - zumindest offiziell.

Branchenkenner vermuten ein Pokerspiel auf allen Seiten. Wie das ausgehen könnte, weiß keiner. Einige Analysten in der norwegischen Hauptstadt glauben, dass Kjos, der 27 Prozent an Norwegian hält, bereit sein könnte zu verkaufen. „Wenn der Preis denn stimmt“, wie ein Analyst sagt. Luftfahrtanalyst Hans Jørgen Elnæs vermutet, dass Kjos mit dem Ryanair-Interesse der IAG signalisieren wollte, es gäbe auch andere Interessenten. Experten der Bank HSBC dagegen halten einen Verkauf von Norwegian für unwahrscheinlich.

Probleme mit dem Geschäftsmodell

Ein echter Krimi also. Der hat einen ernsten Hintergrund. Norwegian-Chef Kjos hat schon bessere Tage erlebt. Jüngst musste er die Langstrecke von Kopenhagen, Oslo und Stockholm nach Las Vegas wegen zu geringer Nachfrage aufgeben. Nur eines von vielen Anzeichen dafür, dass die Airline Probleme hat. Der Pionier, der in großem Stil beweisen will, dass das Billigmodell auch auf der Langstrecke funktioniert, ist ins Straucheln gekommen.

Die Airline hat sich mit ihren billigen Transatlantikstrecken möglicherweise verhoben. Der Kauf von knapp 150 Flugzeugen, darunter die für die Langstrecke bestens geeigneten 14 Dreamliner, haben die Verschuldung in die Höhe getrieben. Dabei soll die Flotte aus Flugzeugen mit der typisch roten Frontpartie bis Ende kommenden Jahres sogar noch auf 193 Maschinen wachsen.

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Doch das, was auf der Kurzstrecke funktioniert, bereitet Kjos auf der Langstrecke mehr und mehr Sorgen. Doppelte Crews, längere Ladezeiten und eine generell kompliziertere Logistik bei Langstreckenflügen kosten einfach mehr. Ein Verkauf von Norwegian an IAG würde die angestrengte finanzielle Lage von Norwegian lösen, meinen deshalb die meisten Analysten.

Allerdings scheint das Interesse von IAG in den vergangenen Wochen abgeflaut. IAG-Chef Willie Walsh räumte kürzlich ein, dass er Kjos von einer Übernahme nicht habe überzeugen können. „Wir haben uns nicht geeinigt“, sagte Walsh und erklärte, dass er nun andere Optionen prüfe. Eine feindliche Übernahme komme aber nicht Betracht. Doch Walsh dürfte nicht so schnell aufgeben, denn es geht darum, seine wichtigen Nordamerikastrecken vor Konkurrenz zu schützen. Und wer weiß: Vielleicht taucht der Name Ryanair in dem Poker doch noch wieder auf.

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