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14.06.2018

18:15 Uhr

Consumer Goods Forum: Metro-Chef lobt Situation deutscher Einzelhändler dpa

Olaf Koch

Der Metro-Chef leitet als Co-Vorsitzender das Branchennetzwerk Consumer Goods Forum.

Consumer Goods Forum

„Müssen uns nicht verstecken” – Metro-Chef lobt deutsche Einzelhändler

VonChristoph Kapalschinski

Der Kampf gegen Plastikmüll treibt auch die Konsumgüter-Industrie um. Metro-Chef Olaf Koch spricht über die Lösungsansätze der Branche.

SingapurMetro-Chef Olaf Koch ist Co-Vorsitzender des Consumer Goods Forums. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die Themen des Gipfels, die Marktsituation in Südostasien und über die Internationalisierung deutscher Unternehmen.

Herr Koch, Sie sind seit einem Jahr Co-Chair des CGF. Was bringt Ihnen persönlich diese Art der internationalen Vernetzung?
Als Metro sind wir ja ohnehin sehr international aufgestellt. Aber das CGF bietet eine Möglichkeit, größere Herausforderungen gemeinsam anzugehen – mit Händlern und Herstellern. Das CGF ist weder Lobbyorganisation noch Branchenverband, sondern eine Problemlösungs- und Gestaltungs-Plattform.

Welches sind die aktuellen Themen, derer sich die Branche annehmen muss?
Das Spektrum ist sehr breit; von Nachhaltigkeit über Lebensmittelsicherheit bis hin zur Datentransparenz. Entscheidend ist, dass wir priorisieren, etwa beim Kampf gegen die Abholzung von Regenwäldern. Wir kümmern uns auch um das zwiespältige Thema Plastik. Kunststoff ist unglaublich wertvoll in unserer Wertschöpfung – er sorgt für weniger Verderb von Lebensmitteln.

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Aber er hat eben auch große Nachteile, wenn die Entsorgung nicht funktioniert. Das dritte wichtige Thema für mich sind Daten: Es gibt zu viele technische und mentale Hindernisse beim Datenaustausch zwischen Industrie, Zulieferern und Händlern. Diese müssen wir überwinden – zum Vorteil aller und insbesondere der Kunden.

Das Bild der Branche in der Weltöffentlichkeit dominieren US-Konzerne, zunehmend auch Asiaten. Müssen die Deutschen, oft Familienunternehmen, sichtbarer werden?
Die deutschen Unternehmen sind bereits sehr international. Wenn man sich etwa ansieht, wie sich Aldi, die Schwarz-Gruppe um Lidl, Rewe, aber auch Zalando und natürlich Metro international aufgestellt haben, brauchen wir uns nicht zu verstecken. Manchmal fehlt aber vielleicht noch die Sichtbarkeit.

Internationalisierung der Discounter

Lässt sich das ändern?
Die öffentliche Anerkennung für die Investitionen deutscher Händler im Ausland hat bereits deutlich zugenommen. Ich glaube, es ist ein längerer Prozess, die Visibilität zu erhöhen.

Welche Themen können die Deutschen weltweit einbringen?
Wir können die Vorteile unserer Erfolgsmodelle aus dem deutschen Markt internationalisieren. Derzeit gelingt das beim Discount offensichtlich besonders gut, der etwa in den angelsächsischen Ländern die Diskussion stark prägt.

Nutzt die Expansion deutscher Händler auch deutschen Herstellern?
Natürlich. Man schaut ja als Händler bei der Internationalisierung auch darauf, welche bewährten Partner man mitnehmen kann. Das ist bei Metro nicht anders, wenn wir etwa in der zweiten Jahreshälfte unser erstes Lieferdepot in Myanmar eröffnen. So teilen wir auch das Risiko. Allerdings ist es für Händler im Zuge ihrer Internationalisierung auch wichtig, ein stabiles Netz an lokalen Lieferanten aufzubauen – insbesondere aufgrund der Kundennachfrage und -bedürfnisse.

Consumer Goods Forum: Metro-Chef lobt Situation deutscher Einzelhändler Reuters

Olaf Koch

Das Thema Datenkomplexität nimmt auf der Agenda des Managers eine wichtige Position ein.

Welche Erfahrungen aus der Internationalisierung von Metro in der Region Südostasien nehmen Sie dabei mit? Aus Vietnam haben Sie sich ja beispielsweise zurückgezogen.
Wir haben insgesamt gemischte Erfahrungen. Wir waren lange sehr erfolgreich bei unserer Internationalisierung – haben uns aber zu lange darauf kapriziert, möglichst jedes Jahr in ein neues Land zu gehen. Da sind wir manchmal zu weit gegangen – und mussten uns teilweise wieder von Märkten trennen.

Das trifft aber nicht auf Vietnam zu. Dort haben wir seinerzeit ein so fantastisches Angebot bekommen, das wir kaum ablehnen konnten. Was wir gelernt haben: Die Erfolgsformel unseres Geschäfts ist unglaublich lokal. Als Großhändler unterstützen wir ja das Restaurant und den kleinen Krämer vor Ort. Standardisierung ist da nicht die Lösung, sondern so radikal wie möglich zu lokalisieren. Das gelingt zunehmend besser.

Verändert das die Branche in Deutschland?
Klar. Man muss jedoch dann auch die Komplexität beherrschen. Die Vielfalt an Zielgruppen, die man begeistern muss, braucht eine entsprechende Steuerungslogik. Wenn wir in Indien, das selbst unglaublich heterogen ist, langfristig erfolgreich sein wollen, können wir das nicht aus Düsseldorf heraus steuern. Das ist eine Herausforderung.

Was kann die deutsche Branche von Südostasien lernen?
Innovationskraft und Investitionswille erleben hier neue Dimensionen, Alibaba und Tencent sind nur zwei Beispiele. Die Entwicklung ist extrem dynamisch. Es wird viel über Digitalisierung aus dem Silicon Valley geredet – aber hier geht es oft noch viel schneller.

Wachstumsimpulse in Südostasien

Gewinnt Asien für die Branche als Alternative zu den zunehmend protektionistischen USA an Gewicht?
Der US-Binnenmarkt ist so groß und interessant, dass die Branche sicher weiter investieren wird. Ohne jede Frage gibt es die großen Wachstumsimpulse aber klar in Südostasien – unabhängig von der Politik.

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Die Konsumgüterbranche muss sich wohl auch nicht am meisten vor Zöllen fürchten, oder?
Ja, das kann man so sagen. Aber jegliche Form von Einschränkung ist schädlich – das hört ja nicht bei einer Branche auf.

Worauf freuen Sie sich am meisten beim Treffen in Singapur?
Seit drei Monaten besprechen wir in einer Arbeitsgruppe die Frage, wie man Datenkomplexität über verschiedene Systeme hinweg bewältigen kann. Die Bereitschaft bei vielen, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, ist so groß, dass ich mich auf die Diskussion freue. Da können wir einen Durchbruch erreichen. Denn da geht es nicht um wettbewerbsrelevante Dinge, sondern es nutzt der Wertschöpfung und dem Kunden.

Könnte das CGF eine eigene Norm entwickeln?
So weit würde ich nicht gehen. Aber es kann zu dem Prozess beitragen. Ich freue mich darauf, zu sehen, wie stark die Unterstützung sein wird. Die Kraft des CGF ist die große Zahl kleiner Unternehmen, die von der Zusammenarbeit mit den Branchenriesen profitieren können. Das ist der wesentliche Kern.

Herr Koch, vielen Dank für das Interview.

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