Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2019

19:12

Dominik Asam

Abheben mit Airbus – Der neue Finanzchef präsentiert glänzende Zahlen

Von: Joachim Hofer, Thomas Hanke

Er ist der mächtigste Deutsche beim Flugzeugbauer Airbus. Kaum im Amt, vermeldet der Ex-Infineon-Manager Dominik Asam einen Gewinnsprung.

Der Manager wechselte erst kürzlich von Infineon zu Airbus. Bloomberg

Dominik Asam

Der Manager wechselte erst kürzlich von Infineon zu Airbus.

München, Toulouse Es ist eine Premiere, wie sie sich wohl jeder Manager wünscht. Airbus verdiente im ersten Halbjahr 1,2 Milliarden Euro, mehr als fünfmal so viel wie ein Jahr zuvor. Kein Wunder, dass Dominik Asam in Toulouse gelassen ins Mikrofon spricht; zum ersten Mal präsentiert der neue Airbus-Finanzchef die Halbjahresergebnisse des Flugzeugbauers – und die sind so gut, dass selbst abgebrühte Analysten verblüfft sind. Asams Start ist geglückt, schon dank der Kraft der nüchternen Zahlen.

Da lässt sich der ehemalige Infineon-Finanzvorstand auch nicht mehr durch heikle Fragen von Journalisten aus dem inneren Gleichgewicht bringen. Gelassen demonstriert er, dass er sich bei den Programmen des Herstellers bereits auskennt. Mal reagiert er präzise, mal gezielt diffus.

Da hilft auch kein Nachbohren aus dem Lager der Fragenden: Asam lässt sich keinerlei Aussage dazu entlocken, wie sich die US-Strafzölle auf europäische Flugzeuge mittelfristig auf die Geschäftsziele des Konzerns auswirken würden. Beinahe kunstvoll jongliert er bei seinem Blick in die Zukunft zwischen den beiden Polen Chance und Risiko.

Gemeinsam mit zwei weiteren Deutschen zählt Asam schon heute zu den tragenden Säulen von Airbus – dem Verkaufschef Christian Scherer und Michael Schöllhorn, der das operative Geschäft leitet. Dominik Asams Lebenslauf liest sich, als hätte er schon immer auf eine Karriere bei Airbus hingearbeitet.

Nach ein paar Semestern Maschinenbau an der Technischen Universität in seiner Geburtsstadt München wechselte er für zwei Jahre an die prestigeträchtige Ecole Centrale in Paris, an der schon Gustave Eiffel studiert hatte. Mit dem französischen Abschluss ging er zurück nach München, machte dort sein Diplom und an der Insead in Fontainebleau schließlich seinen MBA.

Gespür für Frankreich

Damit war er wie maßgeschneidert für den europäischen Flugzeugbauer: Manager mit einem internationalen Profil sucht man bei Airbus. Wenn sie wie Asam ein Gespür sowohl für Deutschland als auch für Frankreich haben – umso besser.
Doch es muss den Konzern einige Überredungskünste gekostet haben, Asam von Infineon abzuwerben.

Im Frühjahr vergangenen Jahres erst hatte der Aufsichtsrat den Vertrag des 50-Jährigen bis zum Jahr 2023 verlängert, der Manager genoss hohe Wertschätzung bei dem Halbleiterhersteller. Auch mit Konzernchef Reinhard Ploss kam Asam gut klar, die beiden duzen sich. Dass er sich dennoch für den Wechsel entschied, mag auch an seiner besonderen Beziehung zu Frankreich gelegen haben.

So wie Asam zwischen Deutschland und dem Nachbarland im Westen wandelt, bewegt er sich zwischen Ingenieurskunst und Finanzen: Der Manager begann seine Karriere bei der Investmentbank Goldman Sachs, war bereits von 2003 bis 2005 bei Infineon und zog nach Zwischenstationen bei Siemens und RWE Anfang 2011 in den Infineon-Vorstand ein. Dort galt er als klare Nummer zwei nach Vorstandschef Reinhard Ploss, 63.

Eine Rolle, die zu seinem Ego passte, denn besonders gern stand Asam nicht im Scheinwerferlicht. Vor großem Publikum wirkte er zuweilen hölzern, ganz anders als im persönlichen Gespräch: Da war er herzlich, einnehmend und eloquent. Andererseits: Die Tatsache, dass ihm öffentliche Auftritte nur bedingt Spaß machen, wäre bei Infineon kein Karrierehindernis gewesen. Der sportliche Manager hatte durchaus gute Chancen, eines Tages auf den Chefposten vorzurücken.

Es war nur völlig unklar, wann Ploss zurücktreten würde. Der Vertrag des Ingenieurs läuft bis Herbst 2020, und bis heute ist offen, ob er aufhört oder noch ein paar Jahre dranhängt. In seine Zeit als Finanzvorstand fiel eine für Infineon wegweisende Übernahme: 2014 kauften die Münchener den US-Rivalen International Rectifier für rund drei Milliarden US-Dollar. Es war nicht zuletzt Asam, der für eine reibungslose Integration der Amerikaner sorgte.

Auch ganz grundsätzlich hinterließ er geordnete Finanzen: Nur ein paar Wochen nach seinem Abschied Ende März kündigte Infineon seine bislang größte Akquisition an. Für neun Milliarden Euro will der Dax-Konzern den US-Konkurrenten Cypress erwerben. Die Kredite zu bekommen war für Nachfolger Sven Schneider kein Problem, Asam hatte ihm geordnete Finanzen hinterlassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×