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14.06.2018

18:15 Uhr

Alibaba, JD, Grab: Die digitale Zukunft kommt aus Asien Bloomberg

Anthony Tan

Der Malaysier ist CEO des Uber-Konkurrenten Grab.

E-Commerce

Angriff auf Amazon – die digitale Zukunft kommt aus Asien

VonChristoph Kapalschinski

Die chinesischen Onlinekaufhäuser Alibaba und JD.com und auch der Uber-Konkurrent Grab expandieren – und bieten europäischen Marken dabei neue Chancen.

SingapurDer Mann, der auf der Bühne des Consumer Goods Forums (CGF) in Singapur die Zukunftsvisionen seiner Firma präsentieren soll, strahlt. Erst wenige Stunden zuvor hat Anthony Tan, Chef des asiatischen Uber-Konkurrenten Grab, erfahren, dass ihm der japanische Autokonzern Toyota mit einer Milliarde Dollar finanziell unter die Arme greifen will.

Das Geld wird gebraucht, damit Tans Taxidienst demnächst auch in das Geschäft mit Essenslieferungen, Bezahldiensten und vor allem in die Datennutzung expandieren kann. „Wir wissen, wo sich Leute aufhalten“, erzählt er. „Wer den ganzen Tag im Casino oder Wettbüro sitzt, sollte lieber keinen Kredit bekommen“, ergänzt der Manager aus Malaysia auf dem Jahrestreffen, das Freitag endet.

Längst aber werden dem Grab-Chef weitere Pläne nachgesagt. Sein Eintritt in den E-Commerce werde nicht lange auf sich warten lassen, glaubt Nicolo Galante, Chef des führenden thailändischen Einzelhändlers Central Group.

Schließlich winkt den asiatischen Internetkonzernen der Erfolg, wie die chinesischen Branchengrößen JD.com und Alibaba zeigen. Manche von ihnen nehmen es längst mit den US-Riesen aus dem Silicon Valley auf.

Dabei setzen Alibaba und JD.com zum Sprung in neue Märkte an. Beide verwandeln eine vermeintliche Schwäche ihres Heimatmarkts China in eine Stärke: Weil es dort auf dem Land an Logistik und Zahlungssystemen mangelte, haben sie diese gleich selbst aufgebaut. Inzwischen gelten sie bei Innovationen wie etwa der Lieferung per Drohne weltweit als Vorreiter. Wie Amazon betreiben sie Supermärkte, die on- und offline verknüpfen.

Entsprechend selbstbewusst zeigte sich Alibaba-Chef Daniel Zhang beim CGF. Alibaba habe seine starke Position nicht deshalb erreicht, weil China westliche Konkurrenten aussperre, sagte er, sondern weil es die Bedürfnisse der lokalen Konsumenten besser erkannt habe. „Als wir unsere Verbraucher-Plattform Taobao gestartet haben, hatte Ebay in China 90 Prozent Marktanteil“, berichtet er.

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Heute dominiert der 1999 gegründete Alibaba-Konzern. „Wir verfolgen eine völlig andere Philosophie als Amazon“, sagte er. „Wir sehen uns als Ermöglicher für Marken und Hersteller. Wir bieten ihnen unsere Services an – unseren Marktplatz, Marketing-Tools, Zahlungsdienstleistungen.“ Alibaba handelt nicht auf eigene Rechnung, sondern verfolgt ein reines Marktplatzmodell – und bewegte so zuletzt 760 Milliarden Dollar. Der Konzern plant langfristig: Bis 2036 will Alibaba zwei Milliarden Kunden vorweisen, davon 1,2 Milliarden außerhalb Chinas.

EY-Partner Chandan Joshi hat festgestellt: „Alibaba und JD.com wollen globale Spieler werden. Sie haben die Kraft zu eigenständigen Innovationen – und liegen daher technisch teils schon vor dem Silicon Valley.“ Um ein weltweiter Magnet für Talente und Kunden zu werden, müssten sie aber an ihrem internationalen Auftritt arbeiten.

Seine Erwartung: Bis spätestens 2030 seien die chinesischen Spieler global präsent. Dabei könnten auch Zukäufe helfen. In Südostasien breitet sich Alibaba bereits aus – etwa durch den Zukauf des südostasiatischen Modehändlers Lazada von Rocket Internet.

Der heimische Konkurrent JD.com, seit knapp vier Jahren an der Nasdaq notiert, handelt dagegen auf eigene Rechnung. Vergangenes Jahr konnte die 2004 gestartete Plattform erstmals einen Gewinn ausweisen – und nutzt die Stärke ebenfalls zur Expansion, etwa durch Einstiege bei E-Commerce-Anbietern in Thailand, Indonesien und Vietnam.

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Dabei hilft, dass neben dem chinesischen Internetriesen Tencent, dem Anbieter der Kurznachrichten- und Bezahlplattform „Wechat“, auch der US-Händler Walmart als Ankeraktionär bei JD.com vertreten ist.

Die Strategie erläuterte Winston Cheng, President International bei JD.com, jetzt dem Handelsblatt: „Wir gehen bei der Expansion in neue Märkte gezielt vor. Ich denke, dass wir besonders in der Region Südostasien unsere Erfahrungen aus China sinnvoll einbringen können.“

In Europa und den USA sei Amazon derzeit zu stark – und mit zehnmal mehr Marktkapitalisierung schwer zu schlagen.

Im Westen sehen sich die beiden Plattformen als Brücke in die asiatischen Märkte. Beide werben aktiv um Marken, die auf ihren Plattformen verkaufen sollen – mit Erfolg. Henkel etwa macht mit Kosmetik in China die Hälfte des Umsatzes online. Beiersdorf hat gerade seine Online-Partnerschaften mit Alibaba und JD.com in China um den dritten großen Partner NetEase Kaola ergänzt.

JD.com nutzt neue Technik, um für Partner interessanter zu werden – etwa für Winzer aus Deutschland. Per Blockchain sollen etwa Weinflaschen rückverfolgbar werden, um Fälschungen zu verhindern. Edelmarken aus Europa will JD.com-Manager Cheng von einem Pariser Büro aus mit Luxuslogistik überzeugen: Die Ware kommt aus Lagerhäusern mit gefilterter Luft per Elektroauto zum Kunden – mit einem Kurier in Anzug und weißen Handschuhen.

Auch sonst nutzt JD.com moderne Technik. Auf einem Uni-Campus in Peking erprobt das Unternehmen selbstfahrende Lieferroboter, im ländlichen Teil der Provinz Xi’an sind inzwischen laut Unternehmensangaben 400 Drohnen im täglichen Einsatz, um abgelegene Dörfer zu erreichen.

Bei der Expansion drohen Alibaba und JD.com allerdings neue Konkurrenten: Gerade erst ist Amazon Prime in Singapur gestartet.

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