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09.08.2018

17:25 Uhr

E-Commerce

Xiaomi und JD.com – Chinesen greifen den Onlinehandel an

VonStephan Scheuer

Produkte aus China hatten bisher keinen guten Ruf in Europa. Das wollen zwei chinesische Unternehmen mit eigenem Versandhandel jetzt ändern.

Der chinesische Versandhändler betreibt mehr als 500 Lager und mehr als 7000 Lieferstationen. Reuters

Logistikzentrum von JD.com

Der chinesische Versandhändler betreibt mehr als 500 Lager und mehr als 7000 Lieferstationen.

DüsseldorfEs gibt einen neuen Spieler, der das Potenzial hat, den Markt umzukrempeln. Richard Liu, Gründer des chinesischen Onlinehändlers JD.com, will in Europa durchstarten. Bislang bringt er vor allem europäische Produkte nach China. Doch das soll sich ändern. Im Interview mit dem Handelsblatt kündigte er an: „Ich möchte auch Produkte in Europa verkaufen.“ Bis zum Jahresende will er dazu einen konkreten Plan vorstellen.

Damit hat er die Chance, die Debatte um den Verkauf chinesischer Produkte in Deutschland und Europa grundlegend zu verändern. Denn JD.com konnte sich in China eine Reputation als verlässlicher Anbieter und guter Partner der Hersteller aufbauen. Während Alibaba als Branchenprimus im Stil von eBay viele Händler auf seiner Plattform vereint und es dadurch regelmäßig auch Produktfälschern gelingt, im größeren Stil Fakes zu verkaufen, geht JD.com restriktiver vor.

Richard Liu ist von seinem Geschäftskonzept eher mit Amazon vergleichbar. JD.com tritt auch selbst als Händler auf. Andere Anbieter können zwar die Plattform von JD.com nutzen. JD.com favorisiert aber ausdrücklich das eigene Geschäft. Dazu hat Richard Liu von 2007 an ein eigenes Logistiknetz aufbauen lassen.

Er betreibt mehr als 500 Lager und mehr als 7.000 Lieferstationen. In Frankreich plant Liu bereits ein Logistikzentrum. Weitere sollen folgen. „Natürlich werden wir ein Netzwerk von eigenen Logistikzentren errichten“, kündigte Liu an. Dafür setzte JD.com auch auf Partnerschaften mit Logistikkonzernen wie DHL oder UPS.

Die größere Kontrolle über die Produktauswahl und -zustellung hilft Richard Liu dabei, eine hohe Qualität sicherzustellen. Noch ist unklar, wie Liu sein Europageschäft gestalten will. Es dürfte ihm jedoch sehr daran gelegen sein, nicht in Schwierigkeiten mit dem Zoll zu geraten, wie etwa Wish oder Gearbest. Je besser die Angebote von JD.com sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden zu undurchsichtigeren Angeboten greifen.

Xiaomi will Europa erobern

Gleichzeitig kündigt sich ein weiterer Spieler an: Der Smartphone-Hersteller Xiaomi. Einige der über Wish oder Gearbest verkauften Produkte stammen aus dem Sortiment des chinesischen Technologieunternehmens. Günstige Smartphones, Staubsaugerroboter oder Stehroller sind in Deutschland bislang nicht verfügbar. Wer eines der Geräte kaufen möchte, der landet schnell bei den Angeboten von Wish oder Gearbest.

Doch Xiaomi will das Geschäft künftig selbst besetzen. Im vergangenen Jahr kündigte Xiaomi-Direktor Liu Yi im Gespräch mit dem Handelsblatt an, die Firma werde nach Europa expandieren. „Wir dehnen unser Angebot in zwölf europäische Staaten aus“, sagte Liu. Deutschland ist zwar in der ersten Expansionsphase nicht dabei, dafür aber einige Nachbarländer wie Polen oder Österreich.

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Seit Mai gibt es südlich von Wien den ersten „Mi Store“ im deutschsprachigen Raum. Im Shopping City Süd in Vösendorf können Kunden die Produkte des chinesischen Händlers ausprobieren und kaufen. Kein Umweg mit dubiosen Zollregelungen oder langen Wartezeiten über Onlinehändler ist nötig. Neben Smartphones lassen sich dort auch smarte Sportuhren, Sicherheitskameras oder smarte Reis- und Wasserkocher kaufen. Der Laden wirbt mit mehr als 80 verschiedenen Produkten.

Schon jetzt haben auch deutsche Elektronikhändler wie Alternate oder Cyberport Xiaomi-Geräte in ihr Sortiment aufgenommen. Auch wenn der Hersteller chinesischer Produkte in Deutschland noch nicht aktiv ist, bewirbt etwa Alternate Geräte wie ein Fitnessarmbad, Saugroboter oder smarte Wasserkocher als „EU-Ware“ – also als Import aus einem anderen EU-Staat. Je einfacherer es die Anbieter deutschen Kunden machen, desto schwerer dürfte es für Wish, Gearbest und Co. werden.

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