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21.10.2019

10:30

Erotikversand

Die Gründerin von Amorelie überlässt den Chefposten einer Apple-Managerin

Von: Joachim Hofer

Lea-Sophie Cramer zieht sich in den Beirat des Internetshops zurück. An die Spitze der Tochtergesellschaft von Pro Sieben Sat 1 rückt eine Frau aus dem Silicon Valley.

Amorelie-Chefin Lea-Sophie Cramer hört zum Jahresende auf Amorelie

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer

Eine der bekanntesten Gründerinnen Deutschlands tritt ab.

München Eine der bekanntesten Gründerinnen Deutschlands tritt ab: Lea-Sophie Cramer hört zum Jahresende als Chefin von Amorelie auf. Das teilte die 32-Jährige am Montagmorgen ihren Mitarbeitern in der Zentrale des Erotikversands in Berlin mit. „Das ist für beide Seiten ein guter Zeitpunkt“, sagte die Managerin dem Handelsblatt.

Ganz verabschieden will sich die Berlinerin aber nicht: Sie zieht in den Beirat der Tochtergesellschaft von Pro Sieben Sat 1 ein.

Cramer hat Amorelie vor sieben Jahren gemeinsam mit Sebastian Pollok gegründet. 2015 Jahren verkauften die Partner ihre Firma an die Münchner TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1. Cramer hält heute noch gut zwei Prozent der Anteile.

Die Firma mit ihren 140 Mitarbeitern sieht sich selbst als „eine der führenden Marken für das Liebesleben“, die „ausgewählte, qualitativ hochwertige Lovetoys“ vertreibt. Zu Umsatz und Gewinn macht Pro Sieben Sat 1 keine Angaben.

Anfang kommenden Jahres werde Claire Midwood die Führung übernehmen, teilte Amorelie mit. Die Managerin stehe seit zwei Jahren in Diensten von Apple und arbeite in der Zentrale im Silicon Valley. Bei dem iPhone-Hersteller sei sie für den Vertrieb zuständig. Zuvor sei sie 20 Jahre lang beim Dax-Konzern Adidas gewesen und habe dort unter anderem die Sportmodemarke Neo aufgebaut.

Midwood sagte, sie sehe bei Amorelie die „einmalige Chance, die Liebesindustrie zu entwickeln, unsere internationale Präsenz auszubauen und den aktiven Austausch über unseren Körper und dessen sexuelle Gesundheit zu fördern“.

Unabhängiger von Fernsehwerbung werden

Amorelie ist Teil von NuCom, der E-Commerce-Sparte von Pro Sieben Sat1. Der im MDax notierte Konzern hat den Bereich in den vergangenen Jahren etabliert, um unabhängiger von der TV-Werbung zu werden. Zu der Division gehören unter anderem das Vergleichsportal Verivox und Jochen Schweizer, ein Anbieter von Erlebnisgutscheinen.

Florian Tappeiner, der Co-Chef von NuCom, sagte über Gründerin Cramer: „Leas Vision und Tatkraft beim Aufbau und der Entwicklung von Amorelie waren außergewöhnlich.“ Die Aufgabe ihrer Nachfolgerin sei nun, das Geschäft im Ausland voran zu treiben. Zudem müsse Amorelie weiter wachsen. Auch Übernahmen stehen auf der Agenda.

Zusammen mit Cramer verlässt auch Marketingchefin Lia Grünhage Amorelie. Sie werde ihr eigenes Start-up gründen, heißt es. Ihren Platz nimmt Uwe Glander ein, der von NuCom kommt.

Viele Gründer ziehen sich schnell zurück, wenn ein Konzern einsteigt. Das wollte Cramer 2015 jedoch nicht. „Wir haben in jüngster Zeit noch eine Schippe drauf gelegt, sind jetzt bei der dm und Douglas vertreten. Außerdem ist ein gesellschaftliches Umdenken eingetreten. Das war 2015 noch nicht so“, sagt sie. Zuletzt hat Cramer das Geschäft mit Handelsketten und Eigenmarken forciert. Zudem erschloss sie dieses Jahr den chinesischen Markt.

Konkrete Pläne für ein neues Start-up habe sie nicht, betonte die Amorelie-Gründerin. Vielmehr werde sie erst einmal reisen, sich auf Konferenzen weiterbilden und auch mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Cramer werde jetzt nach eigenen Angaben ein Jahr in sich investieren.

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