Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2019

07:30

Flugzeughersteller

Airbus erreicht Rekordergebnis – und warnt dennoch vor möglichen Problemen

Von: Thomas Hanke

Die Auslieferungen sind sprunghaft gestiegen, vor allem das Geschäft mit der A320 läuft gut. Risiken sieht Airbus in US-Strafzöllen.

Airbus: Flugzeughersteller verdoppelt Gewinn im ersten Halbjahr AFP

Ein A320-Flugzeug von Easyjet

Der Flugzeugtyp A320 gilt als das Standardmodell von Airbus – und beschert dem Unternehmen Erfolg.

Paris Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus ist auf dem besten Weg, Weltmarktführer zu werden. Er könnte in diesem Jahr mehr Flugzeuge ausliefern als sein ewiger Konkurrent Boeing, der unter den Problemen bei seinem wichtigsten Modell 737 Max leidet.

Allerdings hat Airbus-CEO Guillaume Faury am Mittwoch eindringlich vor einem Handelskonflikt gewarnt, der – vom Subventionsstreit zwischen den USA und der EU ausgehend – die gesamte Branche erfassen könnte. „Das wäre ein lose-lose-lose-Spiel“, sagte Faury während der Telefonkonferenz über die Halbjahreszahlen des europäischen Unternehmens. „Eine verhandelte Lösung ist der einzige Ausweg, bevor der Streit eskaliert und die ganze Industrie beeinträchtigt.“

Die Welthandelsorganisation WTO hatte entschieden, dass die Europäer Airbus teilweise unberechtigte Beihilfen gewährt hatten und die USA ein Recht auf Ausgleichszölle hätten. Das würde die Lieferung von Flugzeugen und Teilen in die USA beeinträchtigen.

Wenig später aber hatte die WTO bestätigt, dass die Vereinigten Staaten den Airbus-Konkurrenten Boeing in noch größerem Umfang finanziell unterstützten und die EU deshalb noch höhere Strafzölle auf US-Flugzeuge einführen dürfe. Da der Beschluss zugunsten der Amerikaner früher erging, ist der US-Handelsbeauftragte früher am Zug als die EU.

Im ersten Halbjahr 2019 hat Airbus sein angepasstes Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, auf rund 2,5 Milliarden Euro. Mit finanziellen Sondereffekten ergibt sich ein berichtetes Ergebnis von 2,1 Milliarden Euro. Darin sind die Wirkungen eines militärischen Exportverbots aus den USA und die Kosten des Ausstiegs aus der A 380-Produktion enthalten, rund 200 bzw. 130 Millionen Euro. 

Der Umsatz stieg auf 30,9 Milliarden Euro. Die starke Nachfrage nach der A 320-Familie hat zu Auslieferungen von 389 Stück in den ersten sechs Monaten geführt – 83 mehr als im Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr erwartet Airbus weiterhin einen Rekordwert von 880 bis 890 Exemplaren, was das europäische Unternehmen zum Weltmarktführer machen würde.

Was die seit Jahren laufenden Ermittlungen der britischen und der französischen Betrugsbekämpfungsbehörden wegen mutmaßlicher Korruptionsfälle angeht, zeigte Faury sich zuversichtlich: „Es gibt Fortschritte und es geht in die richtige Richtung.“ Einzelheiten dürfe er aber wegen der noch laufen Untersuchung nicht mitteilen.

Zu viele Ungewissheiten

Da mittlerweile praktisch das gesamte Spitzenmanagement ausgetauscht wurde, wie es die Behörden in ähnlichen Fällen regelmäßig verlangen, könnte nach Ansicht von Beobachtern bald eine Lösung bevorstehen.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern bereitet sich mittlerweile auf einen ungeordneten Brexit als wahrscheinlichste Möglichkeit vor. Da ein erheblicher Teil – beispielsweise der Flügel – in Großbritannien erzeugt wird, hätte das chaotische Ausscheiden der Insel aus der verbundenen Produktion erhebliche Auswirkungen durch mögliche Verzögerungen an der Grenze. „Wir haben Lagerbestände im Umfang von einem Monat gebildet“, sagte Faury. Bei dieser Größenordnung werde man es bis zum Brexit-Stichtag Ende Oktober belassen.

Bei der Herstellung seien sie voll auf die Produktionssteigerung der A320-Familie konzentriert, erläuterte der Airbus-Chef. Die monatliche Rate werde bis 2021 auf 63 Stück gesteigert. Die größte Variante A321 habe früher nur einen geringen Teil ausgemacht, sei mittlerweile aber wesentlich wichtiger geworden. Die Variante mit flexibler Kabinenausstattung sei dabei sehr komplex in der Herstellung.

„Wir brauchen größere Kapazitäten und untersuchen alle möglichen Optionen dafür“, sagte Faury. Betroffen sei vor allem der Standort Hamburg. Eine Möglichkeit sei die Umwidmung der Kapazitäten, die bislang für die Produktion des Großraumfliegers A 380 vorgehalten wurden. Diese stellt Airbus mangels Nachfrage ein. Zuletzt hatte Air France am Dienstag mitgeteilt, dass die A 380-Modelle ausgemustert und durch das modernere Großraum-Modell A 350 ersetzt würden.

Was die finanziellen Effekte möglicher US-Strafzölle angeht, sagte der deutsche Finanzchef Dominik Asam, es sei noch zu früh, um sie beziffern zu können: „Da gibt es noch zu viele Ungewissheiten“. Die höhere Lagerhaltung als Vorbereitung auf den Brexit wirke sich auf das Betriebskapital aus, was zu einem niedrigeren freien Cashflow (FCF) führt.

Dennoch erwartet Asam, dass der negative FCF von vier Milliarden Euro bis Ende des Jahres in einen positiven FCF in gleicher Höhe umgewandelt wird. Das A 350-Programm, das nun größte Airbus-Flugzeug, werde im laufe des Jahres die Gewinnschwelle erreichen.

Seinen finanziellen Leitgedanken hat Airbus beibehalten. Er beruht auf deutlich höheren Auslieferungen von 880 bis 890 Flugzeugen und beinhaltet einen Anstieg des Ergebnisses (EBIT) von 15 Prozent. Angesichts der bereits erreichten Verdoppelung wirkt das mittlerweile sehr vorsichtig. Asam erklärte Airbus beim EBIT in einer bequemen Lage. Was den freien Cashflow angehe, werde das zweite Halbjahr „herausfordernd“, da es immer Ungewissheiten bei den Auslieferungen gebe. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×