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03.04.2017

13:57 Uhr

Güterverkehr

Konkurrenten hängen Deutsche Bahn ab

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr erneut weniger Güter auf der Schiene transportiert. Die Konkurrenten des Staatskonzerns konnten so ihren Marktanteil erstmals über 40 Prozent steigern.

Der Güterbranche haben 2016 die niedrigen Dieselpreise, die geringe Straßenmaut und die Niedrig-Löhne der Lkw-Fahrer zu Schaffen gemacht. dapd

Güterzüge

Der Güterbranche haben 2016 die niedrigen Dieselpreise, die geringe Straßenmaut und die Niedrig-Löhne der Lkw-Fahrer zu Schaffen gemacht.

BerlinDie Konkurrenten der Deutschen Bahn haben im vergangenen Jahr mehr Güter auf den Schienen transportiert und ihren Marktanteil weiter ausgebaut. Erstmals stieg ihr Anteil über 40 Prozent, wie das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) am Montag in Berlin mitteilte. Die Verkehrsleistung dieser Firmen – also Tonnen kombiniert mit gefahrenen Kilometern – stieg 2016 demnach um 4,2 Prozent. Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Cargo transportierte dagegen weniger und blieb 2016 in den roten Zahlen.

DB Cargo will mit einem Sparkurs und mit dem Verzicht auf unrentable Transporte wieder in die Gewinnzone. Das Plus bei den Wettbewerbern konnte das Minus von DB Cargo allerdings nicht ausgleichen, so dass der Marktanteil des Schienengüterverkehrs an den Frachttransporten insgesamt auf unter 18 Prozent sank. Der Lkw-Transport dominiert hier mit mehr als 70 Prozent.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

NEE-Vorsitzender Ludolf Kerkeling sprach daher von einem schlechten Jahr für den Güterverkehr auf der Schiene insgesamt. Die niedrigen Dieselpreise, eine zu geringe Straßenmaut und die Niedrig-Löhne der Lkw-Fahrer setzten allen Bahnen zu, monierte er. Diese müssten für Energie und die Nutzung der Trassen immer mehr zahlen.

Die Bundesregierung will jetzt gegensteuern und plant noch vor der Bundestagswahl ein Paket, um den Schienengüterverkehr zu stützen. Dies gilt auch als nötig, um die Klimabilanz des Verkehrssektors zu verbessern, bei dem es seit 1990 keine Fortschritte gibt. Als wahrscheinlich gilt, dass die Trassenpreise – die sogenannten Schienenmaut – gesenkt wird.

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rtr

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