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12.01.2018

16:40 Uhr

Insolvenzverfahren in Österreich

Niki-Verkauf soll neu aufgerollt werden

VonJens Koenen

Böse Überraschung für die Air Berlin-Tochter Niki und den Käufer IAG. Das Landesgericht in Korneuburg will das Insolvenzverfahren nach Österreich holen. Und auch der Bieterprozess soll nun neu aufgerollt werden.

Niki: Insolvenzverfahren muss in Österreich laufen AFP

Niki-Maschine in Berlin

Das Insolvenzverfahren für die Air-Berlin-Tochter muss womöglich neu aufgerollt werden.

FrankfurtSchwerer Rückschlag für den geplanten Verkauf der Air Berlin-Tochter Niki. Das Landesgericht im österreichischen Korneuburg will das Hauptinsolvenzverfahren nach Österreich holen. Der Plan von Lucas Flöther, dem vorläufigen Insolvenzverwalter in Deutschland, in Österreich lediglich ein sogenanntes Sekundärinsolvenzverfahren zu starten, das Hauptverfahren aber wie bisher in Deutschland zu belassen, ist damit vorerst gescheitert.

Schlimmer noch: Der Bieterprozess soll neu gestartet werden. Auch die unterlegenen Interessenten Tuifly, Niki Lauda und Thomas Cook/Condor würden eine neue Chance bekommen, erklärte ein Gerichtssprecher. Die Frist dafür laufe bis zum 19. Januar.

Durch die Entscheidung steht der geplante Verkauf der Vermögenswerte der österreichischen Fluggesellschaft Niki und die Rettung von 740 der rund 1000 Jobs auf der Kippe. Flöther hat mit der britisch-spanischen Airline-Holding IAG und deren Billigableger Vueling einen Kaufvertrag für wesentliche Teile der Airline abgeschlossen. Vueling will 20 Millionen Euro zahlen und 17 von Niki angemieteten Flugzeugen übernehmen. Doch diese Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt, dass kein anderer Insolvenzverwalter eingesetzt wird. Genau das droht nun aber.

Bericht des Insolvenzverwalters: Bund verliert Hälfte des Air-Berlin-Kredits

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Bund verliert Hälfte des Air-Berlin-Kredits

Der Verkauf von Air-Berlin-Tochter Niki an IAG steht weiter auf der Kippe. Doch selbst wenn der Deal klappt, sieht der Insolvenzverwalter keine Chance, dass aus dem Erlös nur ein Euro des Staatskredits getilgt wird.

Entsprechend harsch fällt die Reaktion von Flöther aus. „Diese Eröffnung widerspricht der europäischen Insolvenzordnung“, erklärte der Verwalter: „Die Niki Luftfahrt GmbH wird nun die zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte prüfen.“ Im Vordergrund stehe allerdings, dass der bereits geschlossene Kaufvertrag für den Niki-Geschäftsbetrieb Rechtskraft erlange und möglichst viele Arbeitsplätze gerettet würden. „Kompetenzfragen sind dabei völlig nachrangig.“

Der Kompetenzstreit zwischen deutschen und österreichischen Insolvenzgerichten bleibt damit vorerst ungeklärt. Denn in Deutschland steht noch eine Gerichtsentscheidung aus. Dort hatte das Landgericht Berlin das Insolvenzverfahren nach Österreich verwiesen – auf Antrag des Fluggastrechte-Portals Fairplane. Doch Niki hat dagegen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Rechtsbeschwerde eingelegt. Sollte der BGH entscheiden, das Verfahren doch in Deutschland anzusiedeln, könnte der Verkauf noch vollzogen werden. Allerdings könnte der Fall auch noch vor dem Europäischen Gerichtshof landen. In jedem Fall drohen damit deutliche Verzögerungen.

Hinter der Entscheidung des Gerichts steht wohl die Hoffnung, doch noch einen Käufer für das gesamte Unternehmen zu finden. Doch in der Branche hält man es für recht unwahrscheinlich, dass es ein besseres Angebot als das der IAG geben wird. Davon geht auch Flöther aus. Bieter Niki Lauda etwa soll Probleme damit gehabt haben, Arbeitsplätze zu garantieren.

Zudem gibt es in Österreich ein großes Interesse daran, Niki – einst die zweitgrößte österreichische Airline neben der zur Lufthansa gehörenden Austrian Airlines – zu erhalten. Das hat Vueling bislang wohl zugesagt. Die IAG-Tochter will den Flugbetrieb zwar integrieren. So soll der Vertrieb für Niki-Tickets bei Vueling angesiedelt sein. Das ist auch notwendig, denn Niki hatte keinen eigenen Vertrieb, hatte sich hier auf die Muttergesellschaft Air Berlin verlassen. Gleichzeitig will Vueling aber den gerade im deutschsprachigen Raum etablierten Namen Niki behalten.

Die österreichische Niki-Insolvenzverwalterin will rasch Weichen für die Zukunft der Air Berlin-Tochter stellen. „Ich denke, dass man in den nächsten zwei, drei Wochen hier eine Lösung haben wird“, sagte die neu bestellte Masseverwalterin Ulla Reisch der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag in Wien. Sie signalisierte, dass sie nicht das gesamte Insolvenzverfahren von Niki neu aufrollen wolle.

„Es geht darum, dass für die Gläubiger und die Mitarbeiter die bestmögliche Lösung getroffen wird.“ Dabei werde sie auch den bereits von Flöther ausgehandelten Niki-Verkauf an den Luftfahrtkonzern IAG prüfen, betonte Reisch.

Die Zeit, den Vertrag abzuschließen – das so genannte Closing – drängt. Denn um den seit der Insolvenzanmeldung Mitte Dezember ruhenden Flugbetrieb schnell wieder zu starten, muss ein Minimalbetrieb aufrechterhalten werden. Das kostet aber Geld. Dafür stellt die IAG 16,5 Millionen Euro zur Verfügung. Doch dieses Geld reicht laut Flöther nur für wenige Wochen.

Offen ist nun zudem, ob die IAG an dieser Zusage angesichts der neuen Entwicklung festhalten wird. Niki ist gerade dabei, die für den Betrieb notwendigen Flugzeuge nach Wien zu holen – etwa aus Deutschland. Zudem will man den Ticketverkauf bereits Mitte Februar wieder starten – dann wie gesagt über Vueling. Bis dahin müsste das Closing also erfolgt sein, sonst darf Vueling diesen Plan nicht umsetzen.

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